Deutschland Nachrichten

Zum Jahreswechsel: Preiserhöhungswelle für Strom


Stand: 25.11.2022 09:01 Uhr

Mehr als sieben Millionen Stromkunden wurden zuletzt über massive Preiserhöhungen informiert. Es ist regional unterschiedlich. Doch teuer dürfte es in den kommenden Jahren überall werden.

Zahlreiche Verbraucher in Deutschland erhielten kürzlich Preiserhöhungen von ihren Stromversorgern. Die Erhöhungen zum Jahreswechsel sind zum Teil drastisch. So verlangt das Kölner Unternehmen Rheinenergie ab Januar mehr als doppelt so viel pro Kilowattstunde (kWh) für die Grundversorgung: Dort werden künftig rund 55 Cent fällig – eine Steigerung von fast 130 Prozent.

Unternehmen geben erhöhte Kosten an die Kunden weiter

Rheinenergie ist kein Einzelfall. „Das neue Jahr beginnt mit einer massiven Preiserhöhungswelle für Strom“, sagte Thorsten Storck, Energieexperte beim Vergleichsportal Verivox. Grundversorger müssten die höheren Marktpreise nun schrittweise an ihre Kunden weitergeben.

Rheinenergie verweist auch auf die hohen Beschaffungskosten, die sich offenbar zunehmend in der langfristigen Einkaufsstrategie des Unternehmens widerspiegeln. „Im Vergleich zum Vorjahr sind die Preise an den Strombörsen um mehr als 300 Prozent gestiegen, in der Spitze hatten sie sich mehr als verzehnfacht. Außerdem steigen auch die Netzentgelte“, begründet das Unternehmen den Preissprung.

Der extreme Anstieg der Gaspreise infolge des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine gilt als einer der Hauptgründe für den Anstieg der Strompreise. Im Großhandel bestimmt die inzwischen teure Stromerzeugung aus Gaskraftwerken oft den Strompreis für alle anderen Erzeugungsarten. Experten sprechen von der sogenannten Merit Order: Entscheidend für den Strompreis ist das teuerste Kraftwerk, das zur Deckung des Bedarfs noch benötigt wird.

7,3 Millionen Haushalte betroffen

Dem Vergleichsportal Check24 sind zum Jahreswechsel bereits mehr als 580 Fälle von Strompreiserhöhungen in der Grundversorgung bekannt geworden. „Rund 7,3 Millionen Haushalte sind betroffen“, berichtete das Unternehmen kürzlich. Die Steigerungen betragen durchschnittlich 60,5 Prozent. Verivox kommt aufgrund einer anderen Datenbasis auf ein durchschnittliches Plus von 54 Prozent.

„Die Strompreissteigerungen zum Jahreswechsel sind teilweise drastisch“, betont Energieexperte Udo Sieverding von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Leider sind die Tarife für Neukunden über die Vermittlungsportale noch höher, sodass ein Anbieterwechsel in den meisten Tarifgebieten keine Ersparnis bringt.“ Dies dürfte sich erst in den nächsten Monaten ändern. Kunden in der Grundversorgung haben daher aktuell keine Wahl.

„Bei Preiserhöhungen sollten Kunden außerhalb der Grundversorgung sogar überlegen, von ihrem Sonderkündigungsrecht Gebrauch zu machen und in die Grundversorgung zu fallen“, rät die Verbraucherschützerin. Der Grundversorgungstarif galt früher als eher teurer Tarif. Teilweise liegt er aber schon unter den Sondertarifen anderer Anbieter.

Vor allem in Köln und München steigen die Stromkosten

Die Preissteigerungen zu Jahresbeginn fallen mittlerweile deutschlandweit sehr unterschiedlich aus. So erhöhen beispielsweise die Stadtwerke in Potsdam (Brandenburg) die Preise um rund 21 Prozent auf 46,5 Cent pro kWh. Bei MVV Energie in Mannheim (Baden-Württemberg) werden für die Grundversorgung ab Januar knapp 45 Cent fällig – statt bisher 27 Cent.

Der ostdeutsche Energieversorger EnviaM (Chemnitz, Sachsen) verlangt künftig 48,1 Cent – ​​20,1 Cent mehr als bisher. Neben Köln fällt die Steigerung auch in München kräftig aus: In der Grundversorgung der Stadtwerke kostet die Kilowattstunde ab Neujahr 61,9 Cent. Früher waren es 25 Cent.

Die deutlichen Steigerungen zum Jahreswechsel sind nicht die ersten in der jüngeren Vergangenheit: Nach Berechnungen von Check24 zahlte ein Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 kWh im November 2020 durchschnittlich 29,4 Cent pro kWh. Ein Jahr später schon 31,6 Cent. Aktuell (November 2022) liegt der Durchschnitt bei 42,7 Cent.

Weitere hohe Preise erwartet

Dieses hohe Niveau dürfte für die Haushalte auch in den kommenden Jahren Realität bleiben. Der Strommarktexperte Mirko Schlossarczyk vom Beratungsunternehmen Enervis geht nicht davon aus, dass die Strompreise wieder auf das Niveau vor dem Ukraine-Krieg fallen werden. Vielmehr erwartet er Verbraucherpreise in den Jahren 2023 und 2024 im Durchschnitt deutlich über 40 Cent pro Kilowattstunde brutto.

Auch in den Folgejahren werde er wohl nicht unter 40 Cent fallen, teilweise seien sogar 50 Cent möglich, sagte er der dpa. „Wir sehen auch langfristig ein konstant hohes Preisniveau an den Energiehandelsmärkten.“ Zwar könnten durch ein voraussichtlich sinkendes Gaspreisniveau und den verstärkten Ausbau erneuerbarer Energien die Stromgroßhandelspreise in Zukunft auch stärker sinken.

Den deutlich größeren Anteil am Endkundenpreis haben jedoch Zölle, Zuschläge, Gebühren und Steuern. „32 Cent werden wir in den kommenden Jahren allein aufgrund des aktuell vergleichsweise hohen Großhandelsstrompreisniveaus und bereits angekündigter Netzentgelterhöhungen nicht mehr sehen.“

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"