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Deutschland Nachrichten

WM-Pleite gegen Frankreich: Deutschlands Weltklasse-Check endet bitter


WM-Scheitern gegen Frankreich
Deutschlands Weltklasse-Check endet bitter

Von Tobias Nordmann & Till Erdenberger

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat den Schritt zurück in die Weltspitze verpasst. Sie scheitern gegen Olympiasieger Frankreich, weil der Fehlerteufel mit Macht zurück ins deutsche Spiel findet. Es ist nervig.

Was ist eigentlich in der Danziger Arena passiert?

Endlich ein K.O.-Spiel bei einem großen Turnier für die deutsche Handball-Nationalmannschaft: Letztmals qualifizierte sich das DHB-Team für die Endphase des Turniers im Jahr 2019 bei einer Welt- oder Europameisterschaft. Gegen Norwegen war man damals im Halbfinale der Heim-WM chancenlos. Nun war es gegen das Superteam aus Frankreich ein steiniger Weg zurück an die Weltspitze. Rekordweltmeister, Olympiasieger, die „härteste Aufgabe“ (DHB-Trainer Alfred Gislason) im „wahrscheinlich größten Spiel meines Lebens“ (Spielmacher Juri Knorr).

Deutschland hatte in den ersten fünf Turnierspielen einen Lauf gestartet, das knappe 26:28 gegen Norwegen im Hauptrundenfinale hatte genervt, aber auch Torhüter Andreas Wolff freute sich über den „Dämpfer zum richtigen Zeitpunkt“. Das Viertelfinale brachte einen bitteren Realitätscheck. Mit 28:35 wurde das Viertelfinale verloren. Denn nach einer sehr starken ersten Halbzeit gegen Frankreich ist genau das passiert, was gegen eine solche Mannschaft passiert ist: zu viele Fehler. Die Niederlage war viel zu hoch, da waren sich alle einig. Nun soll es mit Blick auf die Heim-WM neu interpretiert werden. Das Schlagerspiel begann berauschend, für 40 Minuten lieferten sie endlich wieder Weltklasse ab. In den letzten 20 Minuten wurden Erfahrungen gesammelt. Bitter für den Moment, wertvoll für die Zukunft.

Spieler des Spiels

Keine Frage, Remi Desbonnet entschied dieses Spiel. Remi Desbonnet, das ist der französische Torhüter. Genauer: Er ist eigentlich die Nummer zwei, diesen Status hat er an diesem Mittwochabend aber furios hinter sich gelassen. Mitte der zweiten Halbzeit wuchs er zu einer unüberwindbaren Wand heran. Bis zum 20:20 in der 40. Minute war das Spiel ausgeglichen, ehe der Torhüter zum Géant, zum Giganten, aufstieg. Reihenweise entschärfte er die Würfe der Deutschen, die allerdings immer mehr von hinten werfen mussten, was ihnen überhaupt nicht gefiel. Einmal fing Desbonnet sogar einen Ball. Die Höchststrafe. Seinen besten Moment hatte er, als er im Eins-gegen-Eins spektakulär einen Tempokonter von Patrick Groetzki abwehrte und so einen deutlichen Rückstand verhinderte (mit dann drei Toren, dazu mehr unten).

Szene des Spiels

„Wir machen aus den ersten elf Angriffen gefühlt elf Tore“, sagte DHB-Sportdirektor Axel Kromer zur Halbzeit. „Danach hatten wir vier Angriffe zu viele Ballverluste, auch etwas zu viel Risiko.“ Aber das braucht man auch gegen eine Mannschaft mit der Qualität Frankreichs. Julian Köster warf einige Bälle weg, und drei Spieler, Kai Häfner, Christoph Steinert und schließlich Djibril M’Bengue, durften sich im rechten Rückraum versuchen. Ein klares Zeichen und kein gutes. Und Juri Knorr, der lange wieder ein starkes Spiel machte, machte ein paar jener „teuren Fehler“, die Bundestrainer Alfred Gislason im Spiel der deutschen Mannschaft und ihres Direktors vor dem Turnierstart immer wieder angesprochen hatte. Mit mehr Effizienz, das war die Hoffnung, würde es irgendwie gegen Frankreich funktionieren, hatten sie gehofft. Daraus wurde nichts. Denn nach den ersten elf Attacken ließ die Effizienz zunächst langsam, dann immer schneller nach. Auch weil die Kräfte der deutschen Spieler nach einem langen Turnier zusehends nachließen.

Patrick Groetzki machte es besonders teuer. Der Rechtsaußen, der bei diesem Turnier noch zum deutschen WM-Rekordhalter aufsteigen kann, lief zu Beginn der zweiten Halbzeit mit zwei Toren Vorsprung im Rücken einen Konter – und scheiterte an Desbonnet. Wenig später ging Frankreich zum ersten Mal überhaupt in diesem Spiel in Führung. Und die abgezockte Truppe gab sie nicht mehr her. Ob der Fehlschuss von Groetzki wirklich eine Zäsur war, ist fast unerheblich. Zu dominant und abgezockt spielten die titelhungrigen Franzosen eine sichtlich ermüdende deutsche Mannschaft systematisch auseinander. Effizient, gnadenlos. Frankreichs Superstar Nikola Karabatic, „die Legende unseres Sports“, wie der deutsche Kapitän Johannes Golla den 38-Jährigen zu Recht nannte, lobte das noch unerfahrene DHB-Team nach dem Abpfiff. Was Deutschland noch fehlt, um solche Spiele wieder zu gewinnen, konnte der mehrfache Welthandballer nicht sagen.

Wie war es in der Halle?

Von Enttäuschung gezeichnet: Christoph Steinert.

(Foto: dpa)

Dem Weltverband ist es gelungen, ein hochattraktives Viertelfinale für viele, viele Fans zu ruinieren. Kaum 1000 deutsche Fans waren zum wichtigsten Spiel der jüngeren DHB-Geschichte gekommen, dem Match, in dem gegen einen übermächtig wirkenden Gegner der Schritt zurück in die Weltklasse getan werden sollte. Zumindest ein paar mehr als aus Frankreich. Die völlig ungewisse Aussicht auf den weiteren Turnierverlauf – Halbfinale in Danzig oder im 1400 Kilometer entfernten Stockholm auf dem Landweg – ließ wohl viele Reiselustige zu Hause bleiben.

Auch der deutschen Mannschaft fehlte in diesem wichtigen Spiel der erhoffte Fanfaktor. „Wir müssen das Spiel mit Leidenschaft angehen. Wir werden unser Herz in die Hand nehmen und die vielleicht fehlende Erfahrung gegen die Franzosen kämpferisch wettmachen“, hatte Torhüter Andreas Wolff versprochen. Als es darauf ankam, kam von der Tribüne nur ein sanftes „Fight, Germany, fight“. Ein Heimspiel für niemanden und kein Handballfest. Ein Abend, der mehr verdient.

Die Stimmen des Spiels

Alfred Gislason (Bundestrainer): „In der zweiten Halbzeit ist uns im Angriff ehrlich gesagt die Puste ausgegangen. Ich glaube nicht, dass wir aufgegeben haben, im Gegenteil: Wir haben weitergemacht, aber wir haben einfach schlecht geschossen.“

Johannes Golla (Kapitän): „Erstens ist das Ergebnis zu hoch. Es war ein harter Kampf von uns.

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