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Deutschland Nachrichten

Wieduwilts Woche: Steinmeier hält eine Rede zur Blamage der Nation

Der Bundespräsident hat eine Rede zur Lage der Nation zugesagt. Mit diesem Text und dieser Art der Präsentation hätte er jedoch nicht einmal eine Gruppe von Verkäufern in einem Hotel am Stadtrand für das nächste Quartal motiviert.

Der Bundespräsident hat nur eine Aufgabe: zu sprechen. Diesen Job hat er am Freitag komplett vermasselt. Mit großem Tamtam machte Frank-Walter Steinmeier Hoffnungen auf eine „Rede zur Lage der Nation“. Dann stand er im Schloss und nörgelte. Er nörgelte eine Stunde lang in klagendem und zugleich schwachem Singsang, als ginge es um seinen verregneten Urlaub auf Fuerte, als es sogar am zweiten Samstag ein wenig regnete – Rita, stellen Sie sich vor, es regnete!

Steinmeier verspielte die größte Chance für einen politischen Redner im Nachkriegsdeutschland. Der Mann mit der manchmal brüllenden Stimme und den massiven Fäusten hätte den Leuten ein „Wozu?“ geben sollen. Das war wichtig, verdammt! Stattdessen steht der Mann wie ein Kellner am Schreibtisch im Schloss Bellevue und berichtet über die Misere in Deutschland, in Deutschland und nochmals in Deutschland.

Wenn er von „Freiheit“ sprechen muss, zitiert Steinmeier zunächst den estnischen Ministerpräsidenten – als Deutschsprachiger muss man solche Berührungsängste mit dem zentralen Wert der westlichen Welt und Nummer drei im Dreiklang der Nationalhymnen haben. Joachim Gauck muss in seinen Kaffee geweint haben. Im Iran lachen sogar die Sicherheitskräfte. Und in der Ukraine würden die Angegriffenen wohl dasselbe tun, dort aber lieber auf echte Granaten blicken als auf eine deutsche Patzerhaubitze 2022.

Bürokratische Schritte

Steinmeiers totales Scheitern ist eine Katastrophe, denn dieses Deutschland dürstet nach rhetorischer Richtung, sucht buchstäblich nach Leuchtturm, Aufmunterung, Hoffnung und Identität. Die Menschen wollen nicht umsonst leiden, aber so muss es sich für sie anfühlen. Polarisierte, verängstigte und aufgeregte Bürger brauchen jemanden, der zumindest politische Führung simuliert, Ziele identifiziert, Durchhaltevermögen zur Mission macht. Der Bundeskanzler kann das bekanntlich nicht und ist bereits tagtäglich damit beschäftigt, mit komplizierten Kompromissen das zerbrechliche Trapez der Macht in seinem Kabinett vor dem Zusammenbruch zu retten.

Aber an diesem Freitag hat Steinmeier die Ausstrahlung einer Scheibe Schwarzbrot, die jemand in der Spüle liegen gelassen hat. Seine Stimme schlängelt sich salbungsvoll von einem leicht erhöhten Punkt zum nächsten. Seine Formulierungen sind ein bürokratischer Tramp ohne Rhythmus und Varianz. Kurzum: Als Trostredner auf der Palliativstation würden Sie ihn ohne Gebühr aus der Tür schmeißen und noch am selben Tag die Schlösser wechseln.

Beleidigen Sie Ihr Publikum nicht!

Auch inhaltlich ist Steinmeier ein Kaleidoskop sprachlichen Versagens. Allein der Kernsatz der Rede ist schon fast frech: „Ich bin jedem dankbar, der an mehr als nur an sich denkt.“ Vier Punkte als Beweis.

Erstens, wenn einer Ihrer wichtigsten Sätze mit einem „I“ beginnt, ist Ihre Rede Mist. Es geht nicht um Steinmeier und seine Gefühle, es geht um Deutschland – wie gesagt, es ist eine Rede zur Lage der Nation. Auch wenn Steinmeier wegen kolossal falscher prorussischer Gesinnung allabendlich Sodbrennen bekommt, und das wäre verständlich, ist das nicht das Problem seiner Adressaten.

Zweitens beleidigen Sie Ihr Publikum nicht. Der Satz unterstellt Egoismus in der Bevölkerung, was zwar stimmen mag, aber nicht wirklich zur Verhaltensänderung motiviert.

Drittens: Dieser Satz enthält nicht einmal eine Bitte, es ist eine passiv-aggressive Bitte. „Ich wäre dir dankbar, wenn du heute Abend beim Abendessen keine Szene machen könntest, Liebling.“

Viertens: Wo ist das Ziel? Reden sollen zum Handeln motivieren oder zumindest Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. Hier bleibt allenfalls zu hoffen, dass das Staatsoberhaupt ein wenig dankbar sein kann – was für ein königliches Verständnis steckt hinter dieser Rede?

Ausstanzen aus einer drittklassigen PR-Kabine

„Wir brauchen aktive, sogar belastbare Bürger.“ Auch hier geht es nicht um die Bürger, sondern darum, was „wir“ von den Bürgern brauchen. Also… wir, die Regierung? Oder brauchen wir Bürger bestimmte Bürger? huh Er quetscht dann nach „Zug“, „Internet“, „Handy“ und „Energieversorgung“ irgendwie Demokratie in „kritische Infrastruktur“. Wahrscheinlich hat noch nie jemand so anämisch und bürokratisch über den Zauber der Volksherrschaft gesprochen. „Demokratie ist so verwundbar wie ein gutes Stempelkissen!“ er sagte es nicht, aber es hätte nahtlos in seine Rede gepasst. Bitte, Belleveue, übernimm nicht!

Er spricht Bürger an wie Erzieher in einer Kita. „Resiliente Bürger unterscheiden zwischen der notwendigen Kritik an politischen Entscheidungen – und dem Generalangriff auf unser politisches System.“ Das klingt nach „Mutige Kinder legen nach dem Spielen ihre Klötzchen weg“. Steinmeier verschüttet die Kernaussage „Putin startet einen Generalangriff auf unser politisches System“ hinter einem Bindestrich. Warum warum warum?

Natürlich macht Steinmeier auch den Fehler so vieler Deutschsprachiger, die ihre Abstraktionsebene nicht verlassen können. Er spricht davon, was „Jung und Alt“ verbindet – sagt aber nicht, was das ist, außer „das Land zu verändern“ und „es zu einem besseren Ort zu machen“. Was bedeutet das? Er spricht vom „Umgang mit dem Planeten“. Lebensqualität ist mehr als eine „stabile Internetverbindung“ – und was? Er sagt es nicht. Das sind Schläge von einem drittklassigen PR-Stand. Vielleicht sind es Schläge aus einer drittklassigen PR-Hütte. Warum beschreibt Steinmeier nicht das Leben? Erinnert er sich nicht?

Steinmeier, der Demotivationsredner

Stattdessen holt der Staatschef die Idee einer sozialen Verpflichtung aus der Tiefkühltruhe, jagt sie 10 Sekunden lang durch die Rhetorik-Mikrowelle, rechnet aber zum Glück nach eigenen Angaben nicht damit, dass der Ramsch „nur Begeisterung auslöst“. . Wenn Sie also übermotivierte Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen haben – holen Sie einfach Steinmeier, den Demotivationsredner, auf die Bühne.

Und so rumpelt diese Rede durch den Freitagmorgen wie ein Klavier, das sich eine Wendeltreppe hinunterbewegt. „Es wird nicht einfach und es wird anstrengend sein.“ Also so. „Vertrauen wir einander – und vertrauen wir uns selbst!“ Ah ah. Von historisch prägnanten Ausrufen wie „Ein Ruck muss durch Deutschland gehen“, geschweige denn „Wir schaffen das“, „Diese Mauer einreißen“ oder „Ja, wir können“, fehlt jede Spur.

Diese Rede war eine durch und durch deutsche, zappelige, nörgelnde, vage Abrechnung mit der Gegenwart, gelangweilt an die eigenen Bürger verteilt. Ich hatte mehr erwartet, ich hatte mich auf mehr gefreut. Es wird kein Zurückweichen durch Deutschland geben. Das war eine Rede zur Blamage der Nation, deren Anführer Steinmeier unbedingt noch fünf Jahre bleiben wollte.

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