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Wie reagiert die Notenbank?: Die britische Wirtschaft wächst wieder


Stand: 12.12.2022 12:53 Uhr

Die britische Wirtschaft wächst erstmals seit vier Monaten wieder leicht. Die Aussichten bleiben jedoch düster. Die Notenbank muss an diesem Donnerstag entscheiden, wie stark sie die Zinsen weiter anziehen will.

Heute gab es sowohl gute als auch schlechte Nachrichten für die britische Wirtschaft. Die britische Wirtschaftsleistung stieg von September auf Oktober um 0,5 Prozent. Das teilte das Statistikamt ONS mit. Analysten hatten mit einem leichten Plus von 0,4 Prozent gerechnet. Damit wächst die britische Wirtschaft erstmals seit vier Monaten wieder.

Nur einen Monat zuvor im September war die Wirtschaftsleistung um 0,6 Prozent geschrumpft. Dazu trug auch das Staatsbegräbnis von Queen Elizabeth im September bei, an dem es einen freien Tag gab. Die Vorzeichen für den Dreimonatszeitraum bis Oktober bleiben jedoch negativ: In diesem Zeitraum schrumpfte die britische Wirtschaft um 0,3 Prozent.

Starker Dienstleistungssektor

Getragen wurde das erneute Wachstum vor allem vom Dienstleistungssektor, der um 0,6 Prozent zulegte. Auch die Bautätigkeit stieg deutlich um 0,8 Prozent. Steigende Rohstoffpreise und Kreditkosten sowie ein Rückgang der Verbrauchernachfrage belasteten jedoch die britische Industrie. Zwar wuchs die Warenherstellung in der verarbeitenden Industrie; Die anderen Industriesektoren, einschließlich der Stromerzeugung, gingen jedoch zurück.

Die neuesten offiziellen Daten zeigten, dass die Produktion im September um 5,8 Prozent niedriger war als ein Jahr zuvor. Auch die Branche blickt pessimistisch in die Zukunft. Die Produktion werde 2023 um 3,2 Prozent schrumpfen, nach einem Minus von 4,4 Prozent im laufenden Jahr, prognostiziert der Verband Make UK.

Lange Rezession erwartet

Mit dem Anstieg des BIP im Oktober liegt die britische Wirtschaft laut ONS nun 0,4 Prozent über dem Niveau vor der Corona-Krise. Doch Finanzminister Jeremy Hunt sprach mit Blick auf die wirtschaftlichen Aussichten von einem harten Weg vor Großbritannien. Wie der Rest Europas ist auch das Land nicht immun gegen die Nachbeben der Corona-Krise, die Folgen des Ukraine-Krieges und die hohen Gaspreise auf dem Weltmarkt. Die Bank of England (BoE), die für ihre neunte Zinserhöhung in Folge bereit ist, erwartet eine lange Rezession.

Wie stark muss angezogen werden?

DWS-Volkswirtin Katrin Löhken weist darauf hin, dass sinkende Realeinkommen bei einer Inflationsrate von 11,1 Prozent die Binnennachfrage drücken: „Und frühere Leitzinserhöhungen nagen an der Wirtschaft.“ Das macht es der Zentralbank schwer, am Donnerstag über die Höhe der nächsten Zinserhöhung zu entscheiden.

Die Währungshüter sind grundsätzlich entschlossen, die Inflation zu bekämpfen. Aber die Meinungen darüber, wie viel Verschärfung erforderlich wäre, gingen auseinander. Einige Zentralbanker befürchteten, dass zu viele oder zu starke Zinserhöhungen die Rezession unnötig vertiefen könnten. „Letztendlich erscheint ein Votum für eine Anhebung des Leitzinses um 50 Basispunkte plausibel, wodurch der Leitzins auf 3,50 Prozent steigen würde“, sagt der DWS-Ökonom.