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Weihnachtsmarkt in Deutschland und der Horror des Glühweins


Adventszeit
Der Glühwein-Horror: Warum ich Weihnachtsmärkte nervig finde

Weihnachtsmarkt im Hamburger Rathaus

© Daniel Bockwoldt/ / DPA

Ich habe es versucht: Aber nachdem ich es selbst ausprobiert habe, muss ich noch einmal klar sagen: Weihnachtsmärkte sind einfach das Letzte.

Vor einiger Zeit habe ich geschrieben, warum Weihnachtsmarkt finde es nervig. Ich wurde daraufhin heftig beleidigt. Mir fehlt jede Romantik und ich bin ungewöhnlich kritisch und unbehaglich. Das gab mir Anlass zum Nachdenken. War ich auf dem falschen Weg? Ich beschloss, mich erneut dem Grauen zu stellen und besuchte erneut zwei Weihnachtsmärkte. Eines in der Hamburger Innenstadt und eines auf dem Gelände eines Bauernhofs in der Nähe. Letzteres war deutlich schlammiger (und sogar teurer) als das erste. Ansonsten ist alles beim Alten.

Es ist kalt. Es ist eng. Es ist nass. Es ist teuer.

Auf Weihnachtsmärkten ist es kalt. Es ist eng. Es ist nass. Es ist teuer. An unzähligen Glühweinständen stehen in kalten Klamotten gebündelte Passanten und verlöten ihre Glühbirnen systematisch mit fiesem Schnaps aus der Kategorie „Château-Schädel“. Irgendwann taumeln sie hilflos zwischen „lichterfüllten Tannengirlanden“ hin und her. Es ist erwiesen, dass gesüßter, heißer Wein schneller betrunken macht. Das ist nicht gut. Doch genau darum geht es für viele Menschen. Man muss einfach das Ganze austrinken.

Auf allen Märkten werden saftig-fette Backwaren zu überhöhten Preisen feilgeboten. Verkohlte Würste und Fleischspieße müssen im Stehen gewürzt werden. Riesige Pfannen an Eisenketten über offenem Feuer, in denen Bratkartoffeln und zähe Fleischstücke köcheln, simulieren mittelalterliche Gemütlichkeit. Pfannen mit mutierten Riesenpilzen köcheln traurig. Überall loben Menschen mit roten Hüten auf dem Kopf Tinnef, das dann von hirnlosen, sedierten Menschen nach dem Trinken von Glühwein für riesige Summen gekauft wird. Zu Hause steht man kopfschüttelnd vor dem chinesischen „Kunsthandwerk aus dem Erzgebirge“, den klobigen Kerzen, den Rüschen-Goldengeln, den sündhaft teuren Holzbrettern aus der Pfalz und dem Christbaumschmuck zum Eiermachen. Gut, dass es uns dennoch gelungen ist, den entfesselten Glasbläsern und Bernsteinschleifern zu entkommen. Aber warten Sie – was steckt da in Ihrer Tasche? Mistel aus dem Elsass. Mein Gott, was hätte man sonst noch kaufen können, wenn man betrunken war!

Lass den kleinen Torben einfach kaputt gehen

Karussells mit blaugefrorenen Kindern drehen sich. Manchen Menschen wird von all der Zuckerwatte, den „Zyklopen-Fleischspießen“ und den fettigen Waffeln schlecht. Wie dem auch sei, noch eine Fahrt mit dem Feuerwehrauto. Sie möchten in Ruhe Ihren Glühwein schlürfen. Lass den kleinen Torben ein wenig Pause machen.


Adventszeit: Der Glühwein-Horror: Warum ich Weihnachtsmärkte nervig finde

Und irgendwo steht immer ein armer, frierender Student und spielt „Der Schnee fällt leise“ in ein Saxofon. Nicht weit entfernt schüttelt ein Zirkusmann rhythmisch eine Spendenbox und bittet um milde Spenden für das Winterfutter seines Ponys, das neben ihm gemächlich Äpfel pflückt. Und über allem schwebt der Klang schrecklicher, kitschiger Weihnachtsmusik wie eine Abgaswolke. Und in jedem Lied – in jedem! – Sie können das nervige Geräusch dieser Glöckchen auf dem Schlitten des Weihnachtsmanns hören.

Auch Silvester ist für mich ein Horror

Aber wenn man sich über Weihnachtsmärkte beschwert, sagt jemand: „Aber der in (fügen Sie hier den Namen einer malerischen Stadt in Ihrer Nähe ein) soll wirklich schön sein.“ Und dann lässt man sich überreden, fährt hin, parkt auf einem sündhaft teuren Parkplatz, steigt aus dem Auto – läuft durch lichtdurchflutete Tannengirlanden, stellt sich vor die mittelalterliche Pfanne, riecht das Bratfett und hört das Klingeln Glocken, der lustlose Student, der Messing bläst und das Geschrei der vom Glühwein betrunkenen Menschen. Na dann, Prost!

So, und in den kommenden Wochen werde ich mich einem weiteren, massiv überbewerteten Phänomen widmen: Silvester – dieser schrecklichen Verpflichtung zu erzwungenem kollektivem Glück, wildem Schießen, entfesselten Essensorgien und sinnlosem Trinken. Ich hasse Silvester und werde im Detail erklären, warum. Wenn die Kanone mich nicht zuerst trifft. Ich weiß, dass ich mächtige Feinde habe. Allen voran der Weihnachtsmann und sein Clan. Vielleicht hätte ich mich nicht mit ihnen anlegen sollen. Gestern habe ich eine abgesägte Pferdewurst in meinem Bett gefunden!