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Weg mit Paragraf 218 (nd-aktuell.de)


Der Safe Abortion Day hat seinen Ursprung in Lateinamerika. Die katholische Kirche dort ist offen gegen Abtreibung.

Foto: Sokrates Baltagiannis/dpa

Dank jahrzehntelanger feministischer Kämpfe ist Section 219 – die „Werbung“ für Abtreibungen verbot und Ärzte kriminalisierte – Geschichte. Aber der Zugang zu sicheren Abtreibungen ist keineswegs gesichert. Daran erinnern uns Aktivisten am heutigen Tag der sicheren Abtreibung. Wer in Deutschland auf dem Land abtreiben muss, stößt schnell an die Grenzen des Systems. Nach Recherchen von Correctiv-Lokal führen nur 60 Prozent der befragten öffentlichen Krankenhäuser mit gynäkologischer Abteilung Abtreibungen durch. Das liegt auch an der Stigmatisierung im Bereich der reproduktiven Rechte und der sexuellen Selbstbestimmung. »Abtreibungen werden immer noch kriminalisiert und gelten als Straftat. In Deutschland kommen die Bundesländer ihrer Verpflichtung zur flächendeckenden Abtreibungsvorsorge nicht nach“, sagt eine Sprecherin des Bündnisses für sexuelle Selbstbestimmung gegenüber „nd“.

Am Safe Abortion Day finden in Deutschland über 80 Aktionen, Veranstaltungen und Kundgebungen statt. Zu den Forderungen auf nationaler Ebene gehört unter anderem die ersatzlose Streichung des § 218 StGB. Dieser stellt Schwangerschaftsabbrüche immer noch unter Strafe und schreibt eine Beratungs- und „Wartefrist“ für ungewollt schwangere Frauen vor, was oft als diskriminierend empfunden wird. Auch ein uneingeschränkter, bundesweiter barrierefreier Zugang zu legalen wohnortnahen Schwangerschaftsabbrüchen und eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen werden gefordert. Für das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung ist die Aktualität und Notwendigkeit des Aktionstages klar: »Der Safe Abortion Day soll zeigen, dass diese Probleme weltweit immer noch bestehen. Regressive rechte Kräfte sind dafür verantwortlich, dass Frauen und Menschen mit einer Gebärmutter ihren Körper nicht selbst in die Hand nehmen können und Abtreibungen als medizinische Dienstleistung verwehrt bleiben.«

Die weltweite Situation zeigt auch, dass diese Kämpfe nach wie vor notwendig sind. In einigen Ländern, insbesondere in Südamerika wie Mexiko und Argentinien, aber auch in Thailand und Benin werden reproduktive Rechte gestärkt.

In anderen Ländern gab es herbe Rückschläge: In den USA wurde das Urteil Roe vs. Wade aufgehoben und das Recht auf Abtreibung in vielen Bundesstaaten konsequent abgeschafft. Das Abtreibungsrecht in Polen wird immer weiter eingeschränkt und kostet Menschenleben. Und in Ungarn müssen ungewollt Schwangere künftig auf den Herzschlag des Embryos hören. Diese globale Situation haben auch UN-Menschenrechtsexperten erkannt, die am Safe Abortion Day erklärten: »Frauen und Mädchen sollten nicht als Instrument für fundamentalistische Ideologien und eine populistische Agenda missbraucht werden.« Sie machen ausdrücklich Staaten dafür verantwortlich, die Fähigkeit von Frauen und Mädchen dazu zu bringen autonome Entscheidungsfindung zu respektieren, Hindernisse und Barrieren für einen sicheren Schwangerschaftsabbruch zu beseitigen und insbesondere Strategien für die Bedürfnisse von lesbischen und bisexuellen Frauen, Transmännern und allen Menschen mit unterschiedlichen Geschlechtern zu berücksichtigen.

Der jährliche Aktionstag hat seinen Ursprung in Lateinamerika. Seit den 1990er Jahren haben Frauengruppen mobilisiert und gefordert, dass ihre Regierungen die Abtreibung entkriminalisieren, den Zugang zu sicheren Abtreibungen ermöglichen und die Stigmatisierung der Abtreibung beenden. Das Datum – der 28. September – wurde gewählt, um an die Abschaffung der Sklaverei in Brasilien zu erinnern. Der Tag wird seit 2011 weltweit begangen.