Skip to content
Weckrufe werden immer weniger gehört (nd-aktuell.de)


Auf der Demonstration in Düsseldorf: Wir sind viele, aber nicht genug.

Foto: dpa/David Young

Die Demonstrationen für einen solidarischen Herbst am Samstag brachten nicht gerade Massen auf die Straße. Damit kann sich das Bündnis aus Gewerkschaften, Umwelt- und anderen Nichtregierungsorganisationen kaum zufriedengeben. Zumal das krisenpolitische Handeln der Regierung weiterhin unentschlossen erscheint und sich nur in kleinen Schritten auf die Entlastung der am stärksten Benachteiligten zubewegt.

Trotz aller Alarmrufe sozialer Organisationen, dass das Geld für Energiekosten im Winter nie reichen wird: Die meisten Betroffenen mit geringem Einkommen oder knappen staatlichen Transferzahlungen werden nicht auf die Straße getrieben. Das milde Spätherbstwetter wird dafür nur ein untergeordneter Grund sein, denn die neuen, deutlich höheren Heizkostenabzüge sind seit Wochen absehbar. Höhere Gaspreise wurden vor genau einem Jahr angekündigt, als niemand den Krieg gegen die Ukraine ahnte. Eine echte Bedrohung durch Hunger und Kälte scheint für die meisten Menschen hierzulande weit entfernt.

Doch hierzulande kennt jeder Alarmrufe aus fast drei Jahren Pandemie. Gewisse Abnutzungserscheinungen von Äußerungen in diesem Stimmumfang sind unverkennbar. Das gilt leider auch für klimapolitische Forderungen und Warnungen. Weder für dieses Politikfeld noch für die gesellschaftlichen Umbrüche gibt es aus verschiedenen Gründen starke und einigende Akteure, die Proteste bündeln könnten. Das Potenzial der Grünen ist im Regierungshandeln längst verloren gegangen. Die Linke zerlegt lieber sich selbst als das System. Wer an diesen Zuständen etwas ändern will, braucht unter anderem viel Optimismus.