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War die Niederlage im Stadtderby gegen den FC St.


Nach dem von ihm vermasselten 108. Hamburger Stadtderby verabschiedete sich HSV-Trainer Tim Walter von seinem Kollegen Timo Schultz mit den Worten: „Wir sehen uns im Rückspiel wieder.“

Es klang fast trotzig und machte doch deutlich, wie sehr das 0:3 seines Hamburger SV beim Stadtrivalen FC St. Pauli Schultz an ihm und seinen Spielern nagte. Ein weiteres Derby bei den Millerntor-Nachbarn möchte Walter vermeiden, indem er aus der 2. Bundesliga aufsteigt.

Zum vierten Mal in Folge verlor der große HSV das Gastspiel beim Außenseiter vom Kiez – Wiederholung unerwünscht. „Es macht keinen Spaß, hier zu verlieren“, ärgerte sich HSV-Spieler Jonas Meffert.

Der Hamburger SV war in der 2. Bundesliga seit sechs Spielen ungeschlagen und ging als Tabellenführer auf die kürzeste Dienstreise der Saison. Das Team hatte im Laufe der Saison acht Auslandssiege erzielt und einen Ligarekord aufgestellt. Doch alle guten Zahlen waren nach einem denkwürdigen Abend mit der höchsten Derbyniederlage seit dem 1:4 am 14. Februar 1960 in der Oberliga Nord dahin.

Rot für HSV-Kapitän Schönlau

Alle waren sich einig, dass die Rote Karte für HSV-Kapitän Sebastian Schonlau (28.) nach einer Notbremse gegen St. Pauli-Stürmer Etienne Amenyido der Schlüsselmoment des Spiels war. „Die entscheidende Szene war natürlich die Rote Karte“, sagte Walter. Schultz stimmte zu: „Ich denke, dass der Platzverweis von Schönlau einen großen Einfluss auf das Spiel hatte.“

Obwohl er zahlenmäßig unterlegen war, sah Walter sein Team nicht aufgeben. Auch mit zehn Mann habe sie das Spiel „eigentlich im Griff“. „Wir haben mehr Kontrolle und mehr Ballbesitz. Wir haben versucht, unser Spiel zu spielen, dafür stehen wir“, sagte er. Aber diesmal ohne Erfolg.

Was ihn eher beunruhigen muss: Schon vor der Entlassung hatte der HSV gegen den FC St. Pauli gekämpft. Schultz hatte seine Formation innerhalb weniger Tage von einer Dreier- auf eine Fünfer-Abwehr trainiert („Das haben die Jungs heute richtig gut gemacht.“). Damit kamen die Gäste nur schwer zurecht, ihnen gefiel der frühe Start nicht.

Ist das nur eine Panne oder der mögliche Beginn einer kleinen Krise? Wie schon beim 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern fehlte am Millerntor die spielerische Leichtigkeit und Dominanz, mit der der HSV seine Gegner sonst zermalmt. «Wir wissen, was wir in dieser Saison geleistet haben. Wir wissen, welche Qualität wir haben, und davon lassen wir uns nicht unterkriegen. Wir werden unser Ding durchziehen», sagte Torhüter Daniel Heuer Fernandes kämpferisch.

Der Derby-Sieg dürfte St. Pauli Auftrieb geben

Der FC St. Pauli hat gezeigt, was ein Derbysieg bewirken kann: Gab es eine Krise? Gab es sieben Spiele ohne Sieg? Bestand die Gefahr, in die Gefahrenzonen zu stürzen? Eric Smith (61.), Marcel Hartel (74.) und David Otto (89.) schossen ihre Fans vor 29.205 Zuschauern im ausverkauften Millerntor-Stadion in ein lange vermisstes emotionales Hoch.

„Wir hoffen, dass uns dieser Sieg im Derby für den Rest der Saison Auftrieb gibt. Wenn wir zeigen, was wir können, werden wir meiner Meinung nach zu den Top-Teams der Liga gehören“, sagte Kapitän Jackson Irvine. „Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen“, war Schultz überzeugt. „Jetzt geht es für uns Schlag auf Schlag.“

Das gilt für beide Mannschaften: In der zweiten Runde des DFB-Pokals reisen beide zu hochkarätigen Gegnern. Der HSV muss am Dienstag zu Titelverteidiger RB Leipzig. Einen Tag später gastiert der FC St. Pauli beim Bundesliga-Überraschungsteam SC Freiburg. „Am Dienstag haben wir wieder Pläne“, kündigte Heuer Fernandes für den HSV an. Für St. Paulis Co-Kapitän Leart Paqarada steht fest: „Wir reisen mit Zuversicht in den Breisgau.“

Das Gefühl, Stadtmeister zu sein, können er und seine Teamkollegen noch ein halbes Jahr lang genießen. Am 29. Spieltag im kommenden April treffen die Rivalen erneut im Volksparkstadion aufeinander. Nicht nur Walter hofft auf HSV-Seite, dass es vielleicht vorerst die letzte sein wird.