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Wall Street eröffnet im Plus: Dem DAX geht die Luft aus



Marktbericht

Stand: 27.09.2022 16:25 Uhr

Am Nachmittag kann der DAX nur noch schwer mithalten. An den US-Börsen hingegen sind die Anleger nach dem gestrigen deutlichen Kursrutsch zurückgekehrt, wo heute noch wichtige Wirtschaftsdaten erwartet werden.

Am Nachmittag scheint dem DAX die Puste auszugehen. Nachdem er heute in der Spitze Kursgewinne von bis zu 1,5 Prozent verzeichnete, musste er einen großen Teil der Gewinne abgeben. Der deutsche Leitindex notiert aktuell nur 0,18 Prozent höher bei 12.250 Punkten. Nach den Verlusten der vergangenen Tage bekommt der DAX nur eine kurze Verschnaufpause.

Die Experten des Börsenstatistikmagazins Index-Radar gehen davon aus, dass die in der zweiten Wochenhälfte anstehenden Inflationsdaten die Marktstimmung nicht verbessern werden. Laut Börsenexperte Andreas Lipkow stehen derzeit viele kaufwillige Anleger an der Seitenlinie und warten auf eine Klärung der Lage.

Der MDAX für mittelgroße Werte stieg leicht um 0,24 Prozent auf 22.505 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 stieg um 0,40 Prozent auf 3352 Punkte.

Rezession im Winter erwartet

Das arbeitgeberorientierte Institut der deutschen Wirtschaft (IW) befürchtet für 2023 einen Wirtschaftseinbruch von 1,75 Prozent, nach 1,25 Prozent Wachstum in diesem Jahr. „Alles deutet darauf hin, dass Deutschland in eine unkontrollierte Rezession schlittert“, sagte IW-Direktor Michael Hüther. Der Staat muss nun massiv gegensteuern. Neben Verbrauchern müssten auch Unternehmen entlastet werden – und notfalls die Schuldenbremse wieder ausgesetzt werden. Am Donnerstag veröffentlichen die vier führenden Wirtschaftsforschungsinstitute zudem ihr Herbstgutachten für die Bundesregierung.

Deutsche Exportaussichten dürftig

Die Exporterwartungen der deutschen Wirtschaft sind laut ifo Institut mittlerweile auf den niedrigsten Wert seit Mai 2020 gefallen. Der Index fiel im September auf minus 6,0 Punkte, nach minus 2,8 Punkten im August. ifo-Präsident Clemens Fuest sagte, dass aufgrund der Abschwächung der Weltkonjunktur mittelfristig keine größere Dynamik zu erwarten sei. Die Exporterwartungen sind in den meisten Industriebereichen negativ.

Wall Street optimistischer

Nach den deutlichen Verlusten gestern Abend eröffneten die US-Börsen heute mit einem deutlichen Plus. Der Dow-Jones-Standardwertindex notierte zu Handelsbeginn um 0,72 Prozent höher bei 29.472 Punkten. Der breitere S&P 500 legte sogar um 1,30 Prozent auf 3702 Punkte zu. Das größte Plus verzeichnete jedoch der technologielastige Nasdaq-Index, der um 1,79 Prozent auf 11.455 Punkte stieg. Im Laufe des Tages könnte der Wind jedoch noch drehen: Am Nachmittag werden eine Reihe von US-Konjunkturdaten veröffentlicht, darunter das US-Verbrauchervertrauen für den vergangenen Monat.

Pfund stabilisiert sich wieder

Das Pfund stabilisiert sich nach der Talfahrt vom Montag. Die Währung stieg auf 1,0794 $, nachdem sie am Montag auf ein Rekordtief von 1,0382 $ gefallen war. Auf dem Devisenmarkt haben die Zusage der Bank of England (BoE) zu weiteren Zinserhöhungen und die Bekanntgabe von Einzelheiten zu den Plänen der Regierung zur Entlastung der Bürger dem Abwärtstrend des Pfund Sterling vorerst ein Ende gesetzt, sagte Stuart Cole, Chefökonom beim Maklerunternehmen Equiti Capital. Positiv ist vor allem, dass die Notenbanker den Anschein von Panik vermieden haben. „Aber reicht das?“ Fragte Commerzbank-Analystin Esther Reichelt. „Die Erklärung wird wahrscheinlich diejenigen nicht beruhigen, die zuvor an der Entschlossenheit der BoE gezweifelt haben, die Inflation zu bekämpfen.“

Auch der Euro konnte sich nach seinem jüngsten Abrutschen auf ein weiteres 20-Jahres-Tief etwas stabilisieren. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete zuletzt 0,9633 US-Dollar.

Die Ölpreise steigen

Die Ölpreise steigen heute, nachdem sie gestern auf den niedrigsten Stand seit Januar gefallen waren. Ein Barrel der Nordseesorte Brent stieg um 1,91 Prozent auf 85,74 Dollar, die US-Sorte WTI liegt zwei Prozent höher bei 78,38 Dollar. Hintergrund sind die eingetrübten Konjunkturaussichten und steigende Leitzinsen. Beides belastet die Nachfrage nach Rohöl und Ölprodukten wie Benzin oder Diesel. Rückenwind erhielt Öl laut Börsenmaklern auch durch mögliche Ausfälle in der US-Produktion aufgrund eines Hurrikans im Golf von Mexiko.

Der Goldpreis steigt leicht an

Der Edelmetallmarkt war heute leicht gestiegen. Gold stieg um 0,53 Prozent auf 1.636 USD je Unze (31,1 Gramm). „Jede Schwäche des Dollars löst eine Erholungsrallye aus, wenn auch nur von kurzer Dauer“, sagte Sucden-Analyst Geordie Wilkes. Eine Abwertung der Weltleitwährung macht Rohstoffe für Investoren außerhalb der USA attraktiver.

Technologiewerte übernehmen die Führung im DAX

In der DAX-Familie setzt sich die Erholungsrallye mit zuletzt erschütterten Technologie- und Internetwerten fort. Die Papiere des Halbleiterkonzerns Infineon legten um 3,2 Prozent zu. Dagegen ist der Berliner Online-Händler Zalando mit einem Plus von 3,55 Prozent an die Spitze des deutschen Leitindex gerückt.

Im MDAX belegte die Aktie des schwäbischen Softwareanbieters TeamViewer mit einem Aufschlag von 5,86 Prozent den Spitzenplatz, für den Chipindustrie-Zulieferer Aixtron ging es um 2,93 Prozent nach oben. Der MDAX-Neuling Rezeptbox-Versender HelloFresh legte am Nachmittag um 3,64 Prozent zu.

Siemens Gamesa will das Onshore-Geschäft in Gang bringen

Der neue Siemens Gamesa-Chef Jochen Eickholt will die Probleme im Onshore-Bereich in den Griff bekommen. Zehn bis 15 defizitäre Projekte mit der Onshore-Plattform namens 5.X dürften das Sorgenkind von Siemens Energy bis 2024 belasten, sagte Eickholt der Nachrichtenagentur Reuters. Siemens Gamesa ist der weltweit größte Hersteller von Windkraftanlagen auf hoher See (Offshore). Trotz des Booms der erneuerbaren Energien kämpfen viele Hersteller von Windkraftanlagen derzeit mit immensem Margendruck.

Just Eat will schneller schwarze Zahlen schreiben

Europas größter Lebensmittelanbieter Just Eat Takeaway aus Amsterdam will schneller als erwartet wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Das Unternehmen gab heute bekannt, dass bereits im zweiten Halbjahr bereinigte Gewinne erwartet werden. Hintergrund waren Kostensenkungen und eine Umsatzsteigerung pro Auftrag. Nach der Bekanntgabe an der Amsterdamer Börse stieg die Aktie um zehn Prozent auf 15,74 Euro.

Fokus auf Porsche-Aktien

Der Automobilhersteller Volkswagen und sein Großaktionär Porsche SE standen einmal mehr im Rampenlicht des deutschen Aktienmarktes. Zwei Tage vor dem geplanten Börsengang der VW-Sportwagentochter Porsche signalisierten die begleitenden Banken, dass die Papiere voraussichtlich am oberen Ende der Angebotsspanne von bis zu 82,50 Euro zugeteilt würden. Damit wird die Volkswagen-Tochter zum Ausgabepreis mit gut 75 Milliarden Euro bewertet, der Wolfsburger Autobauer erhält 9,4 Milliarden Euro. Porsche wäre der größte Börsengang in Deutschland seit mehr als 25 Jahren. „Obwohl vielen Anlegern in den vergangenen Wochen die Lust auf Aktien vergangen sein mag, scheinen sie hier eine Ausnahme zu machen“, sagt Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege beim Handelshaus RoboMarkets. Die Titel von VW und Porsche SE legten jeweils um rund ein halbes Prozent zu.

Die Boss-Aktie bricht ein

Die Aktien von Hugo Boss verloren bis zum Nachmittag 2,91 Prozent, nachdem die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlung für den Modehändler zurückgezogen hatte. Aktuell zahlen Anleger für den Titel 49,40 Euro. Der Modehändler profitierte zuletzt von positiven Einflüssen, doch der Rückenwind dürfte laut Analyst Michael Kuhn nun nachlassen. Er senkt das Kursziel auf 56 Euro und damit näher an das aktuelle Kursniveau. Er verwies auf das Konsumumfeld in Europa, das von einer stark steigenden Inflation geprägt sei.

KWS Saat verdient mehr

Der Saatguthersteller KWS Saat bleibt nach Absatzzuwächsen bei Mais-, Getreide- und Zuckerrübensaatgut auf Wachstumskurs. Das niedersächsische Unternehmen blickt optimistisch in das Geschäftsjahr 2022/23 und rechnet mit weiterem Wachstum bei steigender Profitabilität. Der Umsatz soll um sieben bis neun Prozent steigen, wie das im SDAX notierte Unternehmen heute bei der Vorlage der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr mitteilte. An der Börse kam es gut an, die Aktie stieg. Das Papier legte um 1,25 Prozent auf 56,90 Euro zu.

Verbio-Aktie im Aufwärtstrend

Die Aktien des Biokraftstoffherstellers Verbio kletterten um mehr als 9,21 Prozent. Das Unternehmen profitierte von den hohen Absatz- und Rohstoffpreisen und verdreifachte sein operatives Ergebnis. Mit einem Umsatzsprung von 77 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro lag das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im im Juni abgeschlossenen Geschäftsjahr 2021/22 bei 503,3 (Vorjahr: 166,3) Millionen Euro. Die Aktionäre sollen trotz des Gewinnsprungs eine unveränderte Dividende von 0,20 Euro je Aktie erhalten. Der Vorstand begründete dies mit notwendigen Investitionen in fortschrittliche Biokraftstoffe und in die Globalisierung des Geschäftsmodells.

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