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Politische Nachrichten

Waldbrände – nur ökologischer Waldumbau kann wirklich helfen


Der Waldbrand im Nationalpark Sächsische Schweiz hat sich ausgebreitet (picture alliance/dpa/Robert Michael)

In Brandenburg kämpft die Feuerwehr weiter gegen die Flammen im Nationalpark Sächsische Schweiz (Stand 03.08.2022). Das Feuer bricht immer wieder aus, sagte ein Sprecher des Landratsamtes. Regen ist nötig, um die Situation zu entspannen, aber die Temperaturen steigen derzeit wieder. Ein Waldbrand im tschechischen Nationalpark Böhmische Schweiz hatte sich auf die Sächsische Schweiz ausgebreitet.

Für den großen Waldbrand im Elbe-Elster-Kreis in Brandenburg wurde laut ADAC Entwarnung gegeben. Die Brände sind gelöscht (Stand: 3. August 2022).

Ein Drittel der Waldbrände in Brandenburg

Das Land Brandenburg ist besonders von Waldbränden betroffen. Die Mark wird seit Jahrhunderten als „Sandkasten des Heiligen Römischen Reiches“ bezeichnet – wegen ihres kargen Bodens, der mit Pinien bewachsen ist. Der Boden hat sich seit 2018, der großen Sommerhitze, nicht wirklich erholt. Die Dürre bereitet dem Markt Probleme. Der Wald brennt wie Zunder, jeder dritte Waldbrand in Deutschland bricht in Brandenburg aus.

Der Grund, warum der Wald weiter brennt, ist leicht zu beantworten: Menschen sind fast immer schuld. Laut Umweltbundesamt konnte bei rund der Hälfte der Waldbrände im Jahr 2020 keine Ursache festgestellt werden. Sollte dies aber gelingen, sind die Daten eindeutig. Brandstiftung und vor allem Fahrlässigkeit waren fast immer die Ursache, Phänomene wie Blitzeinschläge spielen eine untergeordnete Rolle – sie waren in diesem Jahr nur für rund zwei Prozent der Brände verantwortlich.

Ein Warnzeichen, das liest "Grillen Sie nicht im Wald" steht in einem Waldgebiet in Brandenburg.

Jeder sollte wissen, dass Feuer im Wald gefährlich ist. In Brandenburg werden weiterhin Warnschilder aufgestellt. (Picture Alliance / dpa / Paul Zinken)

Es ist der weggeworfene Zigarettenstummel, der den Wald in Brand setzt. Oder das nicht richtig gelöschte Lagerfeuer am See. Ab und zu achten auch Landwirte oder Waldarbeiter nicht darauf. Ein sorgloser Umgang mit Feuer in Trockenwaldgebieten kann schnell katastrophale Folgen haben. „Es gibt drei Hauptursachen für Brände“, sagt Forstwissenschaftler Alexander Held vom European Forest Institute: „Männer, Frauen und Kinder.“

Gesunder Menschenverstand gilt nicht immer

Weit über 90 Prozent der Brände werden durch Unachtsamkeit verursacht. Bei einer Waldbrandwarnstufe von vier oder fünf sollte eigentlich schon der gesunde Menschenverstand sagen, auf dem Land nicht zu grillen oder Feuer zu machen, sagt der Ökologe. Doch das Bewusstsein für die „Brandgefahr“ ist weder in der Gesellschaft noch in der Politik weit genug verbreitet.

Auch der Waldbrandschutzbeauftragte in Brandenburg, Raimund Engel, klagt über vorsätzliche Brandstiftung, „aus welchen Gründen auch immer“. Es wird entzündet und dem Wald wird großer Schaden zugefügt. Wenn sich alle an das strikte Feuer- und Rauchverbot im Wald halten würden, „wären wir einen Schritt weiter“, betont er.

Aufgrund der Klimadebatte sind Waldbrände in den letzten Jahren verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Im August 2018 machte ein Waldbrand bundesweit Schlagzeilen, der auch in Treuenbrietzen ausbrach. Böige Winde verstärkten das Feuer, es wütete auf mehr als 300 Hektar Wald.

Allerdings kann nicht gesagt werden, dass es generell mehr Waldbrände gibt als in der Vergangenheit. Ein Trend über die letzten drei Jahrzehnte ist schwer abzulesen, sowohl was die Anzahl der Brände als auch was die betroffene Fläche betrifft.

1992 mehr als 3000 Waldbrände in Deutschland

1992 waren beispielsweise mehr als 4.900 Hektar betroffen, was in diesem Zeitraum den absoluten Spitzenwert darstellt. 2020 waren es nur rund 368 Hektar, im Jahr davor waren es 2711 Hektar. Am wenigsten Waldfläche wurde 2014 mit 120 Hektar vernichtet.

Bei der Anzahl der Brände ergibt sich ein ähnliches Bild. 2020 waren es 1360, 2017 nur noch 424. Auch hier liegt der Spitzenwert im Jahr 1992: Damals wurden in Deutschland 3012 Waldbrände gezählt.

Im internationalen Vergleich erscheinen die Waldbrände in Deutschland klein. Kühleres Wetter hat gerade der spanischen Feuerwehr geholfen, einen Waldbrand im Nordwesten des Landes einzudämmen. Das Feuer in der Provinz Zamora war das größte in Spanien seit Beginn der Aufzeichnungen. Rund 3.300 Hektar Wald brannten, eine Fläche etwa achtmal so groß wie Brandenburg. Waldbrände in den USA und Kanada hatten in der Vergangenheit noch größere Ausmaße, Buschbrände zerstörten in Australien immer wieder große Flächen. 2019 brannten Teile des Amazonas-Regenwaldes: Die zerstörte Fläche wird auf 36.000 Quadratkilometer geschätzt.

Wahrscheinlich ja, aber sicher können wir das nicht sagen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Waldbrände noch heftiger werden. Die deutsche Forstwirtschaft verweist auf Risikostudien, die für die kommenden Jahrzehnte eine steigende Waldbrandgefahr prognostizieren. Das liegt vor allem an erhöhten Temperaturen und rückläufigen Niederschlägen in den Frühlings-, Sommer- und Herbstmonaten. Mit anderen Worten: zum Klimawandel. Es wird wärmer und trockener: Dadurch befindet sich mehr brennbares Material im Wald.

Zu dem gleichen Ergebnis kommt auch Pierre Ibisch, Professor für Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. „Das spitzt sich ganz offensichtlich zu. Jetzt hatten wir diese Extrembedingungen schon im Juni. Und ja, wir wissen, dass alles viel zu trocken ist.“ Die Brände in Brandenburg wirkten sich auch auf sein Forschungsprojekt zu Waldbränden aus.

Ein weiteres Problem, so der Forscher Johann Goldammer, sei das eigentlich ökologisch sinnvolle Ziel, die Biodiversität zu fördern. Dafür wird Totholz länger im Wald belassen. Bestimmte Lebensformen finden dort ihren Lebensraum. Allerdings, so der Professor für Feuerökologie, führe viel Totholz dazu, dass die Brände das Gelände zerfressen. Eigentlich ist das gut. Denn dann breiten sie sich weniger schnell aus. Das Problem ist, dass die Brände durch die veränderte Bewirtschaftung mit mehr Totholz länger andauern und auch tiefer reichen, bis zum Stammansatz und den Wurzeln der Bäume. „Dann ist die Sterblichkeit hoch. Im Grunde kann sie sehr schnell 100 Prozent erreichen“, sagte Goldammer auf Dlf. Auch der ökologische Aufwand, möglichst viel Kohlenstoff terrestrisch zu speichern, verursacht eine hohe Belastung an potentiellem Treibstoff.

Der Forstwissenschaftler Alexander Held kritisiert: Eigentlich werden die Feuerwehren immer wieder in die gleiche Schlacht geschickt, nämlich in unvorbereitetes Gelände. Es ist ein bisschen so, als würde man einen Industriekomplex bauen, aber ohne Rauchmelder, Sprinkleranlagen, Brandschutztüren und Fluchtwege.

Rettungskräfte einer Hilfsorganisation legten Gegenfeuer, um eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes zu verhindern und die Feuerwehr bei der Brandbekämpfung zu unterstützen.

Die Feuerwehr feuerte zurück, um eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes zu verhindern. (Picture Alliance / dpa / Cevin Dettlaff)

Sein Ratschlag, der in der Wissenschaft längst zum Standard geworden ist: Denke näher an die Natur. Helfen Sie dem Wald, widerstandsfähiger zu werden, bauen Sie ihn wieder auf. Zu lange habe man sich bei Waldbränden auf die Brandbekämpfung konzentriert, in die 90 Prozent der Energie und des Geldes geflossen seien, sagt Held.

Doch laut dem Waldbrandmanager sollen diese Gelder nicht dort investiert werden, sondern in den Waldumbau. Trockene Fichten brennen praktisch von alleine, Mischwälder sind viel besser gewappnet gegen Feuer und womöglich auch gegen den einen entscheidenden Funken, der die Katastrophe auslöst.

Naturnahe Wälder sind am besten präpariert

Ihre Böden speichern Wasser viel besser, ihr Innenklima ist kühler. Ein Mischwald mit relativ viel Blattwerk und seiner typischen Flora am Boden ist daher stabiler bei Trockenheit, hält Stürmen besser stand und ist auch weniger anfällig für Schädlinge, so Held. Wenn man es ernst meint mit der Anpassung an den Klimawandel, müsse der Waldumbau viel stärker vorangetrieben werden, fordert er.

Das sieht auch der Deutsche Naturschutzbund so: Naturnahe Wälder mit großer Vielfalt und überwiegend heimischen Baumarten seien am besten für die Zukunft gerüstet, heißt es. Doch viele Waldbesitzer setzen nach wie vor auf Fichte oder Kiefer, weil sie pflegeleicht und das Holz gut zu verarbeiten ist. „Aber zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen deutlich, dass die Fichte vielerorts zu den großen Verlierern der Klimakrise gehören wird“, betonen die Umweltschützer.
Fichte und Kiefer machen immer noch rund die Hälfte des Baumbestandes in Deutschland aus. Der Waldumbau ist schon lange im Gange, kommt aber nicht sehr schnell voran. Nach Angaben des Umweltministeriums in Potsdam wurden in Brandenburg zwischen 1990 und 2021 rund 91.500 Hektar Wald neu gestaltet. Insgesamt sind es aber rund 1,1 Millionen Hektar Wald auf mehr als einem Drittel der Landesfläche. Und die Kiefer ist die dominierende Baumart, die auf rund 70 Prozent der gesamten Waldfläche wächst.

Experten wie Alexander Held empfehlen vor allem die Einrichtung von Schutzstreifen in den Wäldern als Pufferzonen, beispielsweise entlang von Wegen. Damit hat die Feuerwehr „Empfangs- und Kontrolllinien“. Das Feuer verliert an Kraft, wenn es keine neue Nahrung findet und kann so leichter bekämpft werden.

Durch solche Schneisen sollen nun Ortschaften in Brandenburg geschützt werden. Sie existieren laut Landesregierung bereits um ehemalige Truppenübungsplätze mit munitionsverseuchtem Boden. Forstminister Axel Vogel (Grüne) will Pufferzonen um die von Wald umgebenen Orte schaffen.

„Wenn an diesen Stellen einmal ein Feuer überspringt, ist es fast unmöglich, dort aufzuhören“, warnt Vogel: „Aber ich denke, jeder hat das Problem mittlerweile erkannt und verstanden, dass Waldbrände immer stärker, größer und gefährlicher werden. Und man kann es kaum erwarten.“ bis zum letzten Moment, um so einen Weg zu bahnen.“

In einem Wald bei Treuenbrietzen kommt bei einem Waldbrand ein Wasserwerfer der Polizei zum Einsatz.

Waldbrand bei Treuenbrietzen: Auch die Polizei war mit Wasserwerfern im Einsatz. (Picture Alliance / dpa / Thomas Schulz)

Auch der Brandökologe Goldammer sprach sich im Dlf für das Ausheben von Schützengräben aus. Die Feuerwehren legen bereits solche Gräben an. Dies sei „Ausdruck dafür, dass sich die Brände in die tieferen Rohhumusschichten, in die organischen Schichten des Waldes hineingefressen haben“. Solche Brände sind sehr schwer zu bekämpfen, da man große Wassermengen benötigt, was in felsigen oder steilen Hängen schwierig ist. „Aber wenn man ein solches Feuer unter organischen Bedingungen isolieren will, muss man Gräben ausheben. Das ist eine Technik, die in dieser Form weltweit eingesetzt wird“, sagt Goldammer.

Zudem wächst das Verständnis unter den Ländern, dass sie beim Thema Waldbrände besser zusammenarbeiten müssen. Die Agrarministerkonferenz hat auf ihrer letzten Sitzung die Waldbrandgefahr diskutiert und der Bundesregierung vorgeschlagen, gemeinsam eine Präventionsstrategie zum Schutz des Waldes vor Bränden auf den Weg zu bringen.

Nach dem Feuer ist vor dem Feuer

Waldbrände sind noch nicht vorbei, wenn die Berichterstattung in den Medien nachlässt, mit spektakulären Bildern von Rauchschwaden und Hubschraubern, die Wasser abwerfen. Im Bereich um Beelitz und Treuenbrietzen muss nun die Glut im Boden beobachtet werden, die drei bis vier Wochen anhalten könnte, weil sie bis zu 70 Zentimeter tief ist, wie eine Sprecherin des Landkreises Potsdam-Mittelmark sagt.

Bei Hitze und Wind könnten die Feuer schnell wieder aufflammen. Und der Brandökologe Johann Goldammer betont, dass das Problem noch nicht gelöst sei. Je nachdem, wie schnell der Regen aufhört und die nächste Hitzewelle kommt, „baut sich das Ganze wieder auf“, sagt er. „Ob die Restglut bis dahin erloschen sein wird oder nicht, ist offen. Es sollte an sich funktionieren, aber es ist wirklich nur eine Pause.“

Quellen: ahe, Dlf, dpa, epd

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