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VW plant Elektroautos: Proteste gegen Batteriefabrik in Tschechien


Stand: 17.11.2022 08:48 Uhr

Volkswagen will möglicherweise eine Batteriezellenfabrik in Tschechien bauen. Die Regierung unterstützt dies und hofft auf einen Innovationsschub. Doch der Standort ist umstritten.

Von Marianne Allweiss, ARD Studio Prag

Sie wollten eigentlich zu einer Demonstration einfliegen. Doch über dem Linienflughafen im Westen Tschechiens liegt Nebel. Und so säumen mehr als 200 Autos die Start- und Landebahn bei Pilsen. Der Vorsitzende des tschechischen Luftfahrtverbandes, Vaclav Vasek, spricht im Flugzeugmuseum: „Tatsache ist, dass der Versuch der Regierung, den Flughafen zu liquidieren, auf das Frühjahr dieses Jahres zurückgeht. Ich habe davon durch Freunde erfahren, die zu mir geflogen sind. „

Marianne Allweiß
ARD Studio Prag

Protest von Fliegern und Anwohnern

Mehrere hundert Menschen aus der Umgebung und aus ganz Tschechien folgten dem Aufruf des Vereins, gegen den Abriss des Flughafens für den Bau einer Batteriezellenfabrik zu protestieren. Es ist die größte Aktion seit Bekanntwerden der Pläne von Volkswagen im April. Vergangene Woche demonstrierte eine Bürgerinitiative vor der deutschen Botschaft in Prag.

Der Leiter des Luftfahrtverbandes betont: „Flughafen Pilsen ist voll funktionsfähig. Hier gibt es auch Bunker für einen möglichen Verteidigungsfall, was auch wichtig ist. Die Batteriefabrik kann in Tschechien stehen. Aber warum am Flughafen Pilsen?“

Breites Bündnis gegen Batteriefabrik

Der Flughafen sei der fünftgrößte in Tschechien, sagt Hobbypilot Adolf Valasek. Er ist eine Reserve für den einzigen Militärflughafen in der Tschechischen Republik. Ein Sicherheitsbericht hält Prag unter Verschluss. Außerdem sind die Flugschulen und der Rettungsdienst auf den Standort angewiesen. Woanders gibt es genug freie Flächen.

Auch die Stadt Pilsen und fünf Nachbargemeinden sind gegen die geplante Batteriefabrik. Mehr als 11.000 Menschen haben eine Petition unterzeichnet. Dobranys Bürgermeister Martin Sobotka kritisiert, dass lokale Interessen und Anliegen keine Rolle spielen: „Bisher haben unsere Regierungen mit Verachtung vom Green Deal gesprochen, und plötzlich wollen sie, dass wir für denselben Green Deal ein großes Opfer bringen.“

Volkswagen setzt auf eigene Batteriefabriken

Der Volkswagen Konzern will in den kommenden Jahren mindestens fünf weitere eigene Batteriezellfabriken bauen – eine davon in Mittel- und Osteuropa. Auch Polen und Ungarn sind im Gespräch. Die Volkswagen-Tochter Skoda wirbt für den Standort Tschechien. Dies sei im Interesse der gesamten Republik, sagt Martin Jahn aus dem Skoda-Vorstand: „Leider haben wir in den letzten 20 Jahren keine neuen strategischen Industriegebiete in Tschechien erschlossen. Die Pilsen-Linie ist der einzige Standort, an dem Volkswagen seine Anforderungen erfüllt technisch erfüllt werden können.“

Doch für die Bürgermeister von Pilsen und Umgebung geht es weniger um eine Investition in die Zukunft als vielmehr um eine gewöhnliche Chemiefabrik – mit einem enormen Strom- und Wasserbedarf. Und das kann nur ein Drittel abdecken. Zudem liegt die Arbeitslosigkeit unter 3 Prozent. Fachkräfte müssten aus dem Ausland angeworben und untergebracht oder von anderen Unternehmen vor Ort abgeworben werden.

Premierminister fördert Fabrik

Premierminister Petr Fiala hat die Batteriefabrik und den Standort jedoch bereits zu einem Schlüsselprojekt mit absoluter Priorität erklärt: „Ich möchte Sie nur daran erinnern, dass zehn Prozent unseres Bruttoinlandsprodukts und 25 Prozent unserer Exporte in den USA erwirtschaftet werden Tschechische Republik in der Automobilindustrie und Hunderte von Unternehmen und Zehntausende von Mitarbeitern, die damit verbunden sind. Wenn wir wollen, dass die Automobilindustrie hier eine Zukunft hat, müssen wir uns an die Veränderungen anpassen, die sie durchläuft.“

Die tschechische Regierung hat weitere Krisentreffen mit Pilsen und Machbarkeitsstudien angekündigt. Ob die Ergebnisse bringen, bleibt abzuwarten, bevor sich Volkswagen für einen Standort entscheidet. Damit rechnet Skoda-Chef Klaus Zellmer noch in diesem Jahr.

Protest gegen mögliche Gigafactory in Pilsen

Marianne Allweiss, ARD Prag, 16.11.2022 09:22 Uhr