Skip to content
Vorwurf: „Krieg gegen Gott“: Zweiter Demonstrant im Iran hingerichtet


Stand: 12.12.2022 07:24 Uhr

Die erste Hinrichtung eines iranischen Demonstranten in der vergangenen Woche sorgte weltweit für Entsetzen – nun hat das Regime eine weitere Todesstrafe vollstreckt. Viele Hinrichtungen könnten folgen.

Der Iran hat die Hinrichtung eines zweiten Mannes angekündigt, der bei Protesten im ganzen Land festgenommen wurde. Der Mann wurde verurteilt, weil er am 17. November in Mashhad zwei Angehörige der Sicherheitskräfte erstochen und vier weitere verletzt hatte. Die Anklage lautete „Moharabeh“ – „Krieg gegen Gott“. Das ist die Todesstrafe.

Ein Bericht des der Justiz unterstellten Nachrichtenportals Misan gab kein Motiv für den mutmaßlichen Angriff an. Der inzwischen hingerichtete Mann wurde bei einem Fluchtversuch ins Ausland festgenommen.

Das staatliche Fernsehen strahlte Videomaterial aus, das angeblich zeigte, wie er einen Mann erstach und dann weglief. Der Misan-Bericht identifizierte die Toten als „Studenten“-Basij, paramilitärische Freiwillige, die von den iranischen Revolutionsgarden kommandiert wurden und in Großstädten eingesetzt wurden, um Demonstranten anzugreifen und festzunehmen.

Misan berichtete weiter, dass der Mann vor dem Revolutionsgericht von Mashhad verurteilt worden sei. Die Tribunale wurden international vielfach dafür kritisiert, dass sie Angeklagten nicht erlaubten, Anwälte auszuwählen oder die gegen sie vorgelegten Beweise einzusehen.

Erste Hinrichtung international scharf kritisiert

Die erste Hinrichtung im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten fand am Donnerstag statt. Ein Rapper soll auch ein Basij-Mitglied mit einer Waffe angegriffen, für Terror gesorgt und eine Straße blockiert haben. Seine Hinrichtung wurde im In- und Ausland scharf verurteilt.

Auslöser der Proteste war der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini am 16. September nach ihrer Festnahme durch die Sittenpolizei. Sie sind seit der Islamischen Revolution von 1979 zu einer der größten Herausforderungen für die iranische Theokratie geworden.

Viele Hinrichtungen könnten folgen

Aktivisten warnen davor, dass weitere Hinrichtungen folgen könnten. Mindestens ein Dutzend Menschen wurden zum Tode verurteilt, weil sie hinter verschlossenen Türen an den Demonstrationen teilgenommen hatten. Nach Angaben iranischer Menschenrechtsaktivisten wurden seit Beginn der Demonstrationen mindestens 488 Menschen getötet. Weitere 18.200 Menschen wurden festgenommen.

Zweite Hinrichtung eines Demonstranten im Iran

Uew Lüb, ARD Istanbul, 12.12.2022 6:59 Uhr