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Vip Vip, Hurra!: Loudmouth Kanye West schießt sich weit

Sportartikelhersteller Adidas hat endgültig die Reißleine gezogen und die Zusammenarbeit mit Kanye West beendet. Der US-Rapper war zuletzt mehrfach mit antisemitischen Hassreden aufgefallen. Ein Schritt in die richtige Richtung, der leider viel zu spät kommt!

Gerade in jüngster Zeit wird immer wieder die Debatte darüber entfacht, wie schwierig es ist, Menschen als Künstler und als Privatpersonen zu unterscheiden. Schauspieler, die Superhelden spielen, können in ihrem Privatleben natürlich Menschen sein, mit denen niemand mehr als nötig etwas zu tun haben möchte. Viele Promis gelten als schwierig. Und es wird in diesen Debatten oft betont, dass man das Werk eines Künstlers von der Privatperson entkoppeln muss und keine persönlichen Antipathien in die Kritik eingreifen darf.

Stanley Kubrick etwa war ein begnadeter Regisseur, privat soll er aber ein Sonderling gewesen sein: Salopp gesagt hat so mancher namhafte Künstler nicht nur eine Schraube locker, sondern gleich ein ganzes Arsenal an Schrauben. Seit den Vorwürfen etwa gegen Hollywood-Star Kevin Spacey, den Millionen Zuschauer für seine Rolle als Francis Underwood in „House of Cards“ bewunderten, ist auch um den 63-Jährigen bekannt, dass er alles andere als ein feiner Kerl ist reales Ziel.

Und als nach Jahrzehnten die gut gehüteten Geheimnisse des 2009 verstorbenen King of Pop Michael Jackson für Furore sorgten, war das für seine Fans nicht nur ein Schlag in die Magengrube. Es ist unglaublich schwierig, den Künstler von seinem Werk zu trennen. Viele Leute können keinen einzigen Song von Michael Jackson mehr ausstehen. Und so stehen mittlerweile immer mehr Menschen auf die Musik von Rapper Kanye West.

Arroganz-Anfall eines selbstgefälligen Großmauls

Es wird oft gesagt, dass ein Bad-Boy-Image zu einem Rapper dazugehört. Sie posieren mit Diamanten in den Ohren und fünf Kilo Goldschmuck um den Hals vor teuren Schlitten, sie provozieren mit ihren Texten und schwenken auch mal eine Waffe. Und mit dem Ruhm wächst auch der Charakter. Eine Reihe von Künstlern, die einmal großen Erfolg gerochen haben, befinden sich ab diesem Zeitpunkt oft im freien Fall. Und selbst bei Kanye West musste man sich spätestens nach seinem ekelhaften Überheblichkeits-Anfall gegenüber Sängerin Taylor Swift bei den MTV Awards 2009 nur zurücklehnen und zusehen, wie sich der Musiker jedes Jahr ein bisschen mehr zerlegt.

Damals war er mitten in der Preisverleihung für den heute 32-Jährigen in der Kategorie „Video“ auf die Bühne gestürmt und hatte geplappert, dass eines der besten Videos aller Zeiten nicht von Swift, sondern von Beyoncé sei. Ganz zu schweigen von der Unhöflichkeit, jemanden so um seinen Moment der Freude zu bringen. Auch wenn man ein Auge zudrückt: Wests Verhalten, das Swift sogar als „Bitch“ bezeichnete, war schon damals kein Fauxpas mehr.

Aber so wie es ist, haben berühmte Leute Macht und Einfluss. Nicht selten denken sie, dass sie alles können. Schließlich können sie sich die teuersten Anwälte der Welt leisten. Und oft genug kommen sie mit ihrem widerlichen Verhalten davon – leider. Dass US-Präsident Barack Obama ihn schon damals einen Idioten nannte, änderte nichts an dem Schläger-Rapper.

Adidas zieht endlich die Reißleine

Es sollte noch viele Jahre dauern, begleitet von etlichen verbalen Entgleisungen, bis endlich die Reißleine gezogen und der Ex-Mann von Kim Kardashian in seine Schranken verwiesen wurde. Man könnte sagen: Besser spät als nie. Aber das wäre naiv, denn es geht wie immer ums Geld. Sonst hätte der Sportartikelhersteller Adidas, für den der Rapper als Designer arbeitete, sicherlich schon früher die Reißleine gezogen. Stattdessen durfte er das, auch als er auf der Pariser Fashion Week ein „White Lives Matter“-Shirt provozierte und die sozialen Medien immer wieder mit antisemitischen Äußerungen empörte. Nichts davon ist, um es deutlich zu sagen, „Promotion Brutal“. Aussagen wie: „Ich kann antisemitische Dinge sagen und Adidas kann mich nicht im Stich lassen“ sind plump, peinlich und geschichtsvergessen.

Schließlich, aber im Grunde viel zu spät, haben sich mehrere Geschäftspartner von dem Rapper getrennt und die Zusammenarbeit beendet. Unangenehm wurde es auch für den in den USA überaus beliebten Podcast „Drink Champs“, in dem die ekelhaften Äußerungen fielen. Erst nach einem Sturm der Kritik wurde Wests menschenfeindliche Dummheit aus der Folge herausgeschnitten. Momentan ist es sogar offline. Die Podcast-Moderatoren bedauern, dass West in dem Moment, in dem er erneut verbal eskalierte, nicht standgehalten hat. Sie sagen, es sei ihnen „peinlich“, aber vielleicht waren sie in diesem Moment genauso ratlos wie das Publikum, dass sie einfach sprachlos waren.

Nichts von dem antisemitischen Geschwätz der Trump-Anhänger soll hier wiedergegeben werden, denn es ist so, wie Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden, sagt: „Die täglich neuen antisemitischen Entgleisungen des Rappers sind für die Juden in Deutschland unerträglich und auf der ganzen Welt.“ Manchmal geht es nicht nur darum, ob die Trennung von einem Künstler ein Unternehmen womöglich Millionen an entgangenen Umsätzen kosten wird. Manchmal ist der Mut, größenwahnsinnigen Großmäulern zu zeigen, wo die Tür ist, mehr wert als alles Geld der Welt.