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Viele Jugendliche betroffen: Cybermobbing ist „Dauerproblem“


Stand: 12.10.2022 13:11 Uhr

Laut einer Studie sind fast zwei Millionen Schulkinder von Cybermobbing betroffen. Es ist jetzt ein „dauerhaftes Problem“. Die Corona-Pandemie hat die Situation verschärft.

Cybermobbing ist unter Kindern und Jugendlichen weit verbreitet: Mehr als 1,8 Millionen Schüler (16,7 Prozent) sind bereits betroffen, so eine heute veröffentlichte Studie der Techniker Krankenkasse und des Bündnisses gegen Cybermobbing.

Allerdings ist der Anteil der Schüler zwischen acht und 21 Jahren, die angeben, von Cybermobbing betroffen zu sein, im Vergleich zur Vorgängerstudie aus dem Jahr 2020 leicht gesunken. Vor zwei Jahren waren es noch 17,3 Prozent. Die Zahl bleibt jedoch auf einem hohen Niveau. 2017, also vor der Corona-Pandemie, lag der Anteil noch bei 12,7 Prozent.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Cybermobbing zu einem Dauerproblem an Schulen und im Privatleben von Kindern und Jugendlichen geworden ist“, sagt Uwe Leest, Vorsitzender des Bündnisses gegen Cybermobbing. Die Folgen würden unterschätzt, die Täter müssten nicht mit Konsequenzen rechnen.

Junge Menschen verbringen aufgrund der Pandemie mehr Zeit online

Laut der Umfrage hat die Pandemie das Problem verschärft. Rund sieben von zehn Schülern (65 Prozent) gaben an, dass Cybermobbing seit Corona zugenommen habe. Ähnlich sehen es Eltern und Lehrer mit jeweils 46 Prozent. 2022 beteiligten sich 355 Lehrer, 1053 Eltern und 3011 Schüler an der Online-Umfrage, die in Kooperation mit der Techniker Krankenkasse erstellt wurde.

„Mobbing habe ich eigentlich ständig in der Tasche“, erklärt Hendrikje Schmidt vom Krisenchat, einer psychosozialen Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche mit Blick auf das Handy. Dadurch fühlen sich viele Jugendliche hilflos und machtlos. „Es gibt kein Ende und ich kann es nicht rückgängig machen oder stoppen.“

Cybermobbing kann schwerwiegende Folgen haben

Der Vorstandsvorsitzende der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, erklärte, dass Homeschooling und Kontaktbeschränkungen während der Pandemie dazu geführt hätten, dass Kinder und Jugendliche noch mehr Zeit online verbracht hätten. „Daher werden Konflikte häufiger über das Internet ausgetragen.“

Cybermobbing belastet die Psyche und kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben. Dazu kämen neben körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen auch Angst- und Schlafstörungen sowie Depressionen oder Depressionen, sagte Baas. Etwa jeder sechste Minderjährige (15 Prozent) hat aus Verzweiflung bereits zu Alkohol, Tabletten oder Drogen gegriffen. Fast jeder vierte Betroffene hatte äußerlich Suizidgedanken (24 Prozent).

Die Befragung richtet sich nicht nur an die Betroffenen, sondern auch an die Täter. Sechs Prozent der befragten Studierenden gaben an, selbst jemanden im Internet gemobbt zu haben. Auffallend ist, dass Täter- und Opferrollen ineinander übergehen können. Fast jeder fünfte Täter hat selbst schon einmal unter Cybermobbing gelitten.

Mehr Medienkompetenz ist gefragt

Um Cybermobbing entgegenzuwirken, forderte das Bündnis eine Intensivierung der Präventionsarbeit gegen diese Form der Gewalt. Kinder müssten „soziale Interaktion im Internet“ lernen. Wünschenswert wären auch bundesweite Mobbing-Beratungsstellen und anonyme Hotlines, an die sich Hilfesuchende wenden können.

Das 2011 gegründete Bündnis gegen Cybermobbing versteht sich als Netzwerk aus Eltern, Lehrern, Anwälten, Ärzten und Forschern. Das Bündnis informiert über Cybermobbing und bietet Betroffenen online Hilfe an.

Hilfe bei Selbstmordgedanken

Wenn Sie Suizidgedanken haben, suchen Sie bitte sofort Hilfe. Mit der anonymen Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner.

Telefonnummern der Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 www.telefonseelsorge.de

Telefonische Beratung für Kinder und Jugendliche: 116 111 – www.nummergegenkummer.de