Deutschland Nachrichten

Verbraucherschützer: Einfacher Zugang zum 49-Euro-Ticket gefordert


Stand: 25.11.2022 12:07 Uhr

Verbraucherschützer formulieren klare Vorstellungen zur Gestaltung des 49-Euro-Tickets. Bei der Anbindung an den ÖPNV besteht laut einer Umfrage noch Handlungsbedarf.

Verbraucherschützer und Fahrgastvertreter fordern die Verkehrsverbände auf, sich stärker an den Vorbereitungen für das geplante bundesweite Ticket für den öffentlichen Nahverkehr zu beteiligen. Die Gestaltung des ÖPNV im Sinne der Verkehrswende sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, sagte die Vorsitzende des Verbraucherzentrale Bundesverbandes (vzbv), Ramona Pop, der Nachrichtenagentur dpa. Das bedeutet, dass die Bedürfnisse der Verbraucher bei der Erweiterung des Sortiments stärker berücksichtigt werden müssen. „Wir fordern dafür einen runden Tisch“, sagt Pop.

Ticketkauf so einfach wie möglich und barrierefrei

Der vzbv, der Fahrgastverband Pro Bahn und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderten, Jugend-, Senioren- und Behindertenverbände in die Vorbereitungen einzubeziehen. Denn die Interessen der Verbraucher dürfen nicht vernachlässigt werden. Unter anderem muss das künftige „Deutschland-Ticket“ für alle einfach zu kaufen sein.

„Das beste Ticket nützt nichts, wenn der Kauf erschwert wird“, sagte VCD-Vorsitzende Kerstin Haarmann. Der Zugang soll deshalb so einfach wie möglich sein: mit wenigen Klicks zum Online-Ticket und einer einfachen Buchung am Automaten oder am Schalter. Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, Jürgen Dusel, sagte der „Bild“-Zeitung, es sei wichtig, dass die Online-Formulare barrierefrei sind.

„Außerdem sollen diese Abos nicht nur online, sondern auch am Ticketschalter oder in den Kundencentern abgeschlossen werden können“, sagt Dusel. Dies ist wichtig für alle Personen, die aus verschiedenen Gründen keinen Zugang zum Internet haben. Zudem müsse die Mitnahme von Fahrrädern, Kindern, anderen Personen und Hunden schnell geklärt werden, betonte der Vorsitzende von Pro-Bahn, Detlef Neuß.

Starttermin des 49-Euro-Tickets noch offen

Das bundesweit nutzbare Ticket für Busse und Bahnen im Nahverkehr zum Einführungspreis von monatlich 49 Euro soll im neuen Jahr kommen und an die beliebten 9-Euro-Tickets des Sommers anknüpfen. Bund und Länder planen ein digital buchbares Angebot. Allerdings müssen noch viele Modalitäten geklärt werden – etwa das Startdatum und die Orte, an denen die Karte gekauft werden kann.

Der Deutsche Städtetag rechnet daher nicht mit einer zeitnahen Einführung des 49-Euro-Tickets. „Die gedeckelten Mittel für das Ticket reichen nicht aus, um es bundesweit zu starten und die Einnahmeausfälle bei den Verkehrsunternehmen zu kompensieren“, sagte der Geschäftsführer Helmut Dedy der „Rheinischen Post“. Bund und Länder müssten sich nun einigen, „dass sie die realen Ticketkosten tragen sollen. Wenn der Topf von drei Milliarden Euro im Jahr weg ist, müssen sie nachlegen“, forderte Dedy.

Jeder Dritte fühlt sich nicht gut verbunden

Die geplante Einführung des 49-Euro-Tickets wirft auch die Frage nach der ÖPNV-Infrastruktur auf. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kantar fühlen sich derzeit 30 Prozent der Menschen in Deutschland mit Bus und Bahn an ihrem Wohnort nicht gut angebunden. Dabei stört sie vor allem das Timing: 35 Prozent der Befragten sind mit der Anzahl der Abfahrten an der nächsten Haltestelle unzufrieden.

„Hier haben wir einen wichtigen verkehrspolitischen Hebel identifiziert, da Bund und Länder im Rahmen der bestehenden Infrastruktur das Angebot für die Menschen direkt verbessern können“, sagt Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene. Der Interessenverband hatte die Umfrage gemeinsam mit dem BUND und dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat in Auftrag gegeben.

„Angebotsoffensive im ÖPNV“

Die große Mehrheit der Befragten (85 Prozent) ist mit der Entfernung zur nächsten Haltestelle zufrieden. 64 Prozent der Befragten gaben an, dass sich die Zahl der Abfahrten an der nächsten Haltestelle in den letzten fünf Jahren nicht verändert habe, 14 Prozent sprachen von einer Verschlechterung des Angebots.

„Für eine erfolgreiche Mobilitätswende bedarf es dringend einer Angebotsoffensive im ÖPNV“, sagte BUND-Geschäftsführerin Antje von Broock. „Fuß-, Rad- und ÖPNV auszubauen bedeutet, die Klimaziele ernst zu nehmen.“

Schaltfläche "Zurück zum Anfang"