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US-Afrika-Gipfel in Washington: „Eine große geopolitische Kraft“


Stand: 13.12.2022 08:52 Uhr

Nicht weniger als 50 afrikanische Staats- und Regierungschefs sind zu Gast in Washington. Die US-Regierung will die Beziehungen verbessern – und den Kontinent nicht geopolitischen Konkurrenten überlassen.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Donald Trump hat afrikanische Länder einmal als „Shithole-Länder“ bezeichnet. Der ehemalige Präsident ignorierte Afrika und ließ demonstrativ mehrere Botschafterposten unbesetzt.

Claudia Sarre
ARD-Studio Washington

Mit der Biden-Regierung hat sich Amerikas Afrikapolitik jedoch deutlich verändert. Das Interesse an dem Kontinent ist groß, denn die Amerikaner wissen, welche zentrale Rolle Afrika in Zukunft spielen wird.

Vor allem wegen der rasant wachsenden Bevölkerung sagte US-Außenminister Antony Blinken bei seiner letzten Afrikareise im August: „Im Jahr 2050 wird jeder vierte Mensch auf unserem Planeten Afrikaner sein. Das wird nicht nur das Schicksal dieses Kontinents prägen, sondern der ganzen Welt.“

Afrika hat auch die größte Freihandelszone, vielfältige Ökosysteme und einen riesigen Stimmenanteil bei den Vereinten Nationen. Blinken sagte, die US-Strategie basiere auf der Erkenntnis, „dass Afrika eine große geopolitische Kraft ist. Eine, die unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft geprägt hat.“

Globale Herausforderungen lassen sich aus seiner Sicht nur gemeinsam mit der Afrikanischen Union und ihren 55 Mitgliedsstaaten bewältigen: „Ob es darum geht, Pandemien zu bekämpfen, wirtschaftliche Chancen zu schaffen, die Klimakrise zu bekämpfen, den Zugang zu Energie zu erweitern, Demokratien wiederzubeleben oder die freie Weltordnung. All das können wir nicht erreichen, wenn wir nicht als gleichberechtigte Partner zusammenarbeiten.“

„Werden mit Russland und China konkurrieren müssen“

Natürlich verfolgen die Amerikaner auch ihre eigenen Interessen in Afrika. Zum Beispiel die der nationalen Sicherheit im Kampf gegen den Terror. Allerdings stehen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund – vor allem im Wettbewerb mit den Rivalen China und Russland, sagt Afrika-Experte Michael O’Hanlon von der Denkfabrik Brookings Institute: „Russland und China sind in Afrika sehr aktiv wir wollen globalen Einfluss haben.“

Der Kontinent verfügt über wertvolle Rohstoffe, auf die vor allem die Autoindustrie und Amerikas Tech-Giganten angewiesen sind. Um Elektroautos zu bauen und den steigenden Bedarf an moderner Elektronik zu decken, werden immer mehr Mineralien wie Coltan oder Seltene Erden benötigt, etwa aus dem Kongo, sagt O’Hanlon: „Die alternative Quelle ist oft China, und wir möchte nicht von China abhängig sein.“

Viele Themen auf der Agenda

Gemeinsam wollen sie nun die wichtigen Themen angehen: Bekämpfung des Klimawandels und der Ernährungsunsicherheit, Aufbau einer inklusiven Weltwirtschaft sowie Stärkung der Gesundheitssysteme und globaler demokratischer Normen. Biden will sich im Zuge dessen auch dafür einsetzen, dass die Afrikanische Union in die Gruppe der G20-Staaten aufgenommen wird.

Die Hohe Vertreterin von Afrika, Mary Catherine Phee, hofft, dass der Gipfel in Washington ein weiterer Schritt zur Intensivierung der amerikanisch-afrikanischen Beziehungen sein wird: „Ich hoffe, dass die Afrikaner mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass die Partnerschaft mit den USA einen großen Unterschied im Alltag macht Leben afrikanischer Menschen.“

US-Afrika-Gipfel in Washington

Claudia Sarre, ARD Washington, 13.12.2022 08:31 Uhr