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Politische Nachrichten

Umwelt und Verkehr – Was bringt ein Tempolimit auf Autobahnen?


Umfragen zeigen, dass sich die Mehrheit der deutschen Bevölkerung inzwischen für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen ausspricht. (dpa/Patrick Seeger)

In der Debatte um Sparmaßnahmen infolge der Energiekrise ist wieder von einem Tempolimit auf Autobahnen oder einem autofreien Sonntag die Rede. Teile der CDU, die eigentlich ein Tempolimit ablehnen, sind nun auch offen für ein zumindest temporäres Tempolimit.

Was haben die britische Isle of Man, Nepal, Nordkorea, Haiti, Mauretanien und Deutschland gemeinsam? Sie sind einer der wenigen Orte auf der Erde, an denen es auf Autobahnen kein generelles Tempolimit gibt. Hierzulande ist die Forderung „Tempo 130“ für manche noch immer ein heißes Thema. Hier gilt der Grundsatz: Je langsamer die Geschwindigkeit, desto größer die Vorteile.

Ein generelles Tempolimit auf Bundesautobahnen könnte die Treibhausgasemissionen um 1,9 bis 5,4 Millionen Tonnen pro Jahr reduzieren (je nach Ausgestaltung). Das hat das Umweltbundesamt (UBA) in einer Studie ermittelt.

Folgende Tempolimits hätten den Berechnungen zufolge unterschiedliche jährliche Einsparpotenziale:

130 km/h = 1,9 Millionen Tonnen (CO2-Äquivalent)
120 km/h = 2,6 Millionen Tonnen
100 km/h = 5,4 Millionen Tonnen

Zum Vergleich: Die durchschnittliche Einsparung (Tempo 120) entspricht rund 6,6 Prozent der jährlichen Emissionen von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen auf Autobahnen.

Und wie viel emittiert der gesamte Verkehrssektor? Weil das Verkehrsaufkommen durch Corona vorübergehend reduziert wurde, hier ein Vergleich mit dem Vorpandemiejahr 2019: Damals war der deutsche Verkehrssektor für rund 164 Millionen Tonnen Treibhausgase (berechnet als CO2-Äquivalente) verantwortlich und trug damit 20 Prozent an den Treibhausgasemissionen Deutschlands.

Verbrennungsmotoren produzieren eine ganze Reihe unterschiedlicher Abgase, die die Luftqualität mehr oder weniger stark beeinträchtigen – zum Beispiel Stickoxide (NOx) wie Stickstoffdioxid (NO2), aber auch Feinstaub (PM10).

Aus dem Verkehrssektor freigesetzte Stickoxide können in Kombination mit starker UV-Strahlung den Ozongehalt in der Atmosphäre erhöhen. Ab etwa 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft löst das Gas Ozon beim Menschen vermehrt gesundheitsgefährdende Symptome aus – darunter Husten, Kopfschmerzen, tränende Augen und Reizungen der Schleimhäute. Bei empfindlichen Personengruppen – wie Asthmatikern, Senioren, Kindern – können solche Folgen deutlich früher eintreten – ab etwa 100 Mikrogramm.

Was bedeutet das für den Autoverkehr? Schnelles Fahren führt nicht zwangsläufig zu mehr Schadstoffen. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung kann zum Beispiel immer noch zu reduzierten Emissionen von Stickstoffdioxid führen. Das Umweltbundesamt führt dies jedoch auf einen Nebeneffekt zurück: Bei konstanter Geschwindigkeit tritt weniger Beschleunigung auf.

„Allerdings wird darauf hingewiesen, dass auch die Qualität des Verkehrsflusses einen großen Einfluss auf die Luftverschmutzung hat. Gelingt es, den Verkehrsfluss zu stabilisieren, sind auch deutliche Reduzierungen der Luftschadstoffe möglich“, schreibt das UBA in einer Studie (Seite 14).

Eine weitere positive Folge: Eine konstantere Geschwindigkeit würde wahrscheinlich dazu führen, dass sogenannte Staus aus dem Nichts auf Autobahnen seltener werden.

In einigen Teilen Frankreichs wurde das bereits bestehende Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen zum 19. Juli 2022 um weitere 20 km/h verschärft. Außerdem sollen Geschwindigkeits- und Schadstoffkontrollen durchgeführt werden, um weitere zu reduzieren Belastungen. Grund: Hitzewelle und Waldbrände entlang der Atlantikküste haben die Luftqualität bereits verschlechtert.

Je schneller ein Auto fährt, desto mehr Kraftstoff verbraucht es – denn der Luft- und Rollwiderstand eines Fahrzeugs steigt mit zunehmender Geschwindigkeit. Oder umgekehrt: Je langsamer man fährt, desto weniger Sprit verbraucht man im Verhältnis zur Strecke – und das schont auch noch den Geldbeutel.

Laut Umweltbundesamt würde beispielsweise ein Tempolimit von 100 Stundenkilometern auf Autobahnen (und zusätzlich 80 Stundenkilometern außerhalb von Ortschaften) deutschlandweit zu jährlichen Kraftstoffeinsparungen von 3,5 bis 4,2 Milliarden Euro führen – je nachdem, wie Viele Menschen halten sich tatsächlich an die Spezifikation.

Verkehrssicherheit

Grundsätzlich gilt auch hier: langsamer ist sicherer. Denn je schneller ein Fahrzeug fährt, desto länger dauert es, bis es auf null abgebremst wird.

Zahlen aus dem Unfallatlas der Statistischen Bundesämter zeigen: Auf Autobahnabschnitten mit Tempolimit werden pro Milliarde gefahrener Kilometer 0,95 Todesfälle verzeichnet. Auf Abschnitten ohne Tempolimit gibt es 1,67 Unfälle mit Getöteten – und damit rund 75 Prozent mehr.

Weniger Stress für richtige Fahrer

Wenn Sie ein anderes Auto auf der linken Spur überholen und 130 fahren wollen, werden Sie von hinten bedrängt, schneller zu fahren oder die Spur zu räumen. Große Geschwindigkeitsunterschiede führen zu Stresssituationen. Während es unwahrscheinlich ist, dass alle Geschwindigkeitsbegrenzer ihr Temperament ändern würden, würde das Gesetz zumindest eine zusätzliche Abschreckung bieten.

Einfach umzusetzen

Um ein Tempolimit durchzusetzen, bedarf es einer politischen Entscheidung und einer entsprechenden Änderung der Straßenverkehrsordnung. Zudem müssten die bisherige Beschilderung auf den Autobahnen angepasst und Stornoschilder entfernt werden. Die notwendigen Investitionen würden sich daher in Grenzen halten.

Laut einer Umfrage des Umweltbundesamtes spricht sich die Mehrheit der Deutschen klar für ein Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen aus.

Erneut werden gegen ein Tempolimit die Interessen der deutschen Autoindustrie ins Feld geführt. „Es geht um die Produktion besonders schneller, schwerer und spritsparender Fahrzeuge“, so Dlf-Wirtschaftsredakteur Georg Ehring. „Gerade diese Fahrzeuge werden stark von deutschen Herstellern verkauft – es geht also auch um die Arbeitsplätze in deren Produktion.“

Quellen: Umweltbundesamt, Bundesanstalt für Straßenwesen, 16. Road Safety Performance Index Report, BR24, WDR, Der Spiegel, Statista, Georg Ehring, Dagmar Röhrlich, jma

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