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Umfrage zum Energiesparen: Jede dritte Kommune will Bäder schließen


Stand: 13.12.2022 10:36 Uhr

Laut einer Umfrage will angesichts der Energiekrise jede dritte deutsche Stadt oder Gemeinde den Betrieb von Schwimmbädern einschränken. Zwei von fünf wollen die Straßenbeleuchtung reduzieren.

Einer Umfrage zufolge planen zahlreiche Kommunen in Deutschland Maßnahmen zum Energiesparen – etwa Einschränkungen beim Betrieb von Schwimmbädern oder eine Reduzierung der Straßenbeleuchtung. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) der vom Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) befragten Städte und Gemeinden wollen Dienstleistungen kürzen. Im Vorjahr lag der Anteil noch bei 26 Prozent.

So sparen Kommunen Energie

Fast jede dritte befragte Kommune beabsichtigt laut Umfrage, Hallen- und Freibäder abzuriegeln oder das Angebot einzuschränken. Zwei von fünf Kommunen wollen dann die Straßenbeleuchtung abschalten. Auch jede sechste Stadt oder Gemeinde schränkt Angebote in der Jugendhilfe oder in der Seniorenarbeit ein.

Im Oktober und November wurden 301 Gemeinden mit mindestens 20.000 Einwohnern befragt. Da es in einigen Bundesländern vergleichsweise viele kleinere Kommunen gibt, sind die Ergebnisse laut EY nur „bedingt repräsentativ“.

Einige deutsche Städte haben in den vergangenen Monaten bereits Maßnahmen ergriffen, um ihren Energieverbrauch zu senken. Dabei geht es zum Beispiel um die Absenkung der Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden oder Sporthallen und der Wassertemperatur in Schwimmhallen. Hinzu kommen kürzere Öffnungszeiten für kommunale Einrichtungen, die Umstellung auf LED-Lampen und weniger Beleuchtung auf Weihnachtsmärkten oder in Innenstädten. So beleuchtet die Stadt Berlin einige ihrer Wahrzeichen wie die Siegessäule oder das Rote Rathaus nicht mehr; In Köln liegt der Dom seit einiger Zeit im Dunkeln.

„Maßnahmen sind völlig unzureichend“

Für EY sind die Projekte jedoch nicht anspruchsvoll genug und daher nicht zielführend. „Die derzeitigen Maßnahmen sind völlig unzureichend – die Klimaziele der Bundesregierung werden so nicht erreicht“, kritisierte der Leiter von Government & Public Sector Solutions in Deutschland, Sven-Joachim Otto. Energie sparen durch Absenken der Raumtemperatur oder Ausschalten der Straßenbeleuchtung ist das eine. „Wichtiger sind jedoch Effizienzmaßnahmen, die den Energieverbrauch nachhaltig senken oder nachhaltige Energiequellen nutzen.“

Rund die Hälfte der befragten Finanzbehörden rechnet nach Angaben des Beratungsunternehmens damit, dass die Ausgaben für Energie im kommenden Jahr um 20 Prozent oder mehr steigen werden. Angesichts der Inflation, zu erwartender Tariferhöhungen für kommunale Bedienstete und der Mehrbelastung durch die Betreuung von Flüchtlingen rechnen die Kommunen weiterhin mit knappen Kassen.

59 Prozent werden den Zahlen zufolge am Jahresende voraussichtlich ein Minus haben, nur elf Prozent rechnen mit einem Haushaltsüberschuss. Zudem rechnet jede dritte Kommune mit steigenden Schulden. Jede zweite Stadt oder Gemeinde plant Investitionen in ihre Gebäude, um beispielsweise die Energiewende voranzutreiben.