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Deutschland Nachrichten

Ukrainisch-weißrussische Grenze: Das Gespenst der dritten Front



Prüfbericht

Stand: 25.01.2023 11:47 Uhr

Im Vergleich zu den Fronten im Osten und Süden geht es im Nordwesten der Ukraine an der Grenze zu Weißrussland ruhig zu. Doch eine Invasion aus Weißrussland schwebt wie ein Gespenst über der Region. Soldaten trainieren für den Notfall.

Von Peter Sawicki, Deutschlandfunk, derzeit Kiew

In Dreierformationen bewegen sich zwei Soldatengruppen in kleinen Schritten über sandiges Gelände und feuern Gewehrsalven ab. Sie drehen sich alle paar Meter und der nächste Schütze schießt auf die umliegenden Sanddünen oder auf Ziele in 100 Metern Entfernung.

Ein Schützenbataillon der Territorialverteidigung – eine Einheit aus Reservisten und Freiwilligen – trainiert in einem Kiefernwald in der Region Wolhynien im Nordwesten der Ukraine. Mykola hat heute Morgen eine geradezu ruhige Schicht. Er sitzt an einem Tisch und verteilt Magazine für die Gewehre:

Es geht darum, das genaue Schießen in schwierigem Gelände zu üben. Und es geht darum, sich an Explosionen zu gewöhnen – zu lernen, wie man sich verhält, wenn sie passieren.

Dann explodiert eine Panzerabwehrmine und erschüttert das Gebiet. Mykola lässt dies fast kalt. Hier liegt die eigentliche Gefahr. Wenige Kilometer nördlich grenzt die Ukraine an Weißrussland – ein Land, das Russland bei seiner Invasion logistisch unterstützt.

Spekulationen über neue Offensive

Auch über eine erneute Offensive aus Weißrussland, diesmal auch in dieser Region, wird seit Monaten spekuliert. Sollten sie kommen, sagt Mykola: „Die Stimmung hier ist super. Niemand hat Angst, alle sind bereit.

Olga wirkt weniger lässig. Mit ernster Miene erklärt der Militärarzt, worauf es bei den Übungen außerdem ankommt: „Wir gehen durch Notsituationen. Auch lebensbedrohliche Verletzungen, die man selbst behandeln kann. Zum Beispiel durch Abbinden von Blutungen.“

Bisher wurde in Wolhynien kein einziger Schuss abgegeben. Viele hier haben Verwandte in Weißrussland, zu denen sie teilweise noch Kontakt haben. Wie Anatoly, ein Mann mit 25 Jahren Militärerfahrung, Vater und Großvater: „Bis zum Einmarsch hatten wir gute Beziehungen zu Weißrussland, wir haben uns gegenseitig besucht. Meine Schwägerin lebt dort. Sie ruft noch oft an und fragt, wie wir machen. „

Doch die Verwandtschaft spiele keine Rolle mehr, betont Commander Vlad. Man muss sich auf den Ernstfall vorbereiten, die Spannung wächst:

Soweit wir wissen, konzentrieren Russland und Weißrussland immer mehr Truppen an der Grenze. Russland hat in der Ostukraine seit Monaten wenig erreicht. Ich denke also, dass beide Armeen uns angreifen könnten.

Viele Sümpfe und Wälder

Vadim schreitet zügig durch ein 1,5 Meter tiefes, gewundenes Labyrinth. Dass die Gräben im ukrainisch-weißrussischen Grenzgebiet erst vor kurzem ausgehoben wurden, lässt sich an dem frischen Duft und der hellen Farbe des Holzes ablesen, mit dem sie befestigt wurden. Es sieht so aus, als würde sich das Bataillon hier schon lange einnisten.

Wadim ist Reserveoffizier, er kämpfte nach 2014 im Donbass. Er bekleidet seit dem Einmarsch Positionen in der Nordwestukraine und sieht seine Seite im Vorteil: „Aus militärischer Sicht macht eine Offensive aus Weißrussland keinen Sinn. Alles zu unseren Gunsten ist, sogar die Natur ist auf unserer Seite. Wir haben auch einige Überraschungen auf Lager.“

Commander Vlad während der Übungen im Kiefernwald in der Region Wolhynien im Nordwesten der Ukraine.

Bild: Peter Sawicki

In der Grenzregion gibt es viele Sümpfe und Wälder. Zudem ist im bisher milden Winter der Boden kaum gefroren, was den Transport von schwerem Gerät erschweren würde. Zudem sei das Gebiet extensiv vermint worden, heißt es.

Aber auch wenn hier in elf Kriegsmonaten nicht gekämpft wurde, bleibt die Spannung erhalten, erklärt Vadim: „Nur weil nichts zu passieren scheint, heißt das nicht, dass ich mich entspannt zurücklehnen kann. Als ich gekämpft habe Osten, die Stille überwältigte mich mit Angst. Wir müssen hier jederzeit kampfbereit sein, weil wir nicht genau wissen, was unser Gegner plant.“

Lob für deutsche Militärtechnik

Die Dauerübungen seien auch ohne aktive Kampfhandlungen im Nordwesten sinnvoll, ergänzt der Offizier. Denn immer wieder würden Kämpfer an den Fronten im Osten und Süden eingesetzt. Die Übungen bereiten sie mental vor.

Was die Ausrüstung betrifft, ist Vadim fast diplomatisch. Auf die Diskussion um „Leopard 2″-Panzer geht er nicht direkt ein. Aber er lobt die deutsche Militärtechnik nachdrücklich: „Wir brauchen neue Panzer. Die sowjetischen T-72-Modelle haben sich nur bedingt bewährt. Ähnlich verhält es sich mit der Artillerie im Kampf zerstört werden. Fühlen Sie sich dadurch sicherer in ihren Kampfpositionen.“

Training als Schutzmaßnahme

Nach zwei Stunden endet das Schießtraining inmitten der Sanddünen im Pinienwald. Anatoly, der Vater und Großvater, wirkt entschlossen, aber nachdenklich: „Wir alle wünschen uns, dass der Krieg so schnell wie möglich endet. Dass wir zu unseren Familien zurückkehren können. Ich glaube, die Weißrussen wollen uns nicht bekämpfen. Aber sie könnten Druck machen.“ von Russland.“

Auch Militärärztin Olga glaubt nicht, dass die Waffen in der Ukraine in absehbarer Zeit zum Schweigen gebracht werden. Wird auch Ihre Heimatregion Wolhynien zum Schauplatz?

Im besten Fall ist damit bald Schluss. Im schlimmsten Fall kommt es hier zu Kämpfen. Es ist nur Krieg. Natürlich ist es möglich, dass ein Angriff aus Weißrussland kommt. Was wir können, ist trainieren.

Ghost of the Third Front – Sorge und Trotz an der ukrainisch-belarussischen Grenze

Peter Sawicki, WDR, aktuell Kiew, 25. Januar 2023 10:36 Uhr

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