Jannah Theme License is not validated, Go to the theme options page to validate the license, You need a single license for each domain name.
Nachrichten Sport

„Über Wasser“: Fußball und Schwimmen (nd-aktuell.de)


Nach dem Schwimmen im Georg-Arnhold-Bad macht auch das Fußballgucken im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion Spaß.

Foto: IMAGO / Torsten Becker

Über uns überspannen Stahlbögen eine gewölbte Halle, daran hängen schwarze Glockenlampen, an der Wand hängt eine Bahnhofsuhr. Mein alter Freund S. lehnt an der Überlaufkante des Sprungbeckens und sieht Teenagern beim Springen zu. Kerze, Twill, Bauchklatscher. Ein Rettungsschwimmer überwacht das Geschehen am Drei-Meter-Turm. Daneben wird ein gesäumter Weg im Schmetterlingsstil durchpflügt, draußen dümpeln zwei Frauen. Ich habe mein Arbeitspensum erledigt und schwimme nach S. Wir kennen uns, seit wir siebzehn sind. Trotz fast vierzigjähriger Freundschaft, es ist unser erster gemeinsamer Schwimmbadbesuch, ging es direkt vom Bahnhof in die nahe gelegene Bade- und Saunawelt Ishara. Wir sind eigentlich wegen des Fußballs hier, wir begleiten den Verein in unserer Heimatstadt von Zeit zu Zeit persönlich durch die 2. Bundesliga.

Nach dem Schwimmen im Georg-Arnhold-Bad macht auch das Fußballgucken im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion Spaß.

Nach dem Schwimmen im Georg-Arnhold-Bad macht auch das Fußballgucken im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion Spaß.

Foto: IMAGO / Torsten Becker

Ich schwimme viel länger als ich zum Fußball gehe. Mein Lebensgefährte ist seit seiner Kindheit fußballsüchtig. In den ersten Wochen unserer Beziehung war mir nicht klar, wie sehr – zumindest als er mich mit unserem Baby und Hexenschuss zu Hause ließ, um zu einem Spiel der Alten Dame zu gehen, wurde mir das Ausmaß bewusst. Ich habe ihm verziehen, Jahre später chauffierte ich unseren Sohn nach Zehlendorf oder Marzahn und stand bei Berolina Mitte, wenn er oder sein Vater spielten. Paradies in Jena kennengelernt, nach Luckenwalde, Rathenow oder Fürstenwalde gefahren, wenn ein See oder Fluss in der Nähe war. In Rostock ging ich in die Neptunhalle, er ins Ostseestadion. In Rijeka war das Meer attraktiver als zu einem Spiel zu gehen.

Irgendwann wurde ich laut, wild – ich bekam das Fußballfieber. Wir waren unterwegs und ich wollte sowohl das Stadion als auch das Schwimmbad. Der Höhepunkt war Ende Oktober 2015 erreicht. Nervös wurde ich im Freibad des Georg-Arnhold-Bades im Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion. Ich wollte dabei sein, wenn die Mannschaft meines Vereins anrollte und den Austragungsort wechselte. Strahlte auf den blau-weißen Zwickel, der laut aus einem schwarz-gelben Meer sang. Aufgesprungen, als wir getroffen und gebrüllt haben. Meine nassen Haare hingen über den Rand der Tribünen und tropften in die Choreo. Seitdem muss es beides sein, meine Favoriten sind Stadien in Meeresnähe wie Split, Thessaloniki, Cádiz oder Gibraltar.

Bielefeld. Wir arbeiten eine Liste von Kneipen ab, die uns Arminia-Freunde geschickt haben, datiert Heimathafen (schreckliches lokales Getränk »Jämmerling«, sehr nette Leute) über sie Zwiebel (nur Anfeindungen wegen unseres Reisegrundes) zu Plan B (leckere Mexikaner, netter Student mit Arminia-Dauerkarte) und am Sonntagmorgen vor dem Spiel eine Tour durch Puddingtown machen, Plaketten abrubbeln und mittags Biertrinker gesellen, bis uns der blau-weiß-schwarze Bach ins hübsche Stadion schwappt. Die Sonne scheint, die Fans des 1. FC Magdeburg sind wunderbar laut, aber wir können nicht mitsingen.

Beim dritten Gegentor und mit einem wild wedelnden Arminia-Schal im Gesicht frage ich mich, ob wir gestern unser Glück verloren haben, als mir nach einer blöden Schlägerei im Sprungbecken der Schließfachschlüssel runtergestürzt ist? Aber ein freundlicher Mann holte den Schlüssel aus dem 3,80 Meter tiefen Boden und S. applaudierte – Bielefeld und wir waren ein super Team. Oder? Mir wird schlecht, ich denke an die Sardine in Jämmerling und prompt kommt das Tor viel zu spät.



Schaltfläche "Zurück zum Anfang"