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Twitter ist jetzt eine One-Man-Show | Aktuelles Amerika | DW


Kurz nach dem Kauf übernahm der neue Eigentümer Elon Musk die alleinige Führung des US-Kurznachrichtendienstes Twitter. Damit liegt eine der weltweit wichtigsten Kommunikationsplattformen in den Händen eines Mannes. Weil er Twitter dekotiert, muss Musk keine Auskunft mehr über die Entwicklung des Geschäfts geben.

Der Chef des Elektroautobauers Tesla und reichste Mann der Welt hatte bereits die Konzernspitze entlassen. Nun hat auch Twitter den Vorstand aufgelöst. Laut einer noch ausstehenden Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsichtsbehörde ist Musk nun „alleiniger Direktor“ der Online-Plattform. Die neun früheren Direktoren, darunter der Vorstandsvorsitzende Bret Taylor, würden ihre Ämter nicht mehr ausüben.

„Chief Twit“: Elon Musks neuer Twitter-Account

Der Vorstand von US-Konzernen ist wie bei deutschen Aktiengesellschaften eine Mischung aus Vorstand und Aufsichtsrat. Zu den Aufgaben des Gremiums gehören unter anderem die Auswahl, Beratung und Kontrolle des Top-Managements sowie Grundsatzentscheidungen über die Ausrichtung und Entwicklung des Unternehmens.

Am Mittwoch begann der große Umbruch

Nach einem monatelangen Tauziehen wurde der exzentrische Milliardär am Donnerstag offiziell Eigentümer des Social-Media-Netzwerks, das ihn 44 Milliarden Dollar kostete. Am Mittwoch marschierte Musk mit einem Waschbecken in der Hand in die Firmenzentrale, am nächsten Tag wurde die Übernahme vollzogen und Twitter-Chef Parag Agrawal, CFO Ned Segal und Chief Legal Officer Vijaya Gadde gefeuert.

Musk hatte Twitter-Führungskräften vorgeworfen, ihn und Investoren über die Anzahl der gefälschten Konten auf der Social-Media-Plattform in die Irre geführt zu haben. Nach offiziellen Angaben gibt es weniger als fünf Prozent „Fake Accounts“. Im Streit um die Unterlagen hatte Musk damit gedroht, die im Frühjahr angekündigte Übernahme abzublasen.

Blaues Häkchen nur für Geld?

Musk hat derweil die Überarbeitung der Echtheitsprüfung von Twitter-Nutzern angekündigt. „Der gesamte Verifizierungsprozess wird überarbeitet“, schrieb Musk in einem Tweet, ohne weitere Details zu nennen. Angeblich wird das blaue Häkchen, das die Identität des Kontoinhabers verifiziert, bald ein kostenpflichtiges Abonnement von Twitter Blue erfordern.

Twitter Blue wurde letztes Jahr als erster Abonnementdienst der Social-Media-Plattform eingeführt. Es bietet monatlich Zugriff auf Premium-Funktionen, einschließlich der Möglichkeit, bereits veröffentlichte Tweets zu bearbeiten.

Die Verschwörungsgeschichte sorgte für Aufsehen

Es dauerte nicht lange, bis der neue Twitter-Besitzer die Bedenken der Kritiker über die künftige Ausrichtung des Kurznachrichtendienstes schürte. Am Sonntag verbreitete Musk eine rein spekulative Verschwörungserzählung, die sich an Angehörige sexueller Minderheiten richtet, an seine 112 Millionen Anhänger. Hintergrund war der Angriff auf den Ehemann der Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi von den US-Demokraten. Musk löschte seinen Tweet einige Stunden später, nachdem er für einiges Aufsehen gesorgt hatte.

Der Tech-Milliardär hat sich politisch mit der von Donald Trump kontrollierten Republikanischen Partei solidarisiert. Die Demokraten von US-Präsident Joe Biden seien zu einer „Partei der Spaltung und des Hasses“ geworden, schrieb er im Mai auf Twitter. Nicht zuletzt warf dies die Frage auf, wie Musk mit Trumps lebenslangem Twitter-Verbot umgehen würde.

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Donald Trump ist auf Twitter blockiert

Das bisherige Management bei Twitter betonte stets, dass es nach einer Sperre kein Zurück mehr gebe. Musk kündigte an, solche „lebenslangen“ Sperren abschaffen zu wollen. Am 6. Januar 2021, noch als Präsident, lobte Trump seine Anhänger, die das Kapitol in Washington gewaltsam stürmten. Daraufhin wurde er für Twitter und Facebook gesperrt.

rb/fw (AFP, AP, dpa, Reuters)