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Transplantationen: Die Zahl der Organspenden geht weiter zurück


Stand: 03.11.2022 15:16 Uhr

8.500 Menschen warten derzeit in Deutschland auf ein Spenderorgan. Die Kriterien wurden erst kürzlich angepasst. Doch die Zahl der Spender sinkt weiter. Mediziner sind besorgt.

Die Zahl der Organspender ist in Deutschland deutlich zurückgegangen. Bis Ende Oktober wurden nur 710 Menschen Organe zur Transplantation entnommen, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) mitteilte. Das sind 8,4 Prozent weniger Spender als im Vorjahreszeitraum.

Der Organmangel hat sich nach Angaben der Stiftung für den Jahreskongress erneut verschärft. Sie blicke „mit großer Sorge“ auf die aktuelle Lage. Auch die Zahl der nach dem Tod gespendeten Organe ist zurückgegangen und lag in diesem Jahr bisher bei 2178 – mehr als 200 Organe weniger als im Vorjahreszeitraum.

8.500 Personen stehen noch auf der Warteliste

Derzeit stehen rund 8.500 Schwerkranke auf der Warteliste. Die Situation für wartende Patienten sei „äußerst bedrückend“, sagte Axel Rahmel, Ärztlicher Direktor der DSO.

Als einen der Gründe sieht die DSO die Corona-Pandemie, die das Gesundheitssystem zusätzlich belastet und für zahlreiche Personalengpässe in den Kliniken gesorgt hat. „Die Organspende ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die nicht nur intensives medizinisches Fachwissen, sondern auch Zeit und Ressourcen erfordert“, sagte Rahmel.

Die Kriterien für Organspenden wurden im Mai angepasst – doch die Zahl der Spender bleibt gering.

Bild: dpa

Auch Corona-Positive dürfen spenden

Seit Anfang dieses Jahres können aber auch Organe von Corona-positiven Spendern transplantiert werden. Bisher gibt es in Deutschland 39 infizierte Spender und insgesamt 114 Organe. Keiner der Empfänger wurde infiziert. Bisher waren Corona-Positive, Kontaktpersonen und Rückkehrer aus Risikogebieten von Organspenden ausgeschlossen. Bisher seien aber weltweit „sehr wenige“ Corona-Infektionen durch infizierte Spenderorgane bekannt – „und diese nur im Zusammenhang mit einer Lungentransplantation“, sagte Rahmel. Für diese gilt nach wie vor „extreme Zurückhaltung“.

Im Mai dieses Jahres haben die Bundesärztekammer und die Deutsche Transplantationsgesellschaft die Kriterien für Spender in Deutschland angepasst.