Skip to content
Tote und Verletzte bei Messerattacke in Zug


  1. tz
  2. Welt

Erstellt: Aktualisiert:

Teilt

Polizei und Feuerwehr in der Nähe des Bahnhofs in Brokstedt in Schleswig-Holstein. © Jonas Walzberg/dpa

Bei einem Angriff auf einen Regionalzug im schleswig-holsteinischen Brokstedt gibt es Tote und Verletzte. Ein Mann wird festgenommen. Hintergründe und mögliche Motive sind zunächst unklar.

Brokstedt – Bei einem Messerangriff auf einen Regionalzug von Kiel nach Hamburg sind zwei Menschen getötet und insgesamt sieben Menschen verletzt worden. Drei Menschen seien schwer verletzt worden, teilte die Polizei in Itzehoe mit. Vier Personen wurden leicht verletzt.

Ein Mann im Alter zwischen 20 und 30 Jahren sei festgenommen worden, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwochabend. Es gab erste Hinweise, dass der mutmaßliche Täter psychisch verwirrt sein könnte. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Sicherheitskreisen. Nach vorläufigen Erkenntnissen war der mutmaßliche Angreifer zuvor nicht als Extremist aufgefallen. Laut Schleswig-Holsteins Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) handelt es sich bei dem Mann um einen staatenlosen Palästinenser.

„Die Hintergründe sind noch unklar, ebenso die Identität der Opfer“, sagte die Polizeisprecherin. Der mutmaßliche Täter griff die Menschen im noch fahrenden Zug an. Auch der mutmaßliche Täter wurde nach Angaben der Sprecherin verletzt. Zur Zahl der Verletzten gab es unterschiedliche Angaben – sie schwankte zunächst zwischen fünf und sieben. Auch in mehreren Medienberichten war von lebensgefährlichen Verletzungen die Rede.

Wenige Meter vom Bahnhof entfernt wartete eine Frau aus Bad Bramstedt auf ihre Tochter. Der 18-jährige Student war mit dem Zug von der Universität in Kiel zurückgekehrt. „Sie hat gesehen, wie eine Person vier Reihen vor ihr auf jemanden eingestochen hat“, sagte die Mutter. Sie könne derzeit nicht mit ihrer Tochter sprechen, nur schreiben, sagte die sichtlich bewegte Frau. Die Tochter wartet noch auf eine Aussage bei der Polizei. Die junge Frau blieb unverletzt. „Aber ich denke, es geht ihr schlecht. Was für Leute machen das?“ sagte die Mutter.

Fahrgäste informierten die Polizei

Gegen 15 Uhr gingen bei der Polizei mehrere Anrufe von Fahrgästen im Zug ein. Der Zug wurde nach Benachrichtigung gestoppt, danach verlagerte sich das Geschehen auf den Bahnsteig, so die Sprecherin. Dort sei der Täter festgenommen worden, von wem könne sie aber nicht sagen. Der mittelschwer verletzte Mann wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Die Tat ereignete sich nach Angaben der Bundespolizei kurz vor 15 Uhr vor Ankunft des Zuges am Bahnhof Brokstedt im Kreis Steinburg. Der Bahnhof ist vorerst geschlossen. Brokstedt ist eine kleine Gemeinde an der Bahnstrecke zwischen Elmshorn und Neumünster.

„Es ist sehr schrecklich. Wir sind alle total schockiert und entsetzt, dass so etwas passiert ist“, sagte Schleswig-Holsteins Innenministerin Sütterlin-Waack dem NDR. Sie bekam die Botschaft im Landtag und konsultierte Ministerpräsident Daniel Günther. Sie kam am frühen Abend in Brokstedt an.

Ihre Gedanken seien bei den Familien und Angehörigen der Opfer und sie danke „den Polizisten, die die Täter verhaftet haben, und allen Rettungskräften, die die Verletzten behandelt haben“, heißt es in einer Erklärung ihres Ministeriums. Bundes- und Landespolizei arbeiteten eng zusammen. „Mir ist klar, dass die entsetzliche Tat gegen die gesamte Menschlichkeit gerichtet ist“, wurde Sütterlin-Waack in der Erklärung zitiert.

Schwerstes Verbrechen in einem Zug in Schleswig-Holstein

Laut Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (parteilos) gab es noch nie ein so schweres Gewaltverbrechen in einem Zug wie die tödliche Messerattacke in Schleswig-Holstein. Madsen und der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Nah.SH, Arne Beck, sagten, ihre Gedanken seien bei den Betroffenen und ihren Familien. Sie wünschten den Verletzten eine schnelle Genesung. „Jetzt hoffen wir auf eine schnelle Aufklärung durch die Polizei“, sagte Beck laut Mitteilung.

Am Nachmittag hat ein Angreifer in einem Regionalzug von Kiel nach Hamburg mindestens zwei Menschen getötet und mehrere verletzt. Der Verdächtige wurde festgenommen. Betroffen war laut Bahn der Zugverkehr zwischen Flensburg und Hamburg sowie zwischen Kiel und Hamburg. Die Deutsche Bahn teilte am Abend mit: „Unser tiefstes Mitgefühl gilt den Angehörigen der Opfer. Wir wünschen den Verletzten schnelle und vollständige Genesung.“ dpa