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Tod der letzten Telefonzellen


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Ein Luftbild zeigt alte Telefonzellen der Deutschen Telekom auf einem eingezäunten Gelände in Brandenburg. © Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa

Das Handy macht die ehemals wichtige Telefonzelle überflüssig. Öffentliche Telefonzellen werden in Deutschland bald Geschichte sein. Zeit für Erinnerungen…

Bonn – Für die Smartphone-Generation kaum vorstellbar: Wer auf Reisen oder einfach nur in der Stadt oder auf dem Land unterwegs ist, muss sich erst einmal eine Telefonzelle suchen, um mit den Liebsten zu sprechen oder andere wichtige Dinge zu klären . Bald wird es in Deutschland keine Telefone mehr an öffentlichen Orten geben, die vom technischen Fortschritt völlig überholt wurden.

Öffentliche Telefone waren enge Häuschen, die unangenehm rochen, oft geradezu stanken – nach muffigem Telefonbuchpapier, nach Schweiß, Zigarettenrauch, sogar Urin. Manchmal fielen die Münzen durch den Automaten oder er ging viel zu schnell aus – und Mitbürger warteten ungeduldig vor der Tür.

Das alles sind Erinnerungen an eine vergangene Zeit. Die meisten Menschen unter 30 sind mit ihnen nicht vertraut.

Am Montag (21.11.) wird die Münzzahlung an den rund 12.000 bundesweit verbliebenen Telefonen „deaktiviert“, wie die Telekom in Bonn mitteilte. „Ab Ende Januar wird auch die Bezahlfunktion per Telefonkarte und damit der gesamte Telekommunikationsservice an den Telefonsäulen bzw. -kabinen eingestellt.“ Nach 142 Jahren geht eine Ära zu Ende. Begonnen hat alles 1881 in Berlin mit der ersten „Telefonkioske“.

Deutschlands gelbe Telefonzellen der Bundespost (bestanden von 1947 bis 1994) stachen früher im Stadtbild oder in der Landschaft hervor. Ihren Höhepunkt erreichte ihre Zahl Mitte der 1990er-Jahre, als allein die Telekom (als Nachfolgerin der Bundespost) über 160.000 Telefone betrieb, die nicht nur in Einkaufsstraßen oder an Bahnhöfen, sondern auch in reinen Wohngebieten oder am Bahnhof standen Waldrand.

„Halte es kurz“

Seit Jahrzehnten heißt es „Fass dich kurz!“ lautete eine Bitte an die Häuser – oft ergänzt durch den Hinweis „Nehmen Sie Rücksicht auf die Wartenden“. In der DDR war das noch länger so, weil das private Festnetztelefon dort nicht so schnell zum Massenphänomen wurde.

So wie das Handy für viele Menschen Kameras, Wecker und ein paar andere Zusatzgeräte überflüssig machte, machte das Handy auch Festnetztelefone in der Öffentlichkeit obsolet.

Bis die letzten Telefonstelen endgültig abgebaut sind, wird laut Telekom das Jahr 2025 angebrochen sein. In Absprache mit den Kommunen will das Unternehmen rund 3.000 der zuletzt 12.000 Standorte ohne Telefoniefunktion weiter nutzen. „Sie wandelt die Standorte mit sogenannten Small Cells um. Das sind kleine Antennen, die Handysignale verstärken.“

Die sogenannten Basistelefone und -stelen fanden sich schließlich nur noch an stark frequentierten Bahnhöfen, Flughäfen oder Messegeländen. Die Kolonnen waren nicht mehr wirtschaftlich.

Auch sie sind laut Telekom Stromfresser: „Im Schnitt sind es zwischen 500 und 1250 Kilowattstunden im Jahr.“ Seit der TKG-Novelle Ende 2021 gibt es auch keine „Pflicht zum Betrieb öffentlicher Fernsprecher“. Auch für Notrufe sind sie irrelevant. Auch dort übernahm der Mobilfunk.

Die Telefonzelle, manchmal nur eine Telefonsäule, spielt in unzähligen Filmen und Fernsehproduktionen eine Rolle. So trat sie häufig in der 1970er-Serie „Ein Herz und eine Seele“ mit „Ekel Alfred“ Tetzlaff auf. Die Telefonzelle spielt auch 1998 in Tom Tykwers „Run Lola Run“ eine wichtige Rolle. In dem Action-Thriller ruft der besorgte kriminelle Kurier Manni (Moritz Bleibtreu) seine Freundin aus einer Berliner Telefonzelle an, weil er 100.000 Mark verloren hat. Er droht damit, in den nächsten 20 Minuten einen Supermarkt auszurauben, und Lola (Franka Potente) rennt los, um das Problem anders zu lösen.

Gefangen in einer Telefonzelle

Auch in Filmen anderer Länder wurden Telefonzellen als Drehorte genutzt, zum Beispiel in Kultfilmen wie „Fahrstuhl zum Schafott“ (1958) mit Jeanne Moreau, „Dirty Harry“ (1971) mit Clint Eastwood, „Matrix“ (1999) mit Carrie-Anne Moss oder Don’t Hang Up (2002) mit Colin Farrell. Und manchmal waren sie sogar magisch, wie in Harry Potter und der Orden des Phönix (2007), in dem eine typische rote Londoner Telefonzelle als Eingang zum Zaubereiministerium dient.

Besonders symbolträchtig nutzte der Altmeister Alfred Hitchcock die Telefonzelle. In dem 60 Jahre alten Horrorklassiker „Die Vögel“ betrachtet Tippi Hedren als Melanie Daniels zunächst gefiederte Tiere in einem Käfig. Später, in einem Gewitter mörderischer Vögel, ist sie in einer Telefonzelle gefangen – wie in einem Käfig. Hedrens Figur schafft es gerade noch, ein Haus zu verlassen und zu betreten, bevor die Fenster der Telefonzelle von den Sturzflugangriffen der Vögel zerschmettert werden. dpa

Auch wenn Telefonzellen und -kabinen aus dem Straßenbild verschwunden sind, haben ältere Menschen noch viele Erinnerungen an sie. Sie erinnern sich, wie zeitaufwändig es sein könnte, sich zum Beispiel aus dem Urlaub zurückzumelden und zu sagen, dass Sie gut angekommen sind, was heute nur eine kurze Nachricht oder Whatsapp wäre. Nostalgiker können im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main mehr als 50 Objekte rund um die öffentliche Telefonie besichtigen.

Zahlreiche umgebaute Telefonzellen – sei es als Bücherregal, Eiskiosk, Mini-Tonstudio oder gar Duschkabine – sind deutschlandweit im Einsatz. Ausrangierte Telefonzellen können Sie bei Ebay oder bei der Telekom selbst kaufen.

Eine Telekom-Sprecherin sagt, es gebe ein Zentrallager in der Nähe von Potsdam. Die gelben Zellen von einst sind längst ausverkauft, einige der rund 300 Kilogramm schweren Grau-Magenta-Farben stehen noch zur Abholung bereit. Preis: rund 500 Euro.