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„Tische am Limit“ – Preiserhöhungen führen zu Gedränge


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Bei der Tafel Coburg eV können Kunden einmal pro Woche Lebensmittel einkaufen. © Daniel Vogl/dpa

Hohe Energiekosten, steigende Preise – die Tafeln in Deutschland sehen deutlich die Folgen dieser Entwicklung. Viele, die sonst über die Runden kamen, sind nun auf ihre Unterstützung angewiesen.

Hamburg/Berlin – Eine Stunde vor Eröffnung der Essensausgabe des Arbeiter-Samariter-Bund in Hamburg-Jenfeld stehen an einem nasskalten Tag die ersten Menschen hinter dem Flatterband Schlange. Während sie mit ihren Taschen oder Einkaufswagen geduldig warten, bis eine grüne Ampel die Einfahrt freigibt, stellen Freiwillige darin Kisten auf – gefüllt mit Salat, Käse oder Brot. In Kooperation mit der Hamburger Tafel, die nebenan ihren Sitz hat, können Bedürftige hier einmal wöchentlich Lebensmittelspenden abholen. Wie viele Tafeln in Deutschland hat auch diese Ausgabestelle einen Zulassungsstopp verhängt. Denn der Ukrainekrieg und starke Preissteigerungen haben einen enormen Zustrom ausgelöst.

„Die Situation der Tafeln in Deutschland ist herausfordernder denn je in der 30-jährigen Geschichte“, sagt der Vorsitzende des Dachverbandes der Tafeln, Jochen Brühl, in Berlin. „Wir haben mehr Kunden – gleichzeitig werden weniger Lebensmittel gespendet.“ Menschen in Grundsicherung, Alleinerziehende, Rentner, Flüchtlinge, Obdachlose – mehr als zwei Millionen Menschen kommen den Angaben zufolge zu den mehr als 960 Tafeln in Deutschland.

Plötzlich davon abhängig

In den vergangenen Monaten sei eine neue Gruppe hinzugekommen: Immer mehr Menschen aus dem Niedriglohnsektor, die sonst gerade so über die Runden gekommen wären, seien plötzlich auf die Unterstützung der Tafeln angewiesen, berichtet Brühl.

Das ist auch in Hamburg zu spüren: „Es gibt Menschen, die haben vor zwei Monaten nicht damit gerechnet, dass sie sich jemals bei der Tafel melden“, sagt der Geschäftsführer der Hamburger Tafel, Jan-Henrik Hellwege. Viele schämten sich, an den Tisch zu gehen. „Es ist gesellschaftlich tabu, finanzielle Not zu zeigen.“

Partnerinstitutionen in der Hansestadt übernehmen die Ausgabe an registrierte Bedürftige. Nahezu alle 31 Essensausgabestellen haben laut Hellwege einen Einlassstopp verhängt. Bei der Essensausgabe des Arbeiter-Samariter-Bund in Jenfeld rufen täglich etwa fünf Menschen an, die erstmal vertröstet werden müssen, berichtet Koordinatorin Daniela Skaza.

Maike Funk kommt seit drei Jahren in diese Ausgabestelle. Dieser Schritt sei ihr zunächst sehr schwer gefallen, erinnert sich die Frührentnerin. Am Eingang zeigt sie den Nachweis und zahlt zwei Euro als kleinen Betrag für die Nebenkosten der Aktion. Die Freiwilligen versuchen, eine Ladenatmosphäre für Bedürftige zu schaffen, die sie Kunden nennen. „Butter?“ ein Mitarbeiter fragt, wann Funk vorbeikommt. „Ach ja, Kekse backen“, freut sich die 60-Jährige und packt die Ware in ihre Taschen.

Es spielt immer weniger eine Rolle

„Das Wichtigste ist, die Menschen mit frischen Lebensmitteln zu versorgen, damit sie richtig kochen können“, erklärt Tafel-Geschäftsführer Hellwege. Im Lager der Hamburger Zentrale stapeln sich überschüssige Lebensmittel, die Händler und Hersteller verschenkt haben. Aber es sind weniger als früher.

„Einzelhändler versuchen schon lange, mit unterschiedlichen Strategien weniger zu verschwenden“, sagt Brühl vom Dachverband der Tafeln. „Der Krieg hat auch Logistikketten unterbrochen. Daher gibt es weniger Überschüsse.“

Die Nahrungsmittelausgabe für armutsbetroffene Menschen musste laut Dachverband deshalb vielerorts reduziert werden. Zudem sind die Panels selbst beispielsweise von den Preiserhöhungen für Energie und Verkehr betroffen. „Die Panels sind am Limit“, sagt Brühl. Die Freiwilligen haben seit Beginn der Pandemie viel zu leisten – oft spürt man die Erschöpfung der Helfer. Brühl betont, dass er mit großer Sorge auf die kommenden Monate blickt.

Viele Tafeln bieten weit mehr als die Essensausgabe – etwa warme Mittagsgerichte, Lieferdienste oder Bekleidungsgeschäfte. „Die Arbeit der Tafeln in ganz Deutschland verdient den Respekt und die Anerkennung von uns allen“, sagt Michaela Engelmeier, Vorstandsvorsitzende des Sozialverbandes Deutschland. „Denn so traurig es auch ist: In Zeiten von Rekordinflation und explodierenden Preisen können sich viele nicht einmal mehr das Essen leisten.“ .

Brühl kritisiert, dass staatliche Leistungen oft nicht zielgerichtet seien und appelliert: „Armut ist kein Problem der Armen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem – das scheint nicht alle erreicht zu haben.“ dpa

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