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Tausende fordern eine klimafreundliche Agrarpolitik in Berlin

Unter dem Titel „Wir haben die Agrarindustrie satt!“ protestierten am Samstag in Berlin mehrere Tausend Menschen für klimafreundlichere Anbaumethoden und eine Ernährungsumstellung. Am Vormittag überreichten Landwirte am Rande des Agrarministergipfels Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) eine Protestnote. Im öffentlichen Nahverkehr kam es zu einigen Einschränkungen.

Seit einigen Jahren findet die Demonstration immer zum Auftakt der Agrarmesse „Internationale Grüne Woche“ in Berlin statt. Gegen 12 Uhr formierten sich die Demonstranten vor der SPD-Zentrale im Willy-Brandt-Haus zu einer Auftaktkundgebung, um sich für eine klimafreundliche Landwirtschaft auszusprechen. Die Veranstalter sprachen von insgesamt rund 8.000 Menschen, die Polizei gab an, an der Spitze seien es 7.000 Teilnehmer gewesen.

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„Eine ländliche und ökologischere Landwirtschaft ist die richtige Antwort auf Klimakrise, Artensterben und Hunger in der Welt – nicht Gentechnik, Patente und Glyphosat!“ hieß es im Aufruf zur Demonstration. Auf der Rednerliste standen unter anderem Luisa Neubauer von „Fridays for Future“, Jörg-Andreas Krüger vom Naturschutzbund (Nabu) und Greenpeace-Vorstandsmitglied Martin Kaiser.

Eine ökologische Politik wird es nie mit rechter Politik geben, sondern nur gegen rechte Politik.

Luisa Neubauer von Fridays for Future

„Wir haben nicht die Wahl zwischen ein bisschen und ein bisschen viel ökologischer Politik, sondern zwischen ökologischer Politik und ökologischem Kollaps“, sagte Luisa Neubauer auf der Kundgebung. „Wir sind heute hier, weil wir wissen: Eine ökologische Politik wird es nie mit rechter Politik geben, sondern nur gegen rechte Politik.“

Viele Teilnehmer trugen Bienen- oder Kuhkostüme, auch Fahnen von Umweltschutzorganisationen wie dem Nabu oder dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) waren zu sehen. Inmitten der Demonstration befanden sich unter anderem ein riesiges aufgeblasenes Huhn und ein mehrere Meter langer Regenwurm sowie mehrere Dutzend Traktoren. Viele Demonstranten trugen Plakate mit Slogans wie „Gentechnik und Pestizide – haltet uns von den Feldern fern“, „Genetische Lebensmittel?“ Nein danke“, „Ich glaube, es ist Hacking“ oder „Nein zur Massentierhaltung“.

Einschränkungen im Schienenersatzverkehr

Die Demonstration zog ins Kanzleramt, wo eine Abschlusskundgebung stattfand. Im Anschluss an die Kundgebung fand in der Heinrich-Böll-Stiftung in der Schumannstraße ein „Fest der Agrarwende“ statt.

Wie die Berliner S-Bahn mitteilte, wurde der Ersatzverkehr mit Bussen auf der Linie S1A zwischen Südkreuz und Friedrichstraße aufgrund der Demonstration vorübergehend unterbrochen.

Protestnote an Bundeslandwirtschaftsminister Özdemir

Diverse Futterdemonstrationen mit Traktoren hatten bereits um 7 Uhr morgens unter anderem in Blankenfelde, der Domäne Dahlem und Mahlsdorf begonnen. Unterwegs passierten die Traktoren der Junglandwirte auch den Agrarministergipfel, der am Rande der „Grünen Woche“ auf dem Messegelände stattfindet. Dort überreichten sie Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) eine Protestnote mit über 60.000 Unterschriften.

Auf dem Weg zur Großdemonstration „Wir haben die Agrarindustrie satt“ wurde Landwirtschaftsminister Cem Özdemir von Landwirten eine Protestnote überreicht.
Auf dem Weg zur Großdemonstration „Wir haben die Agrarindustrie satt“ wurde Landwirtschaftsminister Cem Özdemir von Landwirten eine Protestnote überreicht.

© dpa/Monika Skolimowska

In seiner Ansprache an die Landwirte sagte Özdemir: „Ich war jetzt auf einigen Protestveranstaltungen. Die Forderungen, die ich hier höre, passen im Wesentlichen zum Programm meines Ministeriums. Dies ist nicht bei allen Bauernkundgebungen der Fall. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es bei den anderen Protesten deutlich mehr davon gibt.“ Die Frage, um die es im Superwahljahr gehe, sei nicht „wie bringen wir diese Republik nach links, sondern wie verhindern wir, dass sie nach links rutscht“, fuhr Özdemir fort? driftet nach rechts?“

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Auch Özdemir warnte vor rechten Tendenzen in der Gesellschaft: „Was wir brauchen, ist eine Agrarwende und nicht ein Verlust der Solidarität mit den internationalen Landwirten.“ Bei Bauernprotesten hört er immer häufiger rechte Parolen. „Aber Gott sei Dank ist das nicht die Mehrheit der Landwirte.“

Zu den Forderungen des Demo-Bündnisses gehören unter anderem finanzielle Unterstützung der Regierung für den klimafreundlichen Umbau der Tierhaltung, der Abbau klimaschädlicher Subventionen, faire Preise für Produzenten sowie strengere Regeln für den Einsatz von Pestiziden und Gentechnik. Gleichzeitig distanzierte sich das Bündnis von Rassismus, rechter Hetze und Subversionsphantasien. Einige Traktoren trugen Transparente mit Slogans wie „Rechte Rüben unterpflügen“.

Organisiert wurde die Demonstration „Wir haben die Agrarindustrie satt“ von der Kampagne „Meine Landwirtschaft“, einem Zusammenschluss vor allem von Biobauern, Nichtregierungsorganisationen und Umweltschutzverbänden.

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