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„Tatsächlich Liebe“: Jedes Jahr fiebere und weine ich mit (Meinung)


Weihnachtsklassiker
Trotz Kitsch und Sexismus: Warum ich den Film „Tatsächlich Liebe“ liebe

Für die Autorin ist der Film „Tatsächlich Liebe“ alles andere als perfekt – dennoch steht er jedes Jahr auf ihrem weihnachtlichen Programm

© Ronald Grant / Imago Images

Neun verschiedene Beziehungen werden in „Tatsächlich Liebe“ porträtiert – eine schlimmer als die andere. Fiebert und schluchzt unsere Autorin ein ums andere Mal mit den schrägen Charakteren mit Trotzdem.

„Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich immer an die Ankunftshalle im Flughafen Heathrow. Es wird allgemein behauptet, wir leben in einer Welt voller Hass und Habgier. Aber das stimmt nicht. Im Gegenteil, mir scheint, wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glänzend noch spektakulär, aber sie ist immer da.

Es sind diese ersten Sätze von „Tatsächlich Liebe“, die meine inneren Weihnachtselfen jedes Jahr zum Singen bringen.

Als der Film 2003 erschien, war ich neun Jahre alt. Seitdem habe ich ihn mindestens 20 Mal gesehen. Jedes Jahr fasziniert mich eine andere Liebesgeschichte. Jedes Jahr tanze ich vor dem Bildschirm mit dem britischen Premierminister David (Hugh Grant) durch die Downing Street 10. Jedes Jahr bricht mein Herz, wenn Karen (Emma Thompson) von ihrem Ehemann (dem großartigen Alan Rickman) hintergangen wird. Aber natürlich hat sich über die Jahre mein Blick auf den Film verändert.

Ich schäme mich nicht, mich diesem Kitsch hinzugeben. Die sexistischen Witze aber, wie sie etwa über die Körper von Frauen gemacht werden, die vermeintlich zu dick sind, finde ich nicht lustig. Sie ärgern mich sogar maßlos. Auch manche Szene des Premierministers oder des tölpelhaften Möchtegern-Frauenhelden, der in die USA reist, um Amerikanerinnen aufzureißen, erscheint mir schwierig.

Zugegeben: „Tatsächlich Liebe“ ist schlecht gealtert …

„Tatsächlich Liebe“ ist aber auch ein Kind seiner Zeit – der Film würde im Jahr 2023 (hoffentlich) völlig anders aussehen als noch vor 20 Jahren. Und eben weil der Film so schön alt ist, kann ich ihn mit einer anderen Distanz betrachten als Filme von heute. Dann tut er mir gut, so absurd es klingen mag. Besonders zwei Dinge stimmen mich versöhnlich und lassen mich den Film auch in diesem Jahr wieder genießen.

Zum einen bereut Regisseur Richard Curtis die sexistischen Witze und die mangelnde Diversität in seinen Filmen heute. Kürzlich sagte er bei einer Veranstaltung, „jemanden als pummelig zu bezeichnen“ sei früher vielleicht einmal lustig gewesen. Heute würde er das nicht mehr machen. Bei der Veranstaltung wurde er ausgerechnet von seiner Tochter Scarlett interviewt, einer feministischen Autorin, die ihn sehr erfrischend befragte.

Zum anderen ist das Ensemble von „Tatsächlich Liebe“ schlicht großartig. Mit Emma Thompson, Keira Knightly, Colin Firth und Liam Neeson könnte der Film kaum besser besetzt sein. Die Schauspieler sind es, die den teils flachen oder mitunter völlig überzeichneten Charakteren eine Tiefe geben und sie zu Menschen machen, mit denen ich aus tiefstem Herzen mitfühle. In einem Verriss von „Beyond the Boxset“ bringt Autor John Lucas es auf den Punkt: „Niemand außer Hugh Grant hätte diesen Schwachsinn zum Fliegen bringen können.“ Und ja, der „Schwachsinn“ fliegt für mich – auch beim 21. Mal!

…aber ich liebe den Film trotzdem

Deshalb liebe ich den Film bis heute: „Tatsächlich Liebe“ lenkt mich ab und bringt mich in Weihnachtsstimmung. Er lässt mich über den zynischen Rockstar Billy Nighy lachen, über Rowan Atkinson, den langsamsten Verkäufer der Welt, und natürlich über den Hummer beim Krippenspiel.

„Tatsächlich Liebe“ schenkt mir Hoffnung und Wärme in einer Weltlage, angesichts derer man manchmal nur noch verzweifeln möchte. Eine Weltlage, in der mein Kopf ganz, ganz dringend mal einen Film braucht, bei dem man einfach nur abschalten kann. Wenigstens für 135 Minuten. Und spätestens dann, wenn Dido „Here with me“ singt.

Quellen: „Tatsächlich Liebe“, Beyond the boxset, „Guardian“

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