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Tarifstreit in der Metall- und Elektroindustrie: Folge von Warnstreiks (nd-aktuell.de)


Eine Kundgebung der IG Metall Mitte Oktober im Rahmen der zweiten Verhandlungsrunde für Tarife in der Metall- und Elektroindustrie

Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Tarifkonflikte in Krisenzeiten sind für Gewerkschaften schwierig. Sie befinden sich dann meist in der Defensive. Doch die aktuelle Energiekrise macht es anders: Bei hohen Inflationsraten brauchen die Menschen mehr Geld in ihren Lohnpaketen. Gleichzeitig hat die Krise auf dem Arbeitsmarkt noch keine Spuren hinterlassen. Im Gegenteil: Fachkräftemangel ist das beherrschende Thema, nicht Massenentlassungen. Der Tarifkonflikt in der Metall- und Elektroindustrie könnte härter werden als sonst. Die IG Metall hat für das Wochenende bereits Warnstreiks angekündigt.

Die Gewerkschaft war mit der Forderung nach acht Prozent mehr Löhnen in die Verhandlungen für bundesweit rund 3,8 Millionen Beschäftigte der Branche eingetreten. In der dritten Verhandlungsrunde am Donnerstag und Freitag legten die Arbeitgebervertreter*innen nach langem Mauern endlich das erste Angebot vor. Die Gewerkschaftsvertreter lehnten dies teils mehr, teils weniger diplomatisch ab – und kündigten Arbeitskampfmaßnahmen an. Bereits in der Nacht zum Samstag wird es zu ersten Arbeitsniederlegungen kommen. Denn am Freitag endete die Friedenspflicht.

Das Angebot des Arbeitgebers war eine steuer- und abgabenfreie „Inflationsausgleichsprämie“ von 3.000 Euro und eine spätere, noch nicht näher bezeichnete Erhöhung der Gehaltsstaffel. Das alles bei einer recht langen Laufzeit von 30 Monaten, während die IG Metall den Tarifvertrag nur auf zwölf Monate laufen lassen will. „Wer Almosen nur aus taktischen Gründen anbietet, muss die Konsequenzen tragen“, kommentierte IG-Metall-Verhandlungsführer des Tarifkreises, Jörg Köhlinger, das Angebot. »Das Angebot ist mehr als ausbaufähig und wird der Leistungsfähigkeit der Metallbauer nicht annähernd gerecht. Die Tarifrunde lässt sich so nicht lösen“, erklärte Roman Zitzelsberger.

Zitzelsberger ist Verhandlungsführer der IG Metall im wichtigen Tarifbezirk Baden-Württemberg. In den vergangenen Tarifverhandlungen war dies meist der Pilotbezirk für die sieben Tarifbezirke in Deutschland. Das heißt, die dortigen Tarifparteien einigen sich zunächst auf einen Deal, der dann auf die anderen Bezirke übertragen wird. Offenes Geheimnis ist auch, dass Zitzelsberger im kommenden Jahr Jörg Hofmann als Chef der IG Metall beerben will.

Umgerechnet auf das Medianeinkommen bedeute das Angebot des Arbeitgebers laut Zitzelsberger nicht einmal eine zweiprozentige Steigerung. Dies hätte einen massiven Kaufkraftverlust für die Beschäftigten zur Folge. Die Bundesregierung geht für dieses Jahr von einer Inflationsrate von 8,0 Prozent und für das kommende Jahr von 7,0 Prozent aus. Inzwischen behaupten die Arbeitgeber, es gebe nichts mehr zu verteilen. Die Rahmenbedingungen hätten sich weiter verschlechtert, sagte Harald Marquardt, Chefunterhändler von Südwestmetall.

Für Mitte November ist in den Bezirken eine vierte Verhandlungsrunde angekündigt. Wie es dort weitergeht, bleibt abzuwarten. »Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir uns auf eine konfliktreiche Auseinandersetzung vorbereiten. Wir denken auch unterschiedliche Szenarien und damit unterschiedliche Eskalationsgrade durch“, sagte Zitzelsberg und deutete an, dass dieser Tarifkonflikt nicht mit bloßen Warnstreiks beendet werden könne.