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Deutschland Nachrichten

Strukturwandel und Klimaschutz: Wie Bottrop den CO2-Ausstoß halbierte


Stand: 21.11.2022 08:00 Uhr

In nur zehn Jahren hat Bottrop seinen CO2-Ausstoß halbiert. Die Stadt gilt seit langem als Vorbild für andere Industriestandorte. Wie war es möglich, eine ehemalige Bergbaustadt in so kurzer Zeit zu verwandeln?

Die Familie Lachnicht lebt in Bottrop in einem Einfamilienhaus aus den 1950er Jahren. Jan Lachnicht ist Lehrer am Berufskolleg Bottrop, sein Großvater, dem das Haus gehört, war Bergmann. Jetzt lebt dort Enkel Jan mit seiner Frau Nina und zwei Kindern. Im Untergeschoss wurde die alte Gasheizung entfernt und ein Fernwärmeanschluss installiert. „Damit sind wir jetzt komplett autark von fossilen Energieträgern wie Öl oder Gas“, erklärt der 43-Jährige und lacht nicht erleichtert. Und damit ist das Haus eines von vielen, die in Bottrop in den vergangenen zehn Jahren klimafreundlich umgebaut wurden.

Städte sind für 70 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich

Die Sanierung der Stadt begann 2010 als Pilotprojekt. Bürgermeister Bernd Tischler war sich damals sicher: Städte sind für rund 80 Prozent des weltweiten Energieverbrauchs und über 70 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich. „Die Energiewende ist also nur möglich, wenn wir genau dort ansetzen und unsere Städte umgestalten.“

Tischler hatte sich bereits während seines Studiums mit ökologischer Stadtplanung beschäftigt. Doch wie setzt man ökologische Konzepte um in einer vom Steinkohlenbergbau geprägten Stadt, in der gerade die letzten Zechen geschlossen wurden? Viele Menschen waren arbeitslos und kamen kaum über die Runden, erinnert sich Tischler.

Wie baut man eine ganze Stadt ökologisch um?

Die größte Herausforderung: Wie wird man Geringverdienern die Angst nehmen, in den ökologischen Umbau ihrer Wohnungen und Häuser zu investieren? Tischler war überzeugt:

Sie müssen sie, je nach Budget, dazu animieren, ihr Haus oder ihre Wohnung ökologisch umzubauen. Erst die Fenster, dann die Fassaden. Immer mit Zuschüssen der Stadt oder des Landes.

Nach und nach werden in Bottrop alte Heizungsanlagen ersetzt, Häuser an das Fernwärmenetz angeschlossen und sogenannte „Häuser der Zukunft“ gebaut, die nach ihrer baulichen Sanierung mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen. Eigentümer erhalten dafür Zuschüsse.

Energiewende von unten

Der ehemalige Baudezernent Tischler bringt die Akteure an einem runden Tisch zusammen: Vertreter der Wohnungswirtschaft und Industrie, Gewerbebetriebe, Handwerker, Hochschulen, Bürger, Politik und Verwaltung. Sie diskutieren leidenschaftlich über die ökologische Sanierung ihrer Stadt.

Klassensprecher machen Zimmerleute zu Botschaftern, die anderen die Vision des Bürgermeisters erklären: ihren Klassenkameraden, aber auch Großeltern und Eltern. Mitten im Ruhrgebiet entsteht eine Klimastadt der Zukunft. „InnovationCity Bottrop“ wird zu einem Pilotprojekt mit großer Strahlkraft.

Bilanz ist beeindruckend

Auch bei der Photovoltaikdichte pro Einwohner nimmt Bottrop mittlerweile den Spitzenplatz aller nordrhein-westfälischen Großstädte ein. In der Stadt, in der mit der Schließung der letzten Zeche die Ära der Steinkohle zu Ende ging, wird jetzt Klimazukunft geschrieben.

Der sogenannte Bottroper Bauplan lässt sich auch auf andere Städte übertragen. Bürgermeister aus anderen Teilen der Welt suchen Rat bei Tischler. „Gemeinsam haben wir bewiesen, dass sich Klimaschutz auch ökonomisch rechnet, wenn Ökonomie und Ökologie sinnvoll kombiniert werden“, erklärt Burkhard Drescher, Geschäftsführer der „Innovation City Bottrop“. Er betont: „In Bottrop haben Kommune, Landesregierung und Unternehmen hervorragend zusammengearbeitet.“

„Klimaschutz wird vor Ort entschieden“

Bundesumweltministerin Svenja Schulze verfolgt die Entwicklung der „InnovationCity“ seit mehreren Jahren: „Klimaschutz ist nicht nur globale Politik, sondern wird lokal entschieden und gestaltet. Bottrop ist Vorreiter und hat als InnovationCity den Sprung in die Welt geschafft Zukunft“, betont der SPD-Politiker.

Und auch Bundeskanzler Olaf Scholz lobte die Feierlichkeiten zum Abschluss des Pilotprojekts: „Das macht uns Mut für die Weiterentwicklung unseres Landes.“

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