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Strom- und Gasversorgung: Was ist, wenn der Vertrag ausläuft?


Stand: 25.11.2022 09:01 Uhr

Ab Januar sollen die Preise für Strom und Gas gedeckelt werden. Das bedeutet Entlastung für den Verbraucher. Lohnt es sich trotzdem, nach einem günstigen Anbieter zu suchen?

Der Schock war groß, als Nis Andresen an einem Freitag Ende Oktober einen Brief seines Gas- und Stromversorgers in den Händen hielt. Darin hieß es: „Aufgrund der aktuellen Entwicklungen ziehen wir uns zum 1. Dezember dieses Jahres komplett aus der Gasversorgung zurück.“ Anders gesagt: Ab Dezember hätte er keinen Gaslieferanten mehr – und auch die Strompreise dürften steigen. „Das war natürlich ein Schock so kurz vor der Heizsaison. Kein Gaslieferant mehr und Strom um fast 50 Prozent erhöht, und das an einem Freitagnachmittag.“

Letzte alternative Grundversorgung?

Und mit der Bitte, sich bis Montag, 12 Uhr, entschieden zu haben – denn dann würde der „billige“ Strombezug auslaufen. Am Wochenende rollte Nis Andresen Angebote, suchte nach neuen Strom- und Gasanbietern. „Aber die Preise waren horrend“, sagte der Stuttgarter.

Tatsächlich müssen Neukunden mit Preisen zwischen 50 und 140 Cent pro Kilowattstunde Strom rechnen, wie das Vergleichsportal Verivox zeigt. Für eine vierköpfige Familie würde das eine Stromrechnung zwischen 170 und 500 Euro im Monat bedeuten.

Was bleibt, ist die sogenannte Grundversorgung. „Für jede Region wird ein Grundversorger definiert, der die Rolle des Ersatz- oder Grundversorgers übernimmt“, erklärt Rashid Elshahed vom Energiekonzern EnBW. Wenn Verbraucher keinen Strom- oder Gasvertrag mehr haben, weil ihr Vertrag mit dem bisherigen Anbieter ausläuft, „sichert die Ersatzversorgung die Weiterversorgung mit Strom und Gas. Das ist im Energiewirtschaftsgesetz geregelt.“

Auf welche Details zu achten ist

Das heißt, niemand in Deutschland wird plötzlich ohne Strom oder Gas dastehen, auch nicht, wenn ein bestehender Vertrag gekündigt und kein neuer abgeschlossen wurde. Aber auch bei der Grundversorgung gibt es Details, die es zu beachten gilt. Das ist zum einen oft günstiger als die Tauschangebote anderer Anbieter. In Stuttgart beispielsweise zahlt der Nahversorger EnBW derzeit 37 Cent für eine Kilowattstunde in der Grundversorgung. Bis zum Inkrafttreten dieses Tarifs muss der Kunde übergangsweise eine sogenannte „Ersatzversorgung“ für satte 58 Cent pro Kilowattstunde zahlen – und das laut EnBW für „bis zu drei Monate“.

Hier sollten Kunden erst einmal aufpassen, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Die Grundversorger erwecken gern den Eindruck, dass Verbraucher regelmäßig in die Ersatzversorgung einbezogen werden. Das ist falsch! nur in Ausnahmefällen in die Ersatzversorgung geraten. Klassisch ist die Insolvenz oder die Kündigung von Bilanzkreisverträgen und das Scheitern eines Anbieterwechsels.“

Nils Andresen ging am Montagmorgen um acht Uhr ans Telefon – und schaffte es endlich, sowohl bei Gas als auch bei Strom auf die Grundversorgung umzustellen, ohne erst den höheren Ersatzversorgungstarif bezahlen zu müssen. Ganz zufrieden ist er jedoch nicht: „Sicher besser, als sich einen neuen Stromanbieter suchen zu müssen, aber angesichts der kommenden Strom- und Gaspreisbremse fragt man sich natürlich, ob das auf Dauer klug war.“

Strom- und Gaspreisbremse kommt

Denn ab dem kommenden Frühjahr werden die Preise für Strom und Gas gedeckelt. Mit der sogenannten Strom- und Gaspreisbremse will die Bundesregierung die Bürgerinnen und Bürger entlasten. Bereits im Januar soll der Strompreis für Privatverbraucher sowie kleine und mittlere Unternehmen bei maximal 40 Cent pro Kilowattstunde liegen. Ebenfalls ab Januar wird der Gaspreis auf maximal zwölf Cent gedeckelt. Diese Regelung soll bis April 2024 gelten. Beide Deckelungen gelten für den Grundbedarf von 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs.

Aber wenn es ab dem Frühjahr ohnehin eine Preisobergrenze geben wird, lohnt es sich trotzdem, Preise zu vergleichen und nach einem günstigen Stromanbieter zu suchen? „Preisvergleiche lohnen sich auf jeden Fall, denn die Strompreisbremse deckt nur 80 Prozent des Grundbedarfs. Für die restlichen 20 Prozent zahlen Sie also den Marktpreis Ihres Anbieters“, sagt Matthias Bauer von der Verbraucherzentrale Stuttgart. Deshalb sind niedrige Tarife und ein sparsamer Umgang mit Energie nach wie vor von großer Bedeutung.

Keine Preisgarantie im Basisservice

Er rät außerdem: „Wenn Sie eine Strom- oder Gaspreiserhöhung erhalten, prüfen Sie, ob Sie eine Preisgarantie im bestehenden Vertrag haben, denn dann könnte die Preiserhöhung rechtswidrig sein. Wenn Sie trotzdem wechseln wollen, kann die Grundversorgung eine Alternative sein.“ als Übergangslösung.“

Dies bietet jedoch keine Preisgarantie. Die Preise können daher in der Grundversorgung steigen. Anbieter müssten ihre Kunden über Änderungen „mit einer Ankündigungsfrist von sechs Wochen vor Inkrafttreten“ informieren, teilte die EnBW mit.

Nils Andresen ist zumindest vorerst froh, Sicherheit zu haben: „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, was zumindest in den kommenden Monaten finanziell auf uns zukommt, denn die Lage – sowohl auf dem Energiemarkt als auch in der Politik – ist ja sehr dynamisch im Augenblick.“ Und sollte sich die Grundversorgung irgendwann nicht mehr als die beste Wahl für ihn herausstellen, kann sie jederzeit gekündigt werden – mit einer 14-tägigen Kündigungsfrist.