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Stierkampf in Frankreich gesetzlich verboten? (nd-aktuell.de)


Statue des Matadors Christian Montcouquiol: Stierkämpfe haben in Südfrankreich eine lange Tradition.

Foto: dpa-Bildfunk

Der Gesetzentwurf der linken Bewegung La France insoumise (LFI) zum Verbot des Stierkampfs in Frankreich hat in der französischen Nationalversammlung eine heftige und kontroverse Debatte ausgelöst. Hinter dem Antrag stehen nur die Abgeordneten der Bewegung La France insoumise und die Grünen. Auch die Kommunisten und Sozialisten, ihre Partner im linken Parteienbündnis Nupes, haben Vorbehalte. Vor allem aber sind die rechte und rechtsextreme Opposition sowie das Regierungslager in dieser Frage tief gespalten. Es wurde erwartet, dass der Text in der ersten Lesung am Donnerstag keinen Durchbruch schaffen würde.

LFI-Abgeordneter Aymeric Caron, der es mit den Unterschriften von weiteren 100 Abgeordneten eingebracht hat, ist langfristig optimistisch. Laut Umfragen befürworten über 80 Prozent der Franzosen ein Verbot, und selbst in den Städten Südfrankreichs, wo der Stierkampf eine prägende Tradition ist, sind es 61 Prozent. Dem stehen die sehr aktiven Bemühungen einer Pro-Corrida-Lobby gegenüber. Davon zeugte die äußerst kontroverse Debatte vor einer Woche im Bundestagsausschuss, wo der Antrag mit knapper Mehrheit abgelehnt, aber trotzdem an das Plenum weitergeleitet wurde. Weil damit bereits die tiefe Zerrissenheit offengelegt wurde, die sich in dieser Frage durch fast alle Fraktionen zieht, haben sie ihren Abgeordneten die Wahlfreiheit nach persönlicher Überzeugung eingeräumt.

Obwohl Frankreich ein Strafgesetzbuch gegen das Foltern und öffentliche Töten von Tieren hat, erlaubte ein Gesetz von 1951 zwei Ausnahmen unter Berufung auf regionale Traditionen. Dies betrifft einerseits den Stierkampf, der insbesondere in Südfrankreich sehr alte Wurzeln hat, andererseits den Hahnenkampf in Nordfrankreich. Der Antrag des Abgeordneten Aymeric Caron will, dass diese Ausnahme jetzt vom Parlament aufgehoben wird.

Für die Politiker, die den Stierkampf verteidigen, ist der Stierkampf Teil ihrer Bräuche und ihres Erbes, und viele betrachten ihn sogar als Kunst. Rechte Gegner der Verbotspläne werfen dem Verfasser des Gesetzestextes wiederholt Bekenntnis zu militantem Antispeziesismus vor, also der Überzeugung, dass es keine Hierarchie zwischen Mensch und Tier gebe. Der rechtsrepublikanische Oppositionspolitiker Bernard Brochand betont, dass es der Bewegung La France insoumise nur um einen „Schlag“ gegen die Regierung gehe, weil sie sich gegen ein Stierkampfverbot ausgesprochen habe. Die Verteidiger der Stierkampftradition betonen, dass jedes Jahr nur etwa 1000 Stiere betroffen seien und verweisen auf die wirtschaftliche Bedeutung der Corridas für den Tourismus mit einem Gesamtjahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro und rund 1000 Arbeitsplätzen.

Aber Toreros und Stierzüchter machen sich keine Illusionen. Sie wissen, dass der Stierkampf früher oder später verboten wird, aber sie hoffen, dass dieses Datum so weit wie möglich nach hinten verschoben wird.



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