Jannah Theme License is not validated, Go to the theme options page to validate the license, You need a single license for each domain name.

Soll er Ehrenbürger der Stadt Bonn bleiben?


Soll er Ehrenbürger der Stadt Bonn bleiben?

Eine Gruppe von zehn Bonner Bürgern und anderen Interessierten möchte den ehemaligen Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg (1847-1934) von der Liste der Bonner Ehrenbürger streichen lassen. Zu diesem Zweck hat die Arbeitsgruppe „Krieg und Frieden“ um den Informatikprofessor Gregor Büchel und seine Frau Jutta einen neuen Bürgerantrag eingereicht.

Fraktionssprecher Armin Lauven betont, dass Hindenburg keine besonderen Verdienste um das Wohl der Bonner Bürger oder das Ansehen der Stadt zugeschrieben werden könnten. Vielmehr war Hindenburg maßgeblich an Kriegsverbrechen im Ersten Weltkrieg beteiligt und habe 1918 einen früheren Friedensschluss „systematisch verhindert“. Nach dem Waffenstillstand 1918 habe der spätere Reichspräsident die Dolchstoß-Legende ins Leben gerufen, heißt es worauf das siegreiche Militär von der Zivilbevölkerung „erstochen“ wurde. Vor allem Hindenburg bereitete als Reichspräsident 1933 der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft den Weg. „Bonn als Weltstadt, wichtiger Standort der Vereinten Nationen und Sitz zahlreicher (inter)nationaler Organisationen, steht für Menschen- und Bürgerrechte, Demokratie, Sozialfürsorge und Rechtsstaatlichkeit, nicht für Militarismus, Monarchismus, Mangel an Freiheit und Unterdrückung“, argumentieren sie.

Hindenburgplatz und Hindenburgallee umbenannt

Der damals bereits gleichgeschaltete Bonner Stadtrat verlieh Hindenburg am 31. März 1933 den Titel per Akklamation, kurz nachdem die Reichstagswahlen nur teilweise frei waren und Landtag und Kommunalparlamente gleichgeschaltet waren. Ansonsten ist unter den Ehrenbürgern aus der NS-Zeit nur der Zoologe und Museumsgründer Alexander König zu finden.

Neben Reichskanzler Otto von Bismarck fällt Hindenburg aus dem Kreis der 24 weiteren Preisträger aus der Zeit vor der Kommunalreform 1969 und den zwölf seitdem verliehenen Ehrenbürgerschaften heraus, da er keinen persönlichen Bezug zu Bonn hatte. Zu den jüngsten Ehrenbürgern zählen alle Bundespräsidenten bis hin zu Johannes Rau sowie die Bundeskanzler Konrad Adenauer, Ludwig Erhard und Helmut Schmidt – Willy Brandt und Helmut Kohl zählen nicht dazu. Aber sie alle hatten politische Wirkung in Bonn und prägten auch die Stadt.

Bereits 1945 erkannten die ersten Städte Titel an

Laut einer Liste der Online-Enzyklopädie Wikipedia hatten 104 Städte und Gemeinden Hindenburg zum Ehrenbürger ernannt, 63 davon kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933. Fürth und Gelsenkirchen entzogen den Titel unmittelbar nach Kriegsende 1945 posthum, München 1946 und Augsburg 1947. Vor allem in den letzten zehn Jahren folgten mehrere weitere Städte. Unter ihnen waren Hennef und Neuss. Köln hat Hindenburg 1989 von der Liste der Ehrenbürger gestrichen.

Neben Hindenburg wirft vor allem Walter Freiherr von Loé Fragen bei den Ehrenbürgern auf. Der Freund des späteren Kaisers Wilhelm I. hatte in Bonn studiert und befehligte ab 1869 die in der Stadt stationierten Königlichen Husaren. 1897 wurde er nach Bismarck der zweite Bonner Ehrenbürger, elf Jahre vor seinem Tod in Bonn. Für die Ehrenbürgerwürde sprach aus Sicht der Stadtväter die Tatsache, dass Loé als einziger Katholik im Militär zum Feldmarschall des Kaiserreichs befördert wurde. Loé hatte sich jedoch militärisch an der Niederschlagung der bürgerlichen Märzrevolution von 1848/49 beteiligt und bestand darauf, dass sich Offiziere in Ehrenfragen duellierten.

Soll er Ehrenbürger der Stadt Bonn bleiben?

gb02 De