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Social Media: Elon Musk schließt Übernahme von Twitter ab


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Elon Musk schließt Übernahme von Twitter ab

Elon Musk hat den Kurznachrichtendienst Twitter übernommen. Foto

© Adrien Fillon/ZUMA Press Wire/dpa

Nach monatelangem Gezänk hat der Tech-Milliardär Elon Musk Twitter gekauft. Kritiker befürchten, dass das Online-Netzwerk nun zu einer noch größeren Brutstätte von Hass, Hetze und Desinformation werden könnte.

Jetzt ist es offiziell: Elon Musk hat den Kauf des Kurznachrichtendienstes Twitter für rund 44 Milliarden Dollar (44,2 Milliarden Euro) abgeschlossen. Twitter hat gestern die US-Börsenaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission über das Delisting informiert und damit den Vollzug der Übernahme bestätigt.

Damit endet ein monatelanges Hin und Her, das zwischenzeitlich auf ein brisantes Gerichtsverfahren zusteuerte. Musk übernimmt das Online-Netzwerk nun in Privatbesitz – die New Yorker Börse hat die Aktien bereits aus dem Handel genommen. Der Tech-Milliardär will auch ein neues Führungsteam aufstellen.

Musk will selbst Spitzenpositionen einnehmen

Laut übereinstimmenden US-Medienberichten hat Musk am Donnerstag hochrangige Führungskräfte entlassen, darunter den ehemaligen Firmenchef Parag Agrawal und Finanzvorstand Ned Segal. Angeblich wollte Musk den Spitzenposten zunächst selbst übernehmen. Erst mit der Zeit könne er den Job an jemand anderen abgeben, hieß es. Musk twitterte an diesem Abend und bezog sich dabei auf das Firmenlogo: „Der Vogel ist befreit.“ Er führt bereits den Elektroautohersteller Tesla und die Raketenfirma SpaceX.

Laut dem Star-Unternehmer geht es beim Kauf von Twitter um die Stärkung der Meinungsfreiheit. Kritiker befürchten jedoch, dass der Ton auf der Internetplattform verroht wird und befürchten, dass der Eigentümerwechsel zu mehr ungezügelten Hassbotschaften, Hassreden und Desinformation führen wird. Die Bundesregierung sagte gestern, sie wolle die Entwicklungen auf Twitter nach der Übernahme durch Musk „sehr genau“ beobachten. EU-Industriekommissar Thierry Breton warnte Musk in einem Tweet davor, den Kurznachrichtendienst zu einer unregulierten Plattform zu machen: „In Europa fliegt der Vogel nach unseren EU-Regeln“.

Auch eine zu laxe Moderation von Inhalten könnte Werbepartner abschrecken und damit die Haupteinnahmequelle von Twitter gefährden. Vor diesem Hintergrund schrieb Musk am Donnerstag einen offenen Brief an die Werbekunden des Unternehmens. Twitter dürfe kein „Ort des Grauens“ werden, an dem alles ohne Konsequenzen gesagt werden könne, erklärte er. Die Plattform müsse „warm und einladend für alle“ sein. Musk fuhr fort, dass er Twitter nicht gekauft habe, weil es einfach wäre oder um mehr Geld zu verdienen. „Ich habe es getan, um der Menschheit zu helfen, die ich liebe.“

Monatelang wollte er die teure Übernahme abblasen

Eigentlich hatte sich Musk im April mit Twitter auf die Übernahme geeinigt. Im Juli erklärte er die Vereinbarung jedoch wegen angeblicher Falschangaben über Fake-Accounts für ungültig. Twitter klagte daraufhin auf Einhaltung des Kaufvertrags. Anfang Oktober verlängerte der Chef des US-Elektroautobauers Tesla überraschend sein Kaufangebot, was zur Aussetzung des Gerichtsverfahrens führte. Allerdings hatte der zuständige Richter den Streitparteien eine Frist zum Abschluss des Deals bis zum 28. Oktober gesetzt.

Musk hatte monatelang versucht, die teure Übernahme abzublasen. Nachdem sich jedoch immer deutlicher abzeichnete, dass seine Chancen im Gerichtsverfahren eher schlecht standen, gab er seinen Widerstand auf. Damit befindet sich das angeschlagene Unternehmen nun im Besitz eines Mannes, der die Unternehmensführung seit Monaten öffentlich kritisiert und Zweifel am Wert des Unternehmens verbreitet. Dass sich Musk mit seiner neuen Rolle als Twitter-Eigentümer arrangiert hat, war in den vergangenen Tagen deutlich zu erkennen.

Kehrt Donald Trump zu Twitter zurück?

Dass der nach Milliardärsrankings wie der „Forbes“-Liste reichste Mensch der Welt nun die Fäden im Online-Netzwerk zieht, ist auch politisch brisant. Musk hat sich bereits dafür ausgesprochen, den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump wieder auf der Plattform einzusetzen. Im Mai bezeichnete Musk Trumps Verbot von Twitter nach seinen Sympathiebekundungen für Unterstützer, die am 6. Januar 2021 das Kapitol in Washington stürmten, als „moralisch falsch und einfach nur dumm“. Eine Rückkehr in das einflussreiche Netzwerk käme gerade rechtzeitig für Trumps Kandidatur zur Präsidentschaftswahl 2024.

Trumps Reaktion auf den Vollzug der Musk-Übernahme ließ nicht lange auf sich warten. „Ich bin so froh, dass Twitter jetzt in guten Händen ist und nicht länger von linken Spinnern und Verrückten betrieben wird, die unser Land wirklich hassen“, schrieb er gestern auf Truth Social, einer von ihm mitbegründeten Social-Media-Plattform. Twitter muss nun hart daran arbeiten, sich von all den Bots und Fake-Accounts zu befreien, die dem Online-Dienst geschadet haben. „Es wird viel kleiner, aber besser“, sagte der frühere US-Präsident.

Zuletzt wurde Musk auch wegen zweier außenpolitischer Avancen kritisiert. Er schlug vor, Taiwan zu einer „Sonderverwaltungsregion“ unter chinesischer Herrschaft zu machen. Die Regierung in Taipeh wies dies als „inakzeptabel“ zurück. Musk forderte die Ukraine auch auf, Russlands rechtswidrig annektierte Krim aufzugeben und einem von den Vereinten Nationen überwachten Referendum in ihren von Russland gehaltenen Gebieten zuzustimmen.

Schon wieder rote Zahlen?

Unterdessen kämpft Twitter seit langem kommerziell. Angesichts von Inflations- und Konjunkturrisiken halten sich Werbetreibende im Online-Werbemarkt, der mit Abstand wichtigsten Einnahmequelle der Internetplattform, zurück. Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal hat Twitter noch nicht vorgelegt. Im Vorquartal ging der Umsatz jedoch leicht zurück und es entstand ein Verlust von 270 Millionen US-Dollar. Immerhin stieg die Zahl der täglich aktiven Nutzer von 229 Millionen auf 237,8 Millionen.

dpa

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