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Deutschland Nachrichten

Sexualisierte Gewalt: Neue Kampagne gegen Kindesmissbrauch


Stand: 17.11.2022 12:52 Uhr

Gerade in ihrem eigenen Umfeld sind Kinder und Jugendliche dem Risiko sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Eine neue Aufklärungskampagne soll Erwachsene dafür sensibilisieren und helfen, Missbrauch im Alltag besser zu erkennen.

Mit einer neuen bundesweiten Kampagne gegen sexualisierte Gewalt an Kindern wollen das Bundesfamilienministerium und die Bundesmissbrauchsbeauftragte Kerstin Claus mehr Bewusstsein für das Thema schaffen. Die Kampagne trägt den Titel „Den Gedanken nicht wegschieben!“ und soll helfen, Missbrauch im Alltag besser zu erkennen.

Minister Paus erklärte bei der Vorstellung der Kampagne, dass viele Menschen sexualisierte Gewalt in ihrem Umfeld verdrängen würden. Aber genau das sollte nicht passieren. „Wir Erwachsenen haben die Verantwortung, für Kinder da zu sein. Wir haben die Verantwortung, Verdächtigungen nicht abzutun, nicht zuzulassen, sondern ihnen nachzugehen“, sagte der Grünen-Politiker. Die Kampagne zeigt, an wen man sich wenden und wie man helfen kann. Wichtig ist, dass Sie kein Profi sein müssen.

Der Missbrauchsbeauftragte Claus betonte, dass die Vorstellung, dass sexualisierte Gewalt woanders stattfindet, der eigenen Beruhigung dient – ​​aber auch Menschen blenden kann. Nur wer Missbrauch als echte Gefahr erkennt, kann effektiv handeln.

„Und wenn es kein Fremder ist?“

Die Kampagne sollte mit Aussagen beginnen wie: „Geh nicht mit Fremden! – Was, wenn es kein Fremder ist?“ oder „Mach niemandem die Tür auf! – Was, wenn die Gefahr schon drinnen ist?“ Hinterfragen Sie gewohnte Denkmuster. Die Motive sind auf Plakaten, in Anzeigen und Spots in den Medien zu sehen.

In der polizeilichen Kriminalstatistik wurden im vergangenen Jahr 15.500 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern registriert – ein Anstieg von 6,3 Prozent gegenüber 2020. Paus wies darauf hin, dass das Dunkelfeld, also die Zahl der Fälle, die nicht bekannt oder gemeldet wurden, „unvergleichlich größer“ sei. . Etwa drei Viertel der Fälle ereigneten sich im engsten sozialen Umfeld.

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Missbrauchsbeauftragten im Jahr 2021 halten es 90 Prozent der Bevölkerung für wahrscheinlich, dass sexualisierte Gewalt vor allem in Familien stattfindet. Gleichzeitig halten es aber 85 Prozent für unwahrscheinlich oder unmöglich, dass dies in der eigenen Familie passiert. Mit diesem Widerspruch setzt die Informationskampagne an.

Auch politische Schritte wurden angekündigt

Auch die Politik müsse mehr tun, um betroffene Kinder zu schützen, sagte Paus. Die Ministerin kündigte daher an, dem Amt der Unabhängigen Beauftragten für sexuellen Kindesmissbrauch (UBSKM) noch in dieser Legislaturperiode eine gesetzliche Grundlage zu geben. Ziel ist es, die Rechtsstellung des Amtes und seine Aufgaben verbindlicher zu regeln. Außerdem soll laut Paus eine regelmäßige Berichtspflicht gegenüber dem Deutschen Bundestag etabliert werden.

Die neue Kampagne ist als Mehrjahresprojekt angelegt. Nach Angaben des Missbrauchsbeauftragten Claus stehen für dieses und das kommende Jahr 2023 Haushaltsmittel in Höhe von fünf Millionen Euro zur Verfügung. Angestrebt wird eine Förderung auch in den Jahren 2024 und 2025.

Neben der Verbreitung von Informationen sollen lokale Initiativen mit einem Kampagnenbüro gestärkt werden. Auch der Nationalrat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen – ein Bundesforum mit mehreren Arbeitsgruppen – soll die Arbeit unterstützen.

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