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Sex und sexuell übertragbare Krankheiten – Sie können sich gegen das humane Papillomavirus impfen lassen | Wissen & Umwelt | DW


Genitalwarzen sehen sehr unansehnlich aus, können unangenehm sein und Schmerzen beim Sex verursachen. Genitalwarzen haben ihren Namen von ihrer Form, die sich meist nach oben hin verjüngt. Einige sind eher stecknadelkopfgroße, flache Knötchen und zunächst schwer zu erkennen. Sie werden auch als Genitalwarzen bezeichnet. Diese Hautwucherungen im Intimbereich gehören zu den häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten, aber Sex ist nicht der einzige Infektionsweg.

Häufig werden die Erreger auch durch Schmierinfektion übertragen. „Mit humanen Papillomviren (kurz HPV) kann man sich zum Beispiel auch in der Sauna oder bei leichtem Körperkontakt infizieren“, erklärt Norbert Brockmeyer vom Zentrum für sexuelle Gesundheit und Medizin „WIR“ in Bochum. „HPV ist hoch ansteckend, so hoch ansteckend. Es gibt über 200 verschiedene Typen.“ Die ungefährlichen fallen unter die Bezeichnung der Typen mit geringem Risiko. Dazu gehören unter anderem HPV 6 und 11. Sie sind die Hauptauslöser von Genitalwarzen und treten am häufigsten an Genitalien und After auf, gelten aber nicht als krebserregend.

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Einige HPV-Infektionen sind präkanzerös

Unser Körper kommt in der Regel ohne Medikamente mit der Infektion klar. Voraussetzung dafür ist jedoch ein intaktes Immunsystem. Dann erkennt unser Körper die Viren und zerstört sie.

Wer befürchtet, sich angesteckt zu haben, sollte unbedingt zum Arzt gehen und sich untersuchen lassen. Liegen Hochrisiko-HPV-Typen vor, können diese zu Krebsvorstufen führen. Besonders gefährlich sind die Typen 16 und 18. „Tumoren können zunächst wie Warzen aussehen und sich dann weiterentwickeln, oder es treten sofort Hautveränderungen auf“, sagt Experte Brockmeyer. „Sie sehen dann aus wie ein kleines Ekzem, sind manchmal leicht gerötet und schuppen ein wenig ab.

Mit einem Abstrich können im Labor Zellveränderungen analysiert und zugeordnet sowie das HP-Virus bestimmt werden. Ist es ein Typ mit niedrigem Risiko oder ein Typ mit hohem Risiko? Der Arzt entfernt zunächst die Veränderungen. Dafür gibt es verschiedene Methoden: Entfernung per Laser oder durch eine kleine, schmerzfreie Operation. Aber das allein ist noch keine Garantie dafür, dass die Haut- oder Schleimhautveränderungen wirklich ein für alle Mal entfernt werden konnten. Sie können immer wieder nachwachsen. Daher sind regelmäßige Kontrollen äußerst wichtig.

Das Risiko einer Fehlgeburt steigt

Allein in Deutschland erkranken jährlich rund 4.600 Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Etwa ein Drittel von ihnen stirbt an dieser Krebsart. Gebärmutterhalskrebs ist in Europa eine der häufigsten krebsbedingten Todesursachen bei Mädchen und Frauen zwischen 15 und 45 Jahren. Aber auch andere Zahlen sind alarmierend: Mehr als 50.000 Operationen werden jährlich wegen Gebärmutterhalskrebsvorstufen durchgeführt. Frauen, die sich einem solchen Eingriff unterziehen müssen, haben bei Folgeschwangerschaften ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko.

Nicht nur Frauen sind betroffen, auch Männer können sich mit dem HP-Virus infizieren und ein entsprechendes Krankheitsbild – beispielsweise am Penis – entwickeln. Warzen oder Krebs können sich auch an anderen empfindlichen Stellen unseres Körpers entwickeln. Dazu gehört auch der Mund-Rachen-Bereich. Beispielsweise kann Oralsex das Virus auf die Mundschleimhaut übertragen und Tumore im Mund verursachen.

Humane Papillomaviren sind hoch ansteckend

Viele HPV-Infektionen verlaufen asymptomatisch. Das macht sie noch unberechenbarer. „Manchmal reicht schon das Berühren der Warzen aus, um das Virus zu übertragen. Winzige Hautschuppen können ausreichen.“ Gelangen HP-Viren auf Verletzungen – egal wie klein und unauffällig sie sind – kann das Virus übertragen werden. Wie bei allen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) können Kondome das Infektionsrisiko verringern. Sie sind aber auch keine Garantie, denn sie schirmen nicht alle wichtigen Hautpartien im Intimbereich ab.

Die Impfung gegen HPV ist eine Erfolgsgeschichte

HP-Viren werden von Menschen mit einem guten Immunsystem normalerweise zu 90 Prozent eliminiert. Aber wie bei allen sexuell übertragbaren Infektionen (STIs) gilt: Je früher eine Infektion erkannt wird, desto früher und desto besser kann sie behandelt werden.

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Harald zur Hausen entdeckte den Zusammenhang zwischen Viren und Gebärmutterhalskrebs und schuf die Grundlage für die Entwicklung des HPV-Impfstoffs. 2008 erhielt er dafür den Nobelpreis.

Die beste Vorbeugung ist die HPV-Impfung. In Deutschland wurden die ersten beiden HPV-Impfstoffe 2006 bzw. 2007 zugelassen. Sowohl Gardasil als auch Cervarix verhindern eine Infektion mit den Risikotypen HPV 16 und HPV 18, die Krebs verursachen können. Ein weiterer Impfstoff wurde 2015 zugelassen.

Die Ständige Impfkommission STIKO empfiehlt seit Jahren die Impfung von Mädchen zwischen neun und 14 Jahren. Vor dem ersten sexuellen Kontakt ist das Risiko einer Ansteckung durch HP-Viren nahezu null. Die Impfempfehlung gilt nun auch für Jungen, denn auch sie können sich anstecken und das Virus verbreiten. „Mit dem Impfstoff erreichen wir eine Schutzwirkung von über 95 Prozent gegen Tumore und Tumorvorstufen. Deshalb ist es so wichtig, möglichst viele Menschen zu impfen“, appelliert Brockmeyer. Die möglichen Nebenwirkungen sind im Vergleich zum Erfolg der Impfungen ein sehr kleines Übel. Etwaige Rötungen und Schwellungen an der Impfstelle verschwinden nach einigen Tagen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 20.09.2018 und wurde am 25.11.2022 aktualisiert.



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