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Deutschland Nachrichten

Selbstversuch mit 800 Mücken und extremer Hitze – live like 2050


Fernsehkolumne „Jenke. Das Klimaexperiment“: Selbstversuch mit 800 Mücken und extremer Hitze – live like 2050

Dienstag, 04.10.2022, 01:17

Mücken, Schweiß und wenig Wasser: Der Journalist begibt sich auf einen Selbstversuch, der die Bedingungen des Jahres 2050 simuliert. Es ist albern, aber vielleicht verzeihlich, weil es einem ernsten Zweck dient.

Jenke von Wilmsdorff steht auf einer kleinen Eisscholle, die irgendwo im Meer treibt. „Der Klimawandel ist erschreckend real“, warnt der Journalist. „Ich gehe wieder an meine Grenzen, weil wir keine Zeit zu verlieren haben.“ Eisscholle und Wasser sind virtuell, das folgende Experiment nicht. Für von Wilmsdorff wurde ein Tiny House mit kleinem Garten samt Gartenzwerg und Vogelhäuschen hergerichtet. Allerdings befindet sich der Stand in einer Klimahalle, in der Autos normalerweise bei unterschiedlichen Temperaturen getestet werden.

Fünf Tage lang will der 56-Jährige Tag und Nacht hier leben. Tagsüber sind es 33 bis 44 Grad Celsius, nachts sinkt die Temperatur nicht unter 20 Grad Celsius. 17 Grad braucht der menschliche Körper, um sich ausreichend regenerieren zu können. Jenke von Wilmsdorff will herausfinden, wie das Leben in Deutschland unter den von der Wissenschaft prognostizierten Bedingungen im Jahr 2050 aussehen wird.

Klimaexperte warnt: „Gesellschaft fühlt sich viel zu sicher“

Laut einer bundesweiten Umfrage machen sich drei Viertel der Deutschen Sorgen um den Klimawandel. Allerdings änderte nur die Hälfte davon ihr Leben zumindest ein wenig. Die Menschheit weiß schon lange, was sie zu erwarten hat. In den 1970er und 1980er Jahren berechneten Klimamodelle genau, was gerade passiert. Zum Beispiel, dass Deutschland im Jahr 2050 drei Grad Celsius wärmer sein wird als heute. Und das liegt vor allem am Exportweltmeister Deutschland zusammen mit den USA, China und Russland als größtem Emissionsverursacher. Torlaf Staud, Autor und Klimaexperte, sagt: „Die Gesellschaft fühlt sich viel zu sicher. Wir schaffen das, wir sind reich, so schlimm wird es nicht. Aber das ist eine krasse Fehleinschätzung.“ 2050 wird es hierzulande Temperaturen geben wie heute im 850 Kilometer weiter südlich gelegenen San Marino.

Corona-Maske mit Zwiebel

Der Selbstversuch von Jenke von Wilmsdorff ist etwas albern. Offenbar glaubt der Journalist, das Thema Klimaschutz ganz offensichtlich an den Mann bringen zu müssen. So duscht er nur 30 Sekunden, trinkt ein paar Liter und spritzt den Rest in den Garten, weil er nur 50 Liter Wasser am Tag verbrauchen darf. Rasen und Tomaten trocknen immer noch aus. 2050 wird Grün zum Luxus.

Das Klima bereitet Jenke buchstäblich Kopfzerbrechen. Das Blut verdickt sich, wenn es heiß ist. Er hat auch eine Corona-Maske mit einer Zwiebel darin, um zu sehen, wie Allergiker im Jahr 2050 sein werden. Denn Allergien nehmen zu, weil die Pollen länger und zahlreicher fliegen und auch seltsame Pflanzen hinzukommen. Seine Augen tränen. Er hat Probleme beim Atmen. Ein Arzt erklärt, dass die meisten Krankheiten bei heißen Temperaturen sowieso schwerer zu ertragen sind. Dann steht Jenke von Wilmsdorff plötzlich im Sand des ausgetrockneten Po in Italien. Ein Reisbauer sagt: „Der Reis ist tot.“ Es hat seit 50 Tagen nicht geregnet.

Dengue-Fieber, Malaria oder West-Nil-Fieber

Vierter Tag des Selbstversuchs. 800 einheimische Mücken werden in Jenkes winziger Kabine ausgestellt. Weil sich die Mücken bei höheren Temperaturen prächtig vermehren, ist für 2050 mit einer Mückenplage zu rechnen. Mit den Schädlingen kommen Dengue-Fieber, Malaria und West-Nil-Fieber. Also steckte Jenke von Wilmsdorffs seinen Arm in die Kiste eines Mückenexperten mit hunderten heimischen Mücken und dann in die Kiste der Tigermücke, die uns auch 2050 scharenweise begegnen wird. Ergebnis: Die Tigermücke ist deutlich aggressiver. Generell wird der Aufenthalt auf der heimischen Terrasse bald unmöglich: Tigermücken stechen auch tagsüber. In Italien gibt es bereits wirtschaftliche Einbußen, weil Kaffeeliebhaber ihren Cappuccino nicht mehr im Freien schlürfen. Aber das ist natürlich nichts im Vergleich zu den Schäden, die in Deutschland durch Starkregen, Überschwemmungen und Sturmfluten drohen.

Klimaforscher: „Der Einzelne hat Einfluss“

Christina Deckwirth von Lobby-Control erklärt, dass der Ausbau der Erneuerbaren Energien viel weiter gehen würde, wenn Lobbyisten – etwa in der Autoindustrie – nicht jährlich 30 Millionen Euro ausgeben würden, um ihr fossiles Geschäftsmodell politisch abzusichern. In Berlin versuchen Hunderte von Lobbyisten, Politiker von ihrem Standpunkt zu überzeugen. „Ein Problem ist auch die Parteienfinanzierung“, erklärt Deckwirth. „In Deutschland ist es möglich, Parteien unbegrenzt Geld zu geben.“ Stefan Rahmstorf vom Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam hingegen hofft, dass der Klimaschutz endlich etwas Großes bewirken wird. „Wir erleben den massiven Siegeszug der erneuerbaren Energien“, erklärt der Klimaforscher. Außerdem sieht jetzt jeder, dass er persönlich etwas bewirken kann. Fahren, Fliegen, Strom und Fleisch. „Der Einzelne hat Einfluss.“

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