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Wirtschaft und Börse

Sechs Mal hat die Fed in diesem Jahr die Zinsen erhöht, teilweise in riesigen Schritten.


Die Fed setzt ihren aggressiven Kampf gegen die Inflation mit einer weiteren überdurchschnittlichen Zinserhöhung fort – verspricht aber ein langsameres Tempo. Die Zentralbank der größten Volkswirtschaft der Welt hat gestern den Leitzins zum vierten Mal in Folge um 0,75 Punkte angehoben.

„Es wird angebracht sein, das Tempo der Zinserhöhungen zu verlangsamen“, sagte Fed-Chef Jerome Powell. Von einer Abkehr von der strengen Geldpolitik der US-Notenbank zu sprechen, wäre jedoch voreilig.

Nächste Sitzung im Dezember – kleinere Zinserhöhung möglich

Es war die vorletzte Fed-Sitzung des Jahres – im Dezember werden sich die Notenbanker erneut treffen. Powell ließ keinen Zweifel daran, dass die Zinsen stärker steigen werden, als die Fed zuvor erwartet hatte.

Es sei „verfrüht“, die Erhöhungen zu pausieren. „Wir glauben weiterhin, dass kontinuierliche Erhöhungen angemessen sein werden“, sagte er. Ein kleinerer Zinsschritt ist bereits im Dezember möglich – darauf wollte sich der Fed-Chef aber nicht festlegen.

Starker Dollar hat Vor- und Nachteile für Deutschland

Die Fed stärkt mit ihrer strengen Geldpolitik den US-Dollar. Die hohen Zinsen machen den US-Markt für Investoren attraktiver. Der US-Dollar hat in den letzten Monaten gegenüber dem Euro deutlich an Wert gewonnen. Nach der jüngsten Fed-Entscheidung stieg der Euro zunächst. Nachdem Powell jedoch deutlich machte, dass ein Ende der Zinserhöhungen nicht in Sicht sei, fiel er erneut.

Ein schwacher Euro verteuert Reisen in die USA für Touristen aus dem Euroraum deutlich. Auch Importe aus den USA, die in Dollar abgerechnet werden, kosten mehr. Für Deutschland als Exportnation hat ein schwacher Euro aber auch Vorteile, denn Exporte in die USA werden billiger.

Schuldenkrise in Niedrigeinkommensländern befürchtet

Die US-Zinspolitik kann in einkommensschwachen Ländern eine schwere Wirtschaftskrise auslösen. Die straffe Geldpolitik bekommen vor allem Länder zu spüren, die sich während der Pandemie hoch verschuldet und ihre Kredite in US-Dollar aufgenommen haben – aber selbst keine Dollar verdienen.

Die höheren Zinsen verteuern diese Kredite. Auch Importe werden teurer. All dies könnte schwerwiegende Folgen für diese Länder haben – aber auch weltweit. „Eine sich ausweitende Schuldenkrise in diesen Volkswirtschaften hätte schwerwiegende Auswirkungen auf das globale Wachstum und könnte eine globale Rezession auslösen“, warnte der Internationale Währungsfonds (IWF) kürzlich in seiner Wirtschaftsprognose.

Fed macht Fortschritte – andere Zentralbanken ziehen nach

Die Fed hat mit ihren ungewöhnlich großen Zinserhöhungen ein rasantes Tempo vorgegeben. Nach langem Zögern hat die Europäische Zentralbank (EZB) im Juli eine Zinswende hin zu höheren Zinsen eingeleitet. Sie versucht nun, die Inflation mit kräftigen Zinserhöhungen in den Griff zu bekommen und erhöhte kürzlich den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent.

Auch andere Zentralbanken ziehen die Zinsen an. Die britische Zentralbank wird voraussichtlich am Donnerstag die Zinsen um 0,75 Punkte auf 3 Prozent anheben.

Die Inflation bleibt hartnäckig hoch

Bis die Zinspolitik der Notenbanken Früchte trägt und Erfolge bei der Inflationsbekämpfung sichtbar werden, dürfte es noch eine Weile dauern. Im Oktober erreichte die Inflationsrate in der Eurozone einen Rekordwert von 10,7 Prozent. Auch die Verbraucherpreise in den USA bleiben hartnäckig hoch.

Die Inflationsrate ist nach neuesten Daten im September nur leicht gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise im September um 8,2 Prozent. Im August lag die Inflationsrate bei 8,3 Prozent. „Wir haben ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage“, sagte Fed-Chef Powell.

Die US-Wirtschaft könnte in eine Rezession rutschen

Die große Frage ist, ob die Fed und andere Zentralbanken es übertreiben. Es besteht ein wachsendes Risiko, dass die Fed die US-Wirtschaft so stark bremst, dass der Arbeitsmarkt und die Wirtschaft ins Stocken geraten. Eine sogenannte „sanfte Landung“, also ein Ausstieg aus der Situation ohne größere Verwerfungen, werde zunehmend schwieriger, räumte Fed-Chef Powell ein.

Dennoch verteidigte er die strikte Geldpolitik gegen Kritik: „Ich bin froh, dass wir so schnell gehandelt haben und glaube nicht, dass wir zu stark gestrafft haben.“

Starker Arbeitsmarkt als Argument gegen Konjunktureinbruch

Anders als in Europa treiben steigende Löhne auch in den USA die Inflation an. Wenn sich der Arbeitsmarkt aufheizt, steigt der Druck auf die Fed, die Zinsen weiter anzuheben. Viele US-Unternehmen klagen über Arbeitskräftemangel.

„Die Arbeitsplatzverluste könnten geringer ausfallen (…), weil die Zahl der offenen Stellen so hoch und der Arbeitsmarkt so stark ist“, betonte Powell nun mit Blick auf die Frage nach einem befürchteten Konjunktureinbruch. Er machte auch deutlich, dass er noch keine Lohn-Preis-Spirale gesehen habe.

Demokraten müssen bei den Midterms zittern

Für US-Präsident Joe Biden und seine Demokraten ist die hohe Inflation ebenso ein Problem wie die Angst vor einem Konjunktureinbruch. Die hohen Preise werden dem US-Präsidenten und seiner Partei angelastet.

Bei den Zwischenwahlen nächste Woche droht den Demokraten der Verlust ihrer ohnehin knappen Mehrheit im US-Kongress. Umfragen zeigen, dass die Inflation und der Zustand der Wirtschaft die größten Sorgen der Menschen im Land sind.



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