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Schutz vor Hitze: So bleiben Städte cool


Stand: 01.10.2022 20:25 Uhr

Der Sommer 2022 in Deutschland war heiß und trocken – und vieles deutet darauf hin, dass es in Zukunft häufiger zu Hitzewellen kommen wird. Darauf sind die Städte nicht vorbereitet. Aber es gibt Ideen.

Die Klimakrise erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Wetterereignisse. Hitze- und Dürreperioden werden auch in Deutschland häufiger. Dies führt für viele Menschen zu enormen Gesundheitsrisiken. „Es geht nicht mehr um Lebensqualität, sondern um Sterblichkeit“, sagt Christoph Schünemann vom Projekt „HeatResilientCity“ (HRC). „Wenn wir nicht handeln, werden die Opfer in den gefährdeten Bevölkerungsgruppen immer mehr zunehmen.“

Handeln – das heißt auch, Städte anders zu planen. Gebäude in deutschen Städten seien nicht für extreme Hitze gebaut, hohe Temperaturen in dieser Bausubstanz seien „nur schwer zu ertragen“, sagte Schünemann. Hinzu käme in Großstädten der Wärmeinseleffekt, der die Temperaturen in den Innenstädten erhöht. Gefährdete oder gefährdete Personen sind ältere Menschen ab 65 Jahren, Schwangere, Kleinkinder und Säuglinge, chronisch Kranke, Arme und Pflegebedürftige sowie Menschen mit Behinderungen.

Extreme Hitze kann für ältere Menschen schnell lebensgefährlich werden.

Bild: dpa

Hitze ist tödlich

Experten bestreiten nicht, dass es einen Zusammenhang zwischen Todesfällen und Hitze gibt. In den heißen Sommermonaten dieses Jahres starben in Europa überdurchschnittlich viele Menschen. „Gerade in höheren Altersgruppen kommt es regelmäßig zu einer erhöhten Sterblichkeit durch hohe Temperaturen“, lautet das Kernergebnis eines Forschungsprojekts, an dem das Zentrum für Medizinische Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes, das Robert-Koch-Institut und die Umweltbundesamt beteiligt. Für die Veröffentlichung wurden Daten von 1992 bis 2021 ausgewertet.

Doch wie können sich Städte vor der Hitze schützen? Die Forscher der TU Dresden unterscheiden drei Bereiche: Freiraum, Gebäude und Gesundheitsschutz. Sie empfehlen ganz einfach: möglichst viele Bäume und Pflanzen, möglichst viel Schatten und Belüftung sowie Gesundheitserziehung. Sie stützen sich auf Temperaturmessungen in einem Plattenbau in Dresden-Gorbitz, in einem Gründerzeithaus in der Erfurter Oststadt, auf thermische Gebäudesimulationen und auf wissenschaftliche Erhebungen.

Behandle Bäume wie Juwelen

Möglichst viele Bäume zu pflanzen und zu erhalten, ist eine der wichtigsten Outdoor-Maßnahmen. Alte Bäume sollten nicht mehr gefällt werden, und jede noch so kleine Stelle sollte für neue Bäume genutzt werden. „Wir sollten unsere Bäume wie Juwelen behandeln“, sagt Meteorologin Astrid Ziemann vom HRC-Projekt. „Es dauert oft Jahrzehnte, bis ein großer Baum seine Wirkung entfaltet. Die Bäume, die wir haben, sind gut angepasst und durchwurzelt. Ersatzpflanzungen außerhalb der Hotspots helfen wenig.“

Es sei wichtig, große und trockenheitsresistente Bäume zu pflanzen, sagt Schünemann. Allerdings stellten sich U-Bahn-Leitungen oft als Problem heraus, wie das Projekt in Erfurt zeigte. Hier war es schwierig, Platz für 50 Bäume zu finden. „Aber es lohnt sich, in der Stadt Flächen für Bäume auszuweisen, deren Schatten und Kühlung unerlässlich sind.“ Die gefühlte Temperatur im Schatten eines Baumes ist etwa zehn Prozent niedriger als bei direkter Sonneneinstrahlung. Besonders geeignet sind Trident Maple, Resista Ulme und die Chinabirne.

Bestes Rezept gegen Hitze: Schatten.

Grün empfehlen die Wissenschaftler auch dort, wo kein Platz für Bäume ist. Also in Parks, Gärten, Verkehrsinseln, auf Baumscheiben und Gehwegen, auf Plätzen, Dächern und Fassaden, an Bachläufen und Teichen. Besonders Gründächer bieten laut Schünemann großes Potenzial. „Eine intensive Dachbegrünung mit einer dicken Erdschicht und Sträuchern kühlt, speichert Wasser und erhöht die Lebensqualität“, erklärt der Physiker vom Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung. Dazu ist eine gute Statik erforderlich. Bei Neubauten kann dies in die Planung einbezogen werden.

„Enorm viele Flächen sind für Parkplätze versiegelt“, klagt Schünemann. Tiefgaragen und Rasengittersteine ​​in Parkplätzen und Anliegerstraßen sind gute Alternativen. „Am besten wäre eine autofreie Innenstadt.“

Sonnenschutz und Nachtlüftung

Eine universelle Maßnahme gegen Hitze ist Schatten. „Wir sollten die Sonne möglichst von Gebäuden fernhalten“, sagt Schünemann. Jalousien und Markisen sind sehr effizient. Ebenso würden helle Farben auf dem Dach und an der Fassade die Sonneneinstrahlung besser reflektieren. Schünemann empfiehlt außerdem Sonnenschutz und Nachtlüftung. Windows ist oft blockiert. Auskühlen könnten Gebäude aber nur, wenn ein nächtlicher Austausch mit kalter Luft möglich ist. Gerade deshalb muss der Wärmeinseleffekt gering gehalten werden, er sorgt nachts für einen Temperaturanstieg von bis zu zehn Grad.

Dachgeschosse sind besonders heiß – das haben auch die Ergebnisse gezeigt. „Wohnungen in den oberen Stockwerken sind meist minderwertig und heizen stärker auf. Da schwitzt man mehr“, sagt Schünemann. „Dachböden sollten möglichst massiv sein und nicht nur Trockenbau.“ Auch im Freien sind Sonnensegel und der Schattenwurf hoher Gebäude hilfreich. „Man kann sich an südeuropäischen Städten orientieren. Da gibt es enge Gassen, wo die Sonne nicht scheint.“ Helle Farben saugten die Hitze auf, Bäume in Hinterhöfen spendeten Schatten.

Gesundheitsvorsorge ist entscheidend. „Wenn Multiplikatoren – also Pflegedienste, Altenheime, Kitas, Schulen, Vereine oder Wohnungsunternehmen – über Hitze aufklären, kann das eine ganz große Wirkung haben“, sagt Marit Gronwald vom Dresdner Gesundheitsamt. Ab 2023 soll den Kommunen bundesweit ein Wärmehandbuch zur Verfügung gestellt werden.