Skip to content
Schon vor der Energiekrise 2021: 2,6 Millionen konnten nicht ausreichend heizen


Stand: 21.10.2022 10:31 Uhr

Ein ausreichend geheiztes Zuhause war schon vor der Energiekrise nicht für jeden selbstverständlich. 2,6 Millionen Menschen in Deutschland fehlten laut Statistischem Bundesamt dafür an Geld.

Schon vor der aktuellen Energiepreiskrise hatten viele Menschen in Europa nicht genug Geld, um ihre Wohnung ausreichend zu heizen. Davon waren laut Statistischem Bundesamt im vergangenen Jahr rund 2,6 Millionen Menschen in Deutschland betroffen, die nach eigener Einschätzung aus finanziellen Gründen ihr Haus oder ihre Wohnung nicht ausreichend warm halten konnten.

Betroffene Alleinlebende und Alleinerziehende

Das entsprach 3,2 Prozent der Bevölkerung. Besonders stark betroffen waren Alleinlebende (4,3 Prozent der jeweiligen Haushalte) und Alleinerziehende (4,7 Prozent), wie das Amt mitteilte.

Deutschland liegt mit 3,2 Prozent noch im oberen Bereich. In der Europäischen Union (EU) konnten im vergangenen Jahr rund 6,9 Prozent der Bevölkerung ihre Wohnung nicht ausreichend heizen.

Die Ergebnisse stehen auch auf europäischer Ebene dem europäischen Statistikamt Eurostat zur Verfügung. Demnach konnte 2021 fast ein Viertel der Bulgaren (23,7 Prozent) ihre Wohnung nicht ausreichend heizen. Das gilt auch für 17,5 Prozent der Griechen und 14,2 Prozent der Spanier. In Finnland hingegen mussten nur 1,3 Prozent der Menschen zu Hause frieren.

Seit 2020 werden in der EU Gemeinschaftsstatistiken zu Einkommen und Lebensbedingungen erhoben. Sie sollen Aufschluss über die Armutsgefährdung geben. In Deutschland sind die Fragen nach Heizung, Urlaub oder vollwertiger Ernährung Teil des repräsentativen Mikrozensus.

Experten fordern mehr staatliche Entlastungen

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) fordert eine staatliche Entlastungspolitik wegen der überdurchschnittlichen Belastung ärmerer Haushalte durch die Energiekrise. Die Maßnahmen der Bundesregierung gingen „weitgehend in die richtige Richtung“. Die Energiepauschale von 300 Euro kommt vor allem Haushalten mit geringerem Einkommen zugute, da sie versteuert werden muss.

Die prozentuale Heizkostenübernahme nach Normalverbrauch durch den Staat, wie sie mit der Gaspreisbremse vorgeschlagen wird, hat allerdings einen Nachteil: Haushalte mit hohem Verbrauch und hoher Heizkostenrechnung würden in Euro gerechnet stärker entlastet als solche mit geringem Verbrauch. Wird die Entlastung ohne Obergrenze gewährt, erhalten Eigentümer großer Luxusimmobilien laut IMK-Experten Entlastungsbeträge, die im Extremfall ein Vielfaches des Durchschnitts betragen könnten.