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Schnelle Hilfe?: Mini- und Kurzzeitkredite bergen diese Gefahren

Schnelle Hilfe?
Mini- und Kurzzeitkredite bergen diese Gefahren

Wenn das Geld knapp und die Bonität schlecht ist, kann das ein verlockendes Angebot sein: ein Kredit ohne Bonitätsprüfung. Doch wenn etwas so verlockend klingt, ist die Gefahr oft nicht weit entfernt.

Ob Mini-, Klein- oder Kurzzeitkredit: Hinter verschiedenen Namen steckt im Grunde ein und dasselbe Versprechen – Menschen aus finanziellen Engpässen zu helfen. Meist auch schnell und unbürokratisch. Doch was versteht man unter einem solchen Darlehen? Und warum sollten Verbraucher bei solchen Angeboten vorsichtig sein?

Die sogenannten Klein- oder Kurzzeitkredite unterscheiden sich auf den ersten Blick kaum von anderen Ratenkrediten – sie müssen alle mit Zinsen in festen Raten zurückgezahlt werden. Nur: Klein- und Kurzzeitkredite werden in der Regel online beantragt, eine Schufa-Auskunft ist oft nicht erforderlich.

Der eigentliche, für Verbraucher oft unsichtbare Unterschied verbirgt sich woanders: Kredite unter 200 Euro oder solche, die – unabhängig von ihrer Höhe – innerhalb von drei Monaten zurückgezahlt werden müssen, fallen nicht unter die EU-Verbraucherkreditrichtlinie. „Verbraucher sind also nicht geschützt“, sagt Ulf Linke von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFIN).

Verbraucherschutz ungültig

Anbieter solcher Kredite sind nicht wie sonst üblich verpflichtet, in einem schriftlichen Vertrag umfassend über die Kreditkonditionen zu informieren. Das kann es Interessenten erschweren, den Überblick über die Zinsen und sonstigen Kosten des Darlehens zu behalten. Verbrauchern steht das 14-tägige Widerrufsrecht bei Klein- oder Kurzzeitkrediten ebenfalls nicht zu.

Vor allem die anderen Kosten wirken sich tendenziell auf den Kredit aus, beobachtet Marcus Köster von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Denn oft werden für die Kredite spezielle Pakete angeboten, die extra kosten. Zum Beispiel eine, die eine Bonität vorsieht oder eine, die dafür sorgen soll, dass das Geld schnell ausgezahlt wird.

Unternehmen verlangen für diese Angebote gute Preise, und viele Betroffene nehmen dies an. „Ohne diese Pakete macht der Abschluss für Verbraucher oft keinen Sinn“, sagt Verbraucherschützer Köster. Denn Kunden sind oft in akuter finanzieller Not und brauchen das Geld schnell.

Anbieter und Verbraucherschützer sind sich uneinig darüber, ob die Kosten für solche Pakete auf die Kreditkosten angerechnet werden oder nicht. „Wenn sie das tun, stellt sich in vielen Fällen die Frage, ob diese Kosten unmoralisch hoch sind“, sagt Köster. Aber Unternehmen lassen sie gerne weg. Bei unmoralisch hohen Kosten würde ein Darlehensvertrag seine Rechtsgültigkeit verlieren und der Kunde müsste dann nur noch das Geld zurückzahlen, das er tatsächlich erhalten hat, ohne Zinsen oder sonstige Kosten.

Laut Ulf Linke wird die Verbraucherkreditrichtlinie derzeit überarbeitet, ihr Anwendungsbereich könnte künftig auch Klein- und Kurzzeitkredite umfassen. Das ist aber noch Zukunftsmusik. BAFIN und Verbraucherzentralen setzen jetzt auf Aufklärung. Und doch wächst der Markt.

Schuldnerberatung statt neue Schulden

Marcus Köster rät Verbrauchern jedenfalls, die Finger von einem solchen Kredit zu lassen. Seine Erfahrung ist, dass Verbraucher, die solche Angebote nutzen wollen, meist eine schwierige Bonität haben. Das Darlehen öffnet nur ein neues Loch, um ein anderes zu stopfen. Es ist daher absehbar, dass das finanzielle Problem im Folgemonat wieder bestehen wird.

Für Menschen, die akut in Zahlungsschwierigkeiten geraten, sieht der Verbraucherschützer nur eine Alternative: „anerkannte und kostenlose Schuldnerberatung vor Ort“. Dies könnte helfen, die Finanzen nachhaltig und langfristig in den Griff zu bekommen.

Bei Beschwerden kann die Schlichtungsstelle helfen

Wenn Sie bereits mit einem Klein- oder Kurzzeitkredit auf die Nase gefallen sind und glauben, dass ein Anbieter gegen geltendes Recht verstoßen hat, rät die BAFIN, sich zunächst an das betreffende Unternehmen zu wenden. Besteht danach immer noch Anlass zur Beanstandung, kann eine Schlichtungsstelle eingeschaltet werden.

Darüber hinaus können sich Betroffene mit ihrem Anliegen an die BAFIN wenden und eine Beschwerde einreichen. Ulf Linke betont jedoch, dass die Behörde keine Streitigkeiten entscheiden und keine Rechtsberatung für Einzelfälle leisten kann. Unter Umständen könnten die Informationen der BAFIN aber wichtige Hinweise auf Mängel bei beaufsichtigten Unternehmen geben. Gegebenenfalls könnten andere Verbraucher vor einem ähnlichen Ausfall bewahrt werden.

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