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Deutschland Nachrichten

Schmunzler im Ägyptischen Museum (nd-aktuell.de)


Ohne Smartphone und Lokomotive: Die Expeditionsteilnehmer auf einem Aquarell von Johann Jakob Frey und Max Weidenbach, 1842

Foto: Staatliche Museen, Kupferstichkabinett

Bei einem Presserundgang durch die neue Sonderausstellung »Abenteuer auf dem Nil. Preußen und die Ägyptologie 1842–1845« im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel. Es befasst sich mit der preußischen Expedition unter der Leitung des Ägyptologen Richard Lepsius. Die Ausbeute war enorm: Über 1300 Zeichnungen, rund 7400 Imitationen und 75 Gipsabgüsse wurden angefertigt. Ägypten war damals eine Provinz des Osmanischen Reiches. Der Gouverneur Mehmet Ali Pascha genehmigte die Ausfuhr von 1900 antiken Gegenständen als Geschenk für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Eigentlich war der Export damals schon verboten, aber Ali Pascha erlaubte ihn, weil er das bis dahin neutrale Preußen als Verbündeten gewinnen wollte – im geopolitischen Pokerspiel zwischen England, Frankreich und Russland um Ägypten. In Berlin wurden die gespendeten Artefakte zum Hauptbestandteil der Sammlung des Ägyptischen Museums; mit Unterbrechungen durch Krieg und Zerstörung sind sie seit 1855 im Neuen Museum untergebracht.

Durch das Ausstellungsprogramm führt Jana Helmbold-Doyé vom Ägyptischen Museum. Sie erzählt uns gleich zu Beginn, dass „Smilers“ in die Präsentation eingebaut wurden, um vor allem junge Leute für das Publikum zu gewinnen, denn – wie wir alle wissen – junge Leute lächeln gerne. Eines dieser Lächeln ist eine Grafik, die zeigt, dass die Expedition 130 Buchstaben (dargestellt durch 21 schwarze Umschläge), aber null Smartphones (fünf weiße Smartphone-Umrisse) zur Kommunikation verwendet hat. Eine andere Grafik zeigt fünf weiße Flugzeuge, fünf weiße Lastwagen und fünf weiße Dampfmaschinen, um anzuzeigen, dass sie nicht als Transportmittel verwendet wurden, weil sie einfach noch nicht da waren. Es waren 69 Dromedare und zehn Männer als Spezialisten, aber wieder null Komma null Spezialisten (weiße Kleidung), also gar keine, obwohl Frauen schon 1843 erfunden worden waren.

Zu den Zahlen in den Grafiken erklärt Hembold-Doyé: „Was man sieht, ist nicht ausgedacht, sondern recherchiert.“ Wer hätte das gedacht? Wir lernen auch andere interessante Dinge. Dass die osmanische Kolonialverwaltung die Pyramiden von Gizeh (das heute Gisa heißt) abreißen wollte, um aus den praktischen großen Steinen einen schönen Nildamm zu bauen, wurde aber aus Kostengründen leider nicht gemacht. Dass die Expedition auch einen Löwen und einen Nilfuchs mitbrachte, die 1845 im Berliner Zoo landeten, und dass von allen zehn Spezialisten nur einer erkrankte, nämlich der jüngste: der damals erst neunzehnjährige Zeichner Maximilian Weidenbach Beginn der Expedition, von einem Magen-Darm-Infekt . Auf einer Grafik wird dies durch einen stilisierten, doppelt gedrehten Darm dargestellt. Das sieht wirklich krank aus.

Das waren jetzt vielleicht nicht die wichtigsten Informationen zur Ausstellung. Aber es ist wahrscheinlich das, woran sich mein seltsam verdrahtetes Gehirn in einem Jahr erinnern kann. Vielleicht erinnerte ich mich auch daran, dass Expeditionsleiter Richard Lepsius die riesige Widderstatue, die vom Jebel Barkal, einem Berg im heutigen Sudan, nach Berlin entführt wurde und die Besucher am Eingang der Ausstellung begrüßt, „Der fette Hammel“ nannte. Und dass auch Archäologen manchmal Gewissensbisse haben: „Einerseits“, sagt Hembold-Doyé, „bewahren wir historische Dinge, aber andererseits müssen wir sie auch immer wieder zerstören“, aber das steht nicht im Mittelpunkt der Ausstellung. Wer eigene Akzente setzen möchte: Ausstellung anschauen. Es ist es wert. Ja ja.

Bis 7. März, Neues Museum, Berlin



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