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Schlechte Stimmung an der Börse: Die Tech-Riesen sorgen für eine Horrorwoche


Schlechte Stimmung an der Börse
Die Tech-Giganten sorgen für eine Horrorwoche

Von Juliane Kipper

Die fünf größten US-Tech-Unternehmen, deren Umsatz hauptsächlich auf Werbeeinnahmen basiert, haben laut Financial Times in dieser Woche fast eine Milliarde Dollar an Wert verloren. Quartalszahlen und Prognosen von Meta, Alphabet, Microsoft und Amazon ließen die Kurse einbrechen. Allein Apple verbreitete Optimismus. Ein Überblick:

Am Donnerstagabend nahmen die Verluste an der Börse wieder Fahrt auf Amazonas hatte die Wall Street mit einer schwachen Umsatzprognose für das wichtige vierte Quartal erschreckt. Das Weihnachtsgeschäft kurbelt traditionell sogar den Umsatz an.

Hohe Inflation, steigende Zinsen und eingetrübte Konjunkturaussichten führen bei vielen Verbrauchern zu einer Kaufzurückhaltung – das spürt auch der weltgrößte Online-Händler. Der Konzern rechnet daher im Schlussquartal mit Umsätzen zwischen 140 und 148 Milliarden Dollar, wie er nach US-Börsenschluss mitteilte. Das entspricht für Amazon-Maßstäbe einem mageren Wachstum zwischen zwei und acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten hatten deutlich mehr erwartet. Anleger ließen die Aktie nach Börsenschluss um mehr als 20 Prozent fallen. „Amazon ist enttäuscht und muss alles ändern“, sagt Konstantin Oldenburger vom Broker CMC Markets ntv.de.

Amazonas 99,55

Auch die lukrative Cloud-Sparte, die Speicherplatz und Online-Dienste für andere Unternehmen anbietet, wächst langsam. Amazon Web Services (AWS), das Flaggschiff des Cloud-Bereichs, steigerte den Umsatz um 27 Prozent auf 20,5 Milliarden US-Dollar. Im Vorquartal hatte der Anstieg noch knapp ein Drittel betragen. Laut Oldenburger kann man derzeit weder mit der Marge noch mit der Aufteilung der Gewinnbringer zufrieden sein. „Trotz einer bescheidenen Verbesserung bei AWS fielen die Margen in den Segmenten International und US auf den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre.“ Tatsächlich hätte Amazon ohne AWS negative Betriebsergebnisse. „Das Gespenst sogar eines möglichen Umsatzrückgangs in den kommenden Quartalen lastet nun schwer auf der Aktie“, sagte Oldenburger.

Auch die Facebook-Mutterkonzern Meta verzeichnete diese Woche einen Umsatzrückgang aufgrund schwacher digitaler Werbeeinnahmen im dritten Quartal. Es war der zweite Umsatzrückgang in Folge. Zudem blieb der Gewinn hinter den Erwartungen zurück. Der Umsatz ging um 4 Prozent auf 27,7 Milliarden US-Dollar zurück. Bereits im Vorquartal war er um 1 Prozent gefallen. Der Durchschnittspreis für Anzeigen auf Meta ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 18 Prozent gesunken. Damals war sie um 22 Prozent gestiegen. Die Werbeeinnahmen gingen um 4 Prozent auf 27,4 Milliarden US-Dollar zurück. In einem solchen Umfeld hat der Konzern seine Belegschaft im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent erhöht und rechnet im kommenden Jahr mit Mehrkosten von weiteren 16 Milliarden Dollar. „Das sieht auf den ersten Blick nach Nullkostenkontrolle aus, weshalb Investoren die Meta-Aktie auf den niedrigsten Stand seit 2016 schickten“, sagt Oldenburger.

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Meta 97.62

Meta steht vor einer Reihe von Herausforderungen. Die wirtschaftliche Verlangsamung, die Konkurrenz durch Tiktok und die Datenschutzbestimmungen von Apple üben Druck auf den Verkauf digitaler Werbung aus. Die Aktie fiel im nachbörslichen Handel um fast 24 Prozent, wodurch der Marktwert des Unternehmens um 84,6 Milliarden US-Dollar sank. Damit fielen die Aktien von Meta um 74 Prozent unter das Rekordhoch, das sie vor 14 Monaten erreicht hatten, und verlängerten damit den zweitägigen Kursrutsch von Big Tech.

Auch die enttäuschenden Zahlen von Alphabet die Angst vor einem strengen Winter für die Online-Werbung schüren. Viele Investoren hatten gehofft, dass der Internetkonzern dank seiner starken Marktposition den Belastungen der konjunkturellen Abschwächung standhalten würde. Berichten zufolge steigerte Alphabet seinen Quartalsumsatz von 65,118 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum auf 69,092 US-Dollar, verfehlte aber die Prognose der Analysten von 70,58 Milliarden US-Dollar.

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Alphabet 94.45

Gleichzeitig schrumpften die Werbeeinnahmen der Videoplattform YouTube auf 7,07 von 7,2 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn von 1,06 US-Dollar pro Aktie blieb ebenfalls hinter der Markterwartung von 1,25 US-Dollar zurück. „Dies zeigt, dass das Unternehmen nicht immun gegen die Herausforderungen der Online-Werbebranche ist“, sagte Analyst Jesse Cohen vom Online-Broker Investing.com. Vor allem Finanzdienstleister hätten weniger Werbung geschaltet, sagte Alphabet-Finanzvorstand Ruth Porat. Zudem hätten Wechselkurseffekte das Ergebnis geschmälert. Diese Belastungen werden voraussichtlich im vierten Quartal steigen.

Dabei hilft der anhaltende Trend zum Homeoffice Microsoft obwohl die Verluste aufgrund des weltweiten Rückgangs der PC-Verkäufe. Der Quartalsumsatz liegt über den Prognosen, Anleger haben die Aktie jedoch nach Geschäftsschluss verkauft. Trotz gestiegener Inflations- und Konjunktursorgen weltweit konnte der Computergigant im Sommer den Umsatz deutlich steigern. In den drei Monaten bis Ende September stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent auf 50,1 Milliarden Dollar (50,3 Milliarden Euro). Analysten hatten einen Erlös von 49,61 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 2,30 US-Dollar pro Aktie erwartet. Allerdings leidet der Konzern unter dem starken Dollar, der die Auslandsgewinne in US-Währung schmälert.

Nur Apple reißt es heraus

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Microsoft 233,95

„Noch vor wenigen Wochen hätten solche Nachrichten das Potenzial gehabt, den gesamten Markt in die Tiefe zu ziehen“, sagt Oldenburger mit Blick auf die Zahlen von Alphabet und Microsoft. Dass dies nicht geschehen sei, sei „ein gutes Zeichen und spreche für den robusten Zustand der laufenden Erholung“. Gleichzeitig stellt Oldenburger fest: Die Probleme von Alphabet und Microsoft könnten kaum unterschiedlicher sein. Während Microsoft die Analystenschätzungen übertreffen konnte, blieb Alphabet bei Umsatz und Gewinn deutlich hinter den Erwartungen zurück. „Wie bereits befürchtet brechen die Werbeumsätze des Suchmaschinengiganten ein, da die Kunden ihre Marketingausgaben reduzieren. Die hohe Inflation und entsprechend höhere Zinsen belasten die Verbrauchernachfrage, weshalb in diesem Bereich auf absehbare Zeit keine wirkliche Aussicht auf Besserung besteht.“ Monate“, sagt Oldenburger.

Nur Apfel konnte sich in dieser Woche von der Entwicklung der anderen Tech-Giganten abkoppeln, die unter sinkenden Werbeausgaben oder Konjunktursorgen litten. Auch in Zeiten hoher Inflation und Konjunktursorgen ist das iPhone für den Hersteller eine verlässliche Geldmaschine und kann so der Zurückhaltung der Verbraucher trotzen. „Das iPhone ist und bleibt die Cash-Cow des Unternehmens“, sagt Oldenburger. Im vergangenen Quartal steigerte die Gruppe den Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 90,1 Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich stieg der Gewinn von 20,55 auf 20,72 Milliarden US-Dollar.

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Apfel 156.02

Finanzchef Luca Maestri schränkte zudem ein, dass das Umsatzwachstum im laufenden Quartal unter den acht Prozent der vergangenen drei Monate liegen werde. Hauptauslöser ist der starke Dollar, der die Einnahmen umgerechnet in US-Währung um bis zu zehn Prozent schmälern wird. Das Urlaubsquartal ist für Apple traditionell das wichtigste. Das iPhone war mit einem Umsatzanstieg von 38,9 Milliarden US-Dollar auf 42,6 Milliarden US-Dollar ein wichtiger Treiber des Geschäfts. Wie üblich hat Apple die neue iPhone-Generation im September auf den Markt gebracht – diesmal eine Woche früher als 2021.

„Auch wenn die Aktie nach den vorgelegten Zahlen tendenziell leicht negativ ist, Apple hat seinen Kritikern einmal mehr das Gegenteil bewiesen“, sagt Oldenburger. Die erneut guten Zahlen des nach Marktkapitalisierung größten Unternehmens inmitten wirtschaftlicher Unsicherheit sind ein gutes Signal für den Aktienmarkt und könnten durchaus als Katalysator für den jüngsten Aufschwung des Anlegeroptimismus dienen.