Jannah Theme License is not validated, Go to the theme options page to validate the license, You need a single license for each domain name.
Nachrichten Sport

Scheitern war keine Option (nd-aktuell.de)


Für über 40 Millionen Euro saniert: die Rodelbahn in Oberhof

Foto: imago/Christian Heilwagen

Der letzte Rodler für heute Morgen hat gerade den Oberhofer Eiskanal hinuntergeschossen. Der Trainingsblock ist vorbei, es wird ruhig auf der Strecke. Und ein junger Mann mit langem Zopf, einem kleinen Eimer in der Hand, macht sich an die Arbeit. Auf dem Weltmeisterparcours werden diesmal nur Kleinigkeiten repariert – Anfang Januar sah das allerdings noch ganz anders aus.

Zum Jahreswechsel war es im Thüringer Wald so warm und windig, dass sich die Weltcup-Organisatoren entschieden, die 1354,50 Meter lange Strecke mit ihren 15 Kurven und einem Höhenunterschied von 102 Metern komplett neu zu vereisen. „Das macht niemand gerne und es ist wirklich Knochenarbeit“, erklärt Sascha Benecken im Gespräch mit „nd“. Und der achtmalige Weltmeister aus dem nahe gelegenen Suhl weiß diesen Kraftakt, der erst gut zwei Wochen vor der am Freitag beginnenden WM vollbracht wurde, zu interpretieren: »Dass es in Oberhof wieder geknickt hat, zeigt, dass es so ist ein sehr starker Hintergrund. Und vom unbedingten Willen, die Weltmeisterschaften hier tatsächlich erfolgreich zu veranstalten“, betont Benecken, der vermutet, dass die Titelkämpfe auf anderen Bahnen der Rennrodelwelt unter diesen Umständen abgesagt oder zumindest verschoben worden sein könnten.

Das war für die Organisatoren in Oberhof keine Option. Zu prestigeträchtig ist das Projekt, das hier mit der Auszeichnung im Juni 2019 angegangen wurde. Mit Blick auf die Rodel-WM, die unter dem neuen, futuristisch anmutenden Holzdach der Bahn ausgetragen wird, vor allem aber mit klarem Blick auf die Zukunft – und damit auf die Bedeutung des Standorts. „Die Organisation eines solchen sportlichen Großereignisses muss mindestens eine Generation berühren“, erklärt Organisationsleiter Hartmut Schubert. „Auch wenn man sieht, welche Kinderprojekte hier durchgeführt werden.“ Bei der Rodelbahn in Oberhof, die in der ersten Februarhälfte auch Austragungsort des Biathlon-Weltcups war, wurde beispielsweise das ursprüngliche Konzept adaptiert: Eine Kinder-Starthöhe wurde eingerichtet – und ein Trainingszentrum für Jugendliche geschaffen.

»Die Rodelbahn war früher eine halbe Ruine. Jetzt macht es einfach viel mehr Spaß, dabei zu sein und zu trainieren“, sagt Schubert. Der Beauftragte der Thüringer Landesregierung für den Weltcup und Oberhof findet: „Wir haben hier jetzt so gute Bedingungen, die gibt es sonst nirgendwo in Deutschland. «

Das war nicht billig: Inklusive der 9,5 Millionen Euro Zuschuss des Bundes investierte der Freistaat 84 Millionen Euro in die Modernisierung der Sportstätten Oberhof. Gut die Hälfte davon – 44 Millionen Euro – floss in die Sanierung der Rodelbahn. Auch dank dieser Investitionen gewinnt das neue Vorzeigeobjekt im Westen der 1.600-Einwohner-Stadt nun wieder an Attraktivität: Das beobachtet etwa SPD-Politiker Schubert seit der Eröffnung des luxuriösen Familienresorts am Stadtrand im Oktober 2022, »es sind ständig Leute unterwegs, die in den Zug schauen«. Das offensichtliche Interesse vieler Touristen und Urlauber solle „etwas besser kanalisiert“ werden, sinniert der 62-Jährige und denkt an die Möglichkeit, einzelne Führungen durch die verschiedenen Oberhofer Sportstätten gezielt zu bewerben.

Was die Vorlieben der Einheimischen angeht, ist bereits ein Trend erkennbar: In den Sportvereinen in und um Oberhof, die im Winter das Rodeln als Schwerpunkt anbieten, ist die Mitgliederzahl während der Corona-Pandemie gestiegen. Das wachsende Interesse am Rodeln im Eiskanal hat aber auch seinen Preis. Das weiß nicht zuletzt Lokalmatador Benecken und gibt zu: »Es gibt – wie ich finde – berechtigte Kritik in Energiefragen. Denn jeder weiß, dass es viel Energie kostet.«

Und weil das so ist, haben sich die Verantwortlichen des Internationalen Rennrodel-Verbandes Gedanken darüber gemacht, welche Sparmaßnahmen in ihrer Sparte möglich sind. Ein aktuelles Ergebnis der Überlegungen: Im nächsten Jahr soll die WM statt Mitte November Mitte Dezember beginnen. Demnach sollen die Rodler nicht vor dem 1. November, also einen Monat später als sonst, auf dem frisch präparierten Eis fahren.

Eine Fachgruppe hat festgestellt, dass – nicht überraschend – der Oktober der Monat ist, der uns, wie Benecken es ausdrückt, „in Sachen Energie am meisten umbringt“. Der gebürtige Suhler denkt an den großen Altweibersommer im vergangenen Oktober, als die Bahnen trotzdem mit großem Aufwand vereist wurden – ohne dass dies sportlich sehr effizient war. Oder wie Benecken es salopp formuliert: „Wenn es so warm ist, sind die Bedingungen zum Rodeln noch beschissen.“

Der 32-jährige Familienvater weist dann darauf hin, dass Kunsteisbahnen wie die in Oberhof mittlerweile generell energetisch saniert werden. Beispielsweise werden Rundungen oben abgeschnitten. Dadurch verringert sich die Eisfläche und die fleißigen Eismeister mit den kleinen Eimern haben etwas weniger Arbeit. Zumindest in der Höhe.



Schaltfläche "Zurück zum Anfang"