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Scharfe Kritik am Klimaprotest am BER: „Anmaßend und gefährlich“


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Von: Benjamin Stroka

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Protest am BER: Klimaaktivisten der „letzten Generation“ haben am Flughafen Berlin-Brandenburg eine Landebahn blockiert. Der Flugbetrieb wurde für rund eine Stunde eingestellt.

Berlin – Mehrere Aktivisten der sogenannten „Last Generation“ blockierten am Donnerstag (24. November) eine Landebahn am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER). Zuvor hatten sie gegen 16 Uhr einen Zaun aufgebrochen und sich so Zugang verschafft. Die Klimaprotestierenden hatten in den sozialen Medien einen Livestream gestartet, der sie anschließend in Warnwesten und mit Transparenten auf einem Rollfeld am BER zeigte. Einige von ihnen sollen sich auf dem Asphalt festgefahren haben. Der Flugverkehr musste für rund eine Stunde eingestellt werden.

Nach der Aktion am Hauptstadtflughafen nahm die Polizei mehrere Personen in Gewahrsam. Das Polizeipräsidium Brandenburg teilte mit, die Aktivisten würden wegen gefährlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung angeklagt Deutsche Presseagentur Mit. Wie viele Personen sich in Gewahrsam befanden, war zunächst nicht bekannt.

Zahlreiche Politiker kritisierten das Vorgehen der Gruppe „Last Generation“ – teilweise scharf. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) etwa nannte die Blockade „eine erneute Eskalation und absolut inakzeptabel“. Diese Aktionen zerstörten die wichtige gesellschaftliche Akzeptanz des Kampfes gegen den Klimawandel, so Faeser via Twitter: „Ich danke der Bundespolizei für ihr schnelles und entschiedenes Vorgehen gegen diese Kriminellen.“

Noch deutlicher wurde der stellvertretende Vorsitzende der Grünen im Bundestag, Konstantin von Notz. Er nannte sie „kontraproduktiv, anmaßend und potenziell gefährlich“. Die Blockade diskreditiere das „höchst wichtige Anliegen des Klimaschutzes“, sagte von Notz via Twitter. „Diesen Aktionen wohnt auch eine überhebliche Hybris inne. Gleichzeitig sollten wir auf die Macht des Rechtsstaates und die Unabhängigkeit der Gerichte vertrauen. Schon jetzt werden empfindliche Strafen für die Gefährdung des Luftverkehrs erwogen.“

Und die stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Andrea Lindholz (CSU) schrieb: „Flughafengelände sind keine Bühne für politische Aktionen.“ Mit der Beeinträchtigung des Flugverkehrs am Flughafen BER hätten die sogenannten Klimaaktivisten eine weitere rote Linie überschritten. Auf diese schwerwiegende Störung muss die Justiz schnell und mit konsequenten Sanktionen reagieren.

Klimaaktivisten blockieren den Flughafen: Der BER musste den Betrieb einstellen

Der Flughafen Berlin-Brandenburg teilte am Donnerstag kurz vor 17.30 Uhr im Zuge der Protestaktion von Klimaaktivisten mit, dass der Flugbetrieb vorerst eingestellt worden sei. „Aufgrund des unbefugten Zutritts mehrerer Personen sind derzeit beide Start- und Landebahnen am BER gesperrt“, heißt es in einer Mitteilung auf der Facebook-Seite des Flughafens. Gegen 18:15 Uhr gab der BER bekannt, dass beide Start- und Landebahnen wieder in Betrieb seien. „Aber es gibt immer noch Verzögerungen. Wir bitten um Geduld“, hieß es in einem Tweet.

Zuvor hatte der Flughafen gegenüber dem Deutsche Presseagentur erklärt, dass der Flugbetrieb nicht eingestellt werden muss. Die Situation vor Ort habe sich zwischenzeitlich geändert, sagte ein Sprecher der dpa. Die Aktivisten der Gruppe „Last Generation“ hatten das Flughafengelände offenbar sowohl auf der Nord- als auch auf der Südseite erreicht.

Die Aktivisten haben die Start- und Landebahn am BER blockiert (Symbolbild). © Soeren Stache/dpa

„Letzte Generation“: Aktivisten blockieren den Flughafen BER

Im Livestream der Aktivisten waren nach wenigen Minuten Blaulichter zu sehen und kurze Zeit später auch Polizisten zu hören. Sie forderten die Aktivisten auf, das Gelände zu verlassen. Die Demonstranten weigerten sich zunächst. Dann kamen weitere Einsatzkräfte und baten die Aktivisten, die sich in den vergangenen Minuten auf dem Rollfeld bewegt hatten, sich auf den Boden zu legen. Der Livestream endete kurz darauf.

Die Bundespolizei bestätigte, dass sich mehrere Personen auf dem Flughafengelände aufhielten. „Im Bereich des nicht öffentlich zugänglichen Teils des Flughafens sind wir auf mehrere Personen gestoßen, die sich zuvor unerlaubt Zutritt verschafft und sich teilweise selbst verklebt haben“, teilte die Bundespolizei mit. Weitere Informationen gab es zunächst nicht.

Flughafen Berlin-Brandenburg

Der Flughafen Berlin-Brandenburg wurde im Oktober 2020 nach über 14 Jahren Bauzeit eröffnet. Zu den wichtigsten Fluggesellschaften am Flughafen zählen Eurowings, Easyjet und Ryanair.

„Last Generation“-Proteste am Flughafen BER

Wie die „Last Generation“ berichtet, wurde die Polizei kurz vor dem Betreten des Flughafengeländes per Notruf über die Aktion informiert. Außerdem sollen mehr Demonstranten mit Fahrrädern über den Rangierbereich fahren „und damit den Flugverkehr zum Erliegen bringen“, wie die Klimaaktivisten sagen.

In einem Twitter-Post fordert die „Last Generation“: Die Regierung muss jetzt den Bürgern die Teilhabe ermöglichen! Bezahlbarer ÖPNV für alle, statt Privatjetflüge von öffentlich geförderten Flughäfen! Wir brauchen jetzt das 9-Euro-Ticket als erste Sicherheitsmaßnahme gegen den Klimakollaps!“

Klimaprotest am Flughafen BER: „Letzte Generation“ blockierte kürzlich Straßen

In den vergangenen Wochen haben sich die Proteste der sogenannten „letzten Generation“ verschärft. In diesem Zusammenhang wurden auch Aktionen an Flughäfen angekündigt. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen und der Düsseldorfer Flughafen haben bereits angekündigt, sich auf mögliche Proteste vorzubereiten.

Zuletzt waren es vor allem stark befahrene Straßen, die von der „letzten Generation“ blockiert wurden. Die Klimaaktivisten wollen nach eigenen Angaben mit „gewaltfreiem Widerstand“ protestieren und mehr Engagement für den Klimawandel fordern. Auch in Köln fand am Donnerstag (24.11.) eine Protestaktion statt. Aktivisten hatten sich an die innere Kanalstraße geklebt, eine wichtige Verkehrsader in Köln. Hinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 24. November um 21:04 Uhr aktualisiert. Innovation: Mehrere Klimaaktivisten in Polizeigewahrsam. (bs mit dpa)

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