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Immer wieder produziert die Live-Schaltung aus Katar fiese Geräusche. Es ist ein unangenehm hohes Quietschen, das die Ohren erreicht. Die Tonübertragung funktioniert nicht richtig. „Inzwischen sind die Aliens in Katar auf Sendung“, scherzt Kommentator Oliver Schmidt. „Ich höre es auch“, bestätigt Co-Kommentator Sandro Wagner. Natürlich ist Wagner kein Außerirdischer, sondern Trainer in Unterhaching und hat auch keine wirklich große Fußballkarriere hinter sich. Aber der Ex-Stürmer ist nicht für Spitzenfußball im Hier und Jetzt zuständig, sondern für das Emotionale, für das, was alle sehen, aber keiner sagt. Als der Ball nach nur fünf Sekunden Spielzeit die Luft verliert und ersetzt werden muss, beginnt die „wagnersche Emotionalisierung“: „Der Ball ist nicht so emotional wie die Zuschauer. Wir sehen viele der weltbesten Fußballer auf diesem wunderschönen grünen Rasen. Lass es uns einfach genießen.“

Sandro Wagner: „Die Jungs stehen total auf Fußball!“

Sandro Wagner ist nicht der fliegende Bote überraschender Wahrheiten. Keine langen Kastensätze. Keine witzige Expertise. Keine überraschenden Taktiken. Sandro ist Sandro. „Dieser Druck! Das spürt man hier oben, obwohl man damit nichts zu tun hat“, sagt er und fügt hinzu: „Was für ein Tempo die 22 Mann da unten haben. Respekt! Die Jungs stehen total auf Fußball!“ Seiner besonderen Rolle als Kommentator ist sich Sandro Wagner stets bewusst: „Wenn Adrien Rabiot einen Schuss wie ein Pferd hätte und das Ding da oben einhämmerte, dann wäre alles anders. Aber das Schöne ist, dass man es von hier oben interpretieren kann, wie man will.“ Mit anderen Worten, im Nachhinein ist man immer klüger. Oder: Wer kommentiert, hat immer recht.

Sandro Wagner: „Ich hoffe auf 18 Minuten Nachspielzeit.“

Vielleicht wäre es sogar besser, wenn Ex-Stürmer Wagner die große Analyse gar nicht erst versuchen würde. Irgendwie klingt das immer süß bei ihm. „Es ist ein Brettspiel. Manchmal können Engländer und Franzosen zuschauen, manchmal sind die Franzosen an der Reihe“, erkennt er. Oder Wagner holt für die Schlussphase taktische Finessen heraus: „Normalerweise schickt man die großen Jungs nach vorne und probiert es mit langen Bällen.“ Wagner ist immer gut, wenn die Fußballliebe in ihm aufblitzt. Nachdem die Engländer einen Elfmeter zum 2:2 verschossen hatten, ergriff Wagner klar Partei: „Ich hoffe, dass sich die Engländer davon erholen.“ Uhr gesehen. Wir sind bereits in der 88. Minute. Ich bin total überrascht, wie unterhaltsam es war. Es gibt Spiele, bei denen du denkst, sie werden nie enden. Ich hoffe hier auf 18 Minuten Nachspielzeit.“

Sven Voss: „Englische Fans tragen heute Hosen“

Sandro Wagner muss kein Experte sein, denn das ZDF hat sich ohnehin für jede Frage einen eigenen Experten gekauft: Per Mertesacker und Christoph Kramer im Studio und Sven Voss vor dem Stadion in Katar. Letzterer habe ernsthaft festgestellt, dass die „englischen Fans heute Hosen tragen“. Hoppla! Voss meint natürlich nicht, dass die Engländer normalerweise keine Hosen tragen, sondern lieber in kurzen Hosen ins Stadion gehen, sondern bei den aktuellen 15 Grad lieber lange Hosen. Auch das wäre geklärt. In der Halbzeitpause schaut Jochen Breyer zu Christoph Kramer rüber und sagt: „Ich kenne dich schon lange, aber so wütend wie in der ersten Halbzeit habe ich dich noch nie erlebt.“ „Was meinst du mit wütend? Das ist ein weit gefasster Begriff“, kontert Kramer und legt los. „Für England ist viel mehr drin, als sie spielen. Soweit ich weiß, ist Kyle Walker an Kylian Mbappé abgeordnet. Die Engländer wollen nicht in einen Gegenangriff laufen. Aber ich habe noch nie eine Fläche von fünf mal 40 Metern unbespielt gesehen. Die Engländer könnten den Franzosen wirklich schaden.“

Per Mertesacker: „Der Schiedsrichter hatte kein gutes Blatt“

Ähnlich kompromisslos ist Per Mertesacker. „Ein Top-Torhüter hätte den Ball weg bekommen“, sagt der Weltmeister und verweist auf die vergeblichen Versuche des englischen Schlussmanns Jordan Pickford, ein 0:1-Gegentor zu kassieren. Der Ball war 25 Meter in der Luft. Merte zählt auch den Schiedsrichter. „Schade, dass der Schiedsrichter keine gute Hand hatte.“ In 20 Minuten wurden den Engländern zwei Chancen genommen: ein verschossener Elfmeter und ein verschossenes Foul, was letztlich zu einem Tor führte. Generell ist die Gunst des deutschen Experten-Duos auf der Seite der Engländer und besonders bei Harry Kane, der den zweiten Elfmeter verschoss. Kramer sagt: „Kane tut mir persönlich sehr leid.“ Merte kommentiert: „Die Engländer haben ein tolles Turnier gespielt. Kane hat sich angespannt. Er ist der tragische Held.“