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Russische Invasion: Krieg gegen die Ukraine: Das ist die Situation

Russlands Angriffe auf die Energieversorgung der Ukraine treffen vor allem Zivilisten. Beim russischen Beschuss von Cherson kommen mehrere Menschen ums Leben. Die Neuigkeiten auf einen Blick.

Neun Monate nach Beginn der russischen Invasion in der Ukraine wird die Lage der Zivilbevölkerung angesichts russischer Angriffe und winterlicher Temperaturen immer verzweifelter. Nach massiven Angriffen Russlands sowie Strom- und Wasserversorgungsausfällen liefen die Instandsetzungsarbeiten auf Hochtouren – doch die Lage blieb am Donnerstag äußerst angespannt.

Der stellvertretende Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Timoschenko, sagte, das Stromnetz der Ukraine sei wieder intakt. Wie viele Haushalte nach den Blackouts vom Vortag wieder mit Strom versorgt wurden, machte er allerdings nicht konkret. Von den Angriffen war nicht nur das Netz betroffen, sondern vor allem die wichtigen Umspannwerke.

Der staatliche Atomkonzern Enerhoatom kündigte an, die für die Stromerzeugung zuständigen Atomkraftwerke am Abend wieder ans Netz zu bringen. Mehrere Kernkraftwerke hatten sich im Zuge der Anschläge automatisch abgeschaltet.

Russland ist am 24. Februar in die Ukraine einmarschiert und hat seitdem viele Orte schwer zerstört. Zehntausende Menschen wurden getötet. Ein Ende des Krieges, den Moskau zunächst schnell gewinnen wollte, ist nicht in Sicht.

Wiederherstellung der Wasserversorgung in Kiew

Neben dem flächendeckenden Ausfall der Stromversorgung gab es infolge der russischen Angriffe vielerorts kein Trinkwasser. Zeitweise brach die Wasserversorgung in Kiew komplett zusammen. Am Donnerstag wurde es wiederhergestellt – bis das Leitungssystem wieder voll ausgelastet ist, werde es aber noch dauern, sagte Oberbürgermeister Vitali Klitschko.

Laut Kiew hat das russische Militär am Mittwoch rund 70 Raketen und Drohnen auf die Ukraine abgeschossen. Wie bei den vorangegangenen Angriffen waren die Ziele vor allem Objekte aus dem Energiesektor. Nach Angaben der Air Force wurden 51 Raketen und 5 Drohnen abgefangen. Aber die verbleibenden Raketen töteten zehn Menschen, darunter ein Baby.

Cherson meldet vier Tote nach russischem Beschuss

Nach Angaben der regionalen Behörden wurden beim russischen Beschuss der südukrainischen Stadt Cherson sieben Menschen getötet und etwa 20 verletzt. Die erst kürzlich von ukrainischen Truppen besetzte Stadt sei mit Artillerie und mehreren Raketenwerfern beschossen worden, sagte Regionalgouverneur Jaroslaw Januschewitsch. Durch den Beschuss fing ein Hochhaus Feuer. Eine Kugel traf einen Kinderspielplatz. „Heute ist eine weitere schreckliche Seite in der Geschichte unserer Heldenstadt“, schrieb der Gouverneur auf Telegram. Die ersten Berichte hatten von vier Toten gesprochen.

General Surovikin, berüchtigt für Angriffe auf Zivilisten

Der Kommandant der russischen Truppen in der Ukraine, General Sergej Surovikin, war bereits in Syrien dafür berüchtigt, zivile Ziele anzugreifen, um seine Gegner zu schwächen. Nach seiner Ernennung in der Ukraine Anfang Oktober sind Angriffe auf die kritische Infrastruktur des Landes zu einem festen Bestandteil der russischen Kriegsführung geworden.

Moskau räumt Zivilisten ein, die unter seinen Angriffen leiden

Der Kreml gab offen zu, dass die russischen Angriffe die Zivilbevölkerung hart treffen. Die ukrainische Führung könne das Leid der Zivilbevölkerung leicht beenden, indem sie „die Forderungen der russischen Seite erfülle“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Im Übrigen beschieße Russland keine für das Gemeinwohl wichtigen Einrichtungen, behauptete Peskow. „Es gab und gibt keine Treffer auf soziale Objekte“, sagte der Sprecher trotz der Zerstörung von Krankenhäusern, Schulen und Wohnungen.

Russlands UN-Botschafter will Kiew mit Bomben zur Realitätsnähe zwingen

Auch Moskaus UN-Botschafter Wassili Nebensja nahm kein Blatt vor den Mund. Russland werde das militärische Potenzial der Ukraine weiter dezimieren, bis Kiew eine „realistische Haltung“ zu den Verhandlungen einnehme, sagte Nebensia im Sicherheitsrat in New York. Die Angriffe auf die Infrastruktur seien die Antwort „auf das Vollpumpen des Landes mit westlichen Waffen und die unklugen Forderungen nach einem militärischen Sieg Kiews über Russland“, sagte er. Die Ukraine fordert den Abzug aller russischen Truppen.

Warschau: Deutsche Patrioten halten Polen in der Ukraine fest

Unterdessen ließ die Regierung in Polen Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht erscheinen. Warschau schlug vor, in der Westukraine ein amerikanisches Patriot-Flugabwehrsystem einzusetzen, das von Deutschland für die Luftverteidigung Polens angeboten wird. Dies sei ein guter Vorschlag, um „das westliche ukrainisch-polnische Grenzgebiet und das östliche polnisch-ukrainische Grenzgebiet“ zu schützen, sagte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki.

Kiew, das mehr Waffen zur Verteidigung gegen Luftangriffe fordert, begrüßte die Initiative. Allerdings hatten sich Lambrecht (SPD) und ihr polnischer Kollege Mariusz Blaszczak darauf geeinigt, dass das System in Polen stationiert werden soll, nachdem vergangene Woche im polnischen Grenzgebiet zur Ukraine zwei Zivilisten durch eine Rakete getötet worden waren.

Lambrecht sagte in Berlin, die Patrioten seien Teil der integrierten Luftverteidigung der Nato und für Nato-Territorium bestimmt. Sollten sie außerhalb des NATO-Territoriums eingesetzt werden, muss dies vorher mit der NATO und den Alliierten abgesprochen werden.

EU-Parlament billigt Milliardenkredite für Ukraine

Das EU-Parlament hat Plänen für neue Milliardenkredite von bis zu 18 Milliarden Euro für die Ukraine zugestimmt. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission ist das Darlehen an Bedingungen geknüpft. Im Gegenzug sollte die Ukraine die Korruption energischer bekämpfen und Justizreformen einleiten. Der Rat der Mitgliedstaaten muss dem Kredit im Dezember noch einstimmig zustimmen. Seit Kriegsbeginn haben die EU und die Mitgliedsstaaten die Ukraine Berichten zufolge mit 19,7 Milliarden Euro unterstützt.

dpa

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