Russische Flagge im Treptower Park, Beamte patrouillieren im Tiergarten

Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland und der Zweite Weltkrieg endete in Europa. In Russland wird der Gedenktag am 9. Mai gefeiert – und auch in Berlin finden Veranstaltungen statt. Vertreter der russischen Botschaft in der Hauptstadt legen üblicherweise Kränze an Gedenkstätten nieder.

Neben Persönlichkeiten aus der Politik gedenken auch Privatpersonen, Gruppen und Vereine der Soldaten der Roten Armee. Reporter der Berliner Zeitung berichteten über den Tag.

Am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten legten Vertreter aus Turkmenistan, Kirgisistan und Kasachstan Kränze nieder.

Am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten legten Vertreter aus Turkmenistan, Kirgisistan und Kasachstan Kränze nieder.Sophie Marie Schulz

Am Sowjetischen Ehrenmal an der Straße des 17. Juni war die Lage während der Kranzniederlegung angespannt. Aufgrund der großen Absperrung um das Brandenburger Tor war das Denkmal nur eingeschränkt zugänglich. Gegen Mittag hatten sich fast 200 Menschen vor dem Denkmal in der Straße des 17. Juni versammelt. Auf dem Höhepunkt waren es 300 Menschen. Es bildeten sich immer mehr Gruppen und es wurden rote Nelken und Rosen verteilt. Vor der Kranzniederlegung patrouillierten Beamte auf den Stufen des Denkmals.

Hier kam es zu Zusammenstößen mit ukrainischen Anhängern. Eine ukrainische Flagge wurde gezeigt. Dass es kein Verbot ukrainischer Flaggen gibt, führte bei den Teilnehmern zu Unverständnis. Die Polizei musste einschreiten.

Ein Mann mit einer russischen Flagge auf den Schultern geht durch den Treptower Park in Berlin.Carola Tunk

Sowjetisches Ehrenmal im Tiergarten: Verbale Auseinandersetzungen mit Ukraine-Anhängern

Nach dem Ende der offiziellen Gedenkveranstaltung kämpften Anhänger der Ukraine hinter einer Absperrung und Anhänger Russlands tauschten Worte aus. Die Leute schrien sich gegenseitig an und es flossen Tränen. Durch die Polizeipräsenz beruhigte sich die Lage schnell wieder. Russlandfreundliche Anhänger feierten den Tag des Sieges bis zum Nachmittag. Mitglieder des russisch-nationalistischen Motorradclubs „Nachtwölfe“ besuchten auch das Sowjetische Ehrenmal im Tiergarten. An der Gedenkstätte seien immer wieder kleine Gruppen mit Motorrädern und Fahnen aufgetaucht, sagte eine Polizeisprecherin.

Gedenkfeier im Treptower Park: Kranz für ukrainische und russische Flaggen

Seit den frühen Morgenstunden versammeln sich die Menschen im Treptower Park rund um das Sowjetische Ehrenmal. Russische Flaggen waren zu sehen, obwohl sie verboten waren. Ein Mädchen sagte: „Dies ist ein russischer Gedenktag, es macht keinen Sinn, dass russische Flaggen hier nicht erlaubt sind.“

Die Polizei war vor Ort. Bis zum Vormittag kamen rund 700 Menschen in den Treptower Park. Besucher legten einen Kranz für die Ukraine nieder. Der Kranz wurde vor die russischen Kränze gelegt und nach Diskussion beiseite genommen. Eine Frau empörte sich über den Kranz: „Das ist eine Provokation!“ Das hat die Geschichte vergessen.“

Rainer Sonnenberger von einer ukrainischen Initiative sagte der Berliner Zeitung: „Ein weiterer Kranz von uns im Tiergarten wurde am Mittwoch abgelegt.“ Weil der Botschafter komme, sagte ein Mann, der nur Russisch sprach. „Die Frage ist, ob er aus eigener Initiative oder auf Weisung der Senatsverwaltung gehandelt hat“, sagte Sonnenberger.

Zum offiziellen Teil waren mehrere orthodoxe Priester und der russische Botschafter Sergej Jurjewitsch Netschajew angereist. Nach einigen Diskussionen war dies bereits gegen 10:30 Uhr vorbei

Die Staaten Vietnam, Weißrussland, Aserbaidschan und Tadschikistan legten im Treptower Park Kränze nieder. Auch ein anonymer Kranz mit roten, blauen und weißen Blumen wurde niedergelegt, allerdings mit der Aufschrift „in stiller Erinnerung“.


Fotogallerie

Die größte Demonstration war für Donnerstag auf der Straße des 17. Juni mit 1.000 Teilnehmern zum Gedenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten angekündigt. Welche weiteren Veranstaltungen stattgefunden haben und stattfinden – ein Überblick:

Welche Veranstaltungen finden am 9. Mai in Berlin statt?

  • Treptower Park – „Reclaiming Remembrance 1945–2024“: Gedenken gegen den Krieg, gegen Diktatur und Instrumentalisierung der Geschichte (ganztägig, bis Mitternacht)
  • Puschkinallee – „Ehre die gefallenen sowjetischen Soldaten! Gegen Faschismus und Krieg! Hände weg vom Sowjetischen Ehrenmal!“ (8:00 bis 20:00 Uhr)
  • Im Treptower Park – „Danke an die Befreier – Nein zum Krieg!“ (8:30 bis 10:30 Uhr)
  • Treptower Park – „Frieden für Europa! Russische Soldaten aus der Ukraine“ (9.00 bis 17.00 Uhr)
  • Im Treptower Park – „Im Gedenken an die Opfer des Zweiten Weltkriegs, der bis heute andauert, des heldenhaften Kampfes der Roten Armee gegen den deutschen Nationalsozialismus, Faschismus und Militarismus, für Freiheit und Volksherrschaft – für Heimat und Weltfrieden – für eine Zukunftsfähigkeit.“ leben für alle Menschen die konkrete Umsetzung des Potsdamer Abkommens Teil III Deutschland – der Krim-Erklärung durch die Umsetzung der unterlassenen Entnazifizierung und Entmilitarisierung Deutschlands gemäß Artikel 139 des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland (BRD), SHAEF-Gesetz Nr § 1 Aufhebung der NS-Gesetze III Abs. 4, weiter den ehrenamtlichen Abschluss der fehlenden Friedensverträge mit über 54 am Krieg beteiligten Nationen zur endgültigen und dauerhaften Beendigung der bis zum heutigen Tag bestehenden Kriegslisten (HLKO Art. 24)“ (9.00 Uhr bis 21 Uhr)
  • Treptower Park – „9. Mai: Tag der Befreiung – Tag des Sieges“ (11 bis 14 Uhr)
  • Yitzhak-Rabin-Str. – „Kundgebung zum Gedenken an die gefallenen sowjetischen Soldaten im Zweiten Weltkrieg“ (11:30 bis 13:00 Uhr)
  • Demozug vom Treptower Park: „Antifaschistisches und feministisches Gedenken zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus“ (13.00 bis 16.00 Uhr)
  • Treptower Park – „79. Jubiläum“ (13 bis 16 Uhr)
  • Treptower Park – „Flamme der Erinnerung“ (14.00 bis 19.00 Uhr)
  • Demozug vom S-/U-Bahnhof Friedrichstr. – „8. Mai – Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!“ (17.00 bis 21.00 Uhr)

Die Berliner Polizei hatte bereits vor dem eigentlichen Gedenktag mehrere Verbote ausgesprochen. Sowjetische Gedenkstätten und Kriegsgräber stehen nicht nur unter besonderem behördlichem Schutz, sondern auch für einen reibungslosen Betrieb soll gesorgt werden. Demnach wurden mehrere Symbole verboten, „die geeignet sind, den Russland-Ukraine-Krieg zu verherrlichen“. 600 Polizisten sollten die Veranstaltungen begleiten. (mit dpa)

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