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„RTL-Samstagabend“-Wiedersehen: Wer wird gleich stutzig?

„RTL Saturday Night“-Wiedersehen
Wer bekommt gleich eine Menge Fotze?

Von Kai Butterweck

Das Kult-Ensemble „RTL Saturday Night“ feiert seine große Reunion-Party. Außerdem dabei: legendäre Sketche aus einer anderen Zeit, Musik von „Doofen“ und „Prinz“ und Erinnerungen an ein viel zu früh verstorbenes Genie der Branche.

Als im November 1993 die TV-Comedy-Serie „RTL Saturday Night“ erstmals über die deutschen Bildschirme flimmerte, steckte die Comedy-Branche hierzulande noch in den Kinderschuhen. Otto, Fips Asmussen und Didi Hallervorden waren damals noch lustig – die ganz, ganz alte Schule. 30 Jahre später feiert die Ur-Crew des einstigen Pionierformats nun ein großes „Wiedersehen“.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Torsten Sträter geht es dann richtig los. Plötzlich sind sie alle wieder vereint: Meine Damen und Herren Tanja Schumann, Esther Schweins, Olli Dittrich, Wigald Boning, Stefan Jürgens und Tommy Krappweis. Angeführt von ihrem Entdecker und Förderer Hugo Egon Balder schwelgen die Comedy-Urgesteine ​​einmal mehr in kunterbunten Sketch-Erinnerungen.

Bomberjacke, Jogginghose, Plastik-Rolex

„Die News“ mit Esther Schweins und Stefan Jürgens beschäftigt sich mit den wirklich wichtigen Fragen des Lebens. Es geht um die Relevanz von Straßenumfragen und die Karriere von Nino de Angelo – Themen, die wirklich jeden interessieren. Auch nicht unwichtig: Wie geht es Mike Hansen? Stilecht mit Bomberjacke, Jogginghose und Plastik-Rolex räkelt sich die Kultfigur aus der Kolumne „Zwei Stühle – Eine Meinung“ im Interview-Stuhl. Ja, Olli Dittrich hat es dreißig Jahre später immer noch.

Auch sein Klamauk-Kumpel und „Die Doofen“-Partner Wigald Boning ist in Bestform. Mit seinem sattgrünen Kunstrasen-Zweiteiler zieht der quirlige Komiker alle Blicke auf sich. Auf der Couch wird viel gelacht. Fans und Freunde gehen auf die Knie (Atze Schröder, Ingo Appelt, Tahnee, Markus Maria Profitlich), Erinnerungen an alte Zeiten flimmern über die Bildschirme im Studio und die Zuschauer vor Ort können nicht aufhören zu applaudieren. Alle lachen. Alle haben gute Laune.

„Mirco war einfach einzigartig“

Doch dann wird es plötzlich still und dunkel in der Halle. Ein großer Teil des Formats fehlt an diesem Abend. Sein Name: Mirco Nonchev. In einem längeren Gedenkblock ziehen alle Anwesenden den Hut vor einem der größten Comedy-Talente, das das Land je hervorgebracht hat. Alte Skizzenausschnitte werden wieder wach. Bei Esther Schweins und Tanja Schumann flossen Tränen: „Mirco war einfach einzigartig“, sagt Hugo Egon Balder mit heiserer Stimme.

Nachdem jeder seinen ganz persönlichen „Micro Moment“ auf der Couch preisgegeben hat, drängt der Spaß und die Freude an ewigen Erinnerungen den kurzen, aber intensiven Anflug von Traurigkeit wieder in den Hintergrund. „Die Doofen“ singen über „Crocodiles in the Fall“. In der kultigen „Kentucky Screams Fucking“-Rückblende ist Stefan Jürgens am Ende noch „big crap“. „Neues von Spocht“ darf natürlich auch nicht fehlen. Valderama schickte seine Schamhaare an den Dalai Lama ? Olli Dittrich zwinkert und kann sich ein Lächeln nicht verkneifen.

„Die Doofen“ und „Die Prinzen“ laden zum Skatanz ein

Nach drei Stunden ist der Retro-Magen voll. Der Fan weiß jetzt auch, dass ein Wigald Boning mehr als 150 Rasenhaarschneider in einer Vitrine zu Hause stehen hat und dass Tommy Krappweis einst für den großen Stefan Raab hinter der Musikvideokamera stand. Eine letzte Werbepause, bevor „Die Doofen“ und „Die Prinzen“ in ein letztes Ska-Abenteuer starten („Du musst ein Schwein sein“). Dann ist es vorbei. Hugo Egon Balder hat das letzte Wort: „Das war toll. In dreißig Jahren sehen wir uns alle wieder!“ der Chef klingt hinter den Kulissen. Es wäre nett.