Skip to content


KSK-Mann festgenommen: Wie aus einem loyalen Sonderkommando-Soldaten ein radikaler Reichsbürger wurde

Andreas M. soll mit seinen Kameraden einen Putsch in Deutschland geplant haben. Wie aus einem ergebenen Beamten ein radikaler Reichsbürger wurde.

„Als Soldat in der Reserve war es eine Ehre, meinem Land zu dienen.“ Jeder, der so spricht, muss ein treuer und rechtschaffener Bürger dieses Landes sein. Doch die Worte stammen von einem Mann, der angeblich Teil einer Terrorgruppe ist, die den Staat hasst und einen Putsch plant. Andreas M. ist Soldat und nach Ermittlerangaben Mitglied der Gruppe von Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern, deren Köpfe am Mittwoch bei einer bundesweiten Razzia festgenommen wurden. Aber er ist auch Autor eines Buches; Das obige Zitat stammt aus einer Beschreibung seines Buches über seine Mission in Afghanistan.

KSK-Mann bezeichnet sich selbst als „pflichtbewussten Soldaten“

Andreas M. hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. In der Beschreibung des Buches gibt er an, dass er nach seiner Ausbildung zum Koch seinen Wehrdienst abgeleistet habe. Er verpflichtete sich jedoch für zwei Jahre und verlängerte sie dann auf acht Jahre.

Laut „Bild am Sonntag“ arbeitete er als Feldkoch bei der Bundeswehr, danach auch bei einem Logistikunternehmen und als Hundeführer bei der Feuerwehr. Aber seine wahre Leidenschaft scheint die Arbeit für die Truppen gewesen zu sein. So meldete er sich dreimal als Reservist zum Einsatz in Afghanistan. Andreas M. schreibt: „Davor war ich acht Jahre lang ein, ja, ich kann sagen: ein pflichtbewusster Soldat.“

Und dann: „Trotz vieler Weiterbildungen und Übungen blieb der praktische Einsatz zunächst rein theoretisch. Bis zum 9.11. Ein Tag, an dem sich auch mein Leben veränderte. Bei meinen Einsätzen in Afghanistan lernte ich die ungefilterte Realität kennen Ja, ich habe auch die Kameradschaft des Soldatenlebens schätzen gelernt, weshalb ich mich vier Jahre später wieder bei der Bundeswehr gemeldet habe. Bis heute bin ich als Medienproduktionsfeldwebel in der Reserve tätig.“

Andreas M. radikalisierte sich

Laut „Spiegel“ gehört Andreas M. dem KSK an und ist als Logistiker bei der Spezialeinheit der Bundeswehr beschäftigt. Obwohl er „eher ein Bürokrieger als ein gut ausgebildeter Kommandosoldat“ ist, hat er durch seine Einsätze militärische Erfahrung.

Nach seinen Einsätzen in Afghanistan kam er in die KSK-Zentrale nach Calw. Genossen würden den heute 58-Jährigen laut dem „Spiegel“ als etwas „schrägen, aber ansonsten unauffälligen Kerl“ bezeichnen. Zwischenzeitlich erkrankte er an Prostatakrebs und schrieb darüber ein Buch, das 2021 erschien.

Und offenbar wurde Andreas M. in dieser Zeit immer radikaler und für sein Umfeld deutlich sichtbar. Sein WhatsApp-Profilbild wird spätestens 2021 vom „Deep State“ sprechen. Doch erst Monate später wurden seine Vorgesetzten beim KSK misstrauisch. Im Februar 2022 lehnte er die Corona-Impfung ab, weil die Impfpflicht in der Bundeswehr möglicherweise „nicht mit den noch geltenden alliierten Besatzungsgesetzen vereinbar“ sei. Es ist die typische Sprache der Reichsbürger, die Deutschland als noch von den Alliierten besetzt beschreiben. Der Militärgeheimdienst stufte M, der damals wochenlang krankgeschrieben war, als „Querdenker“ ein.

Truppe lehnte offenbar Entlassung ab

Im April beantragte der Stabsfeldwebel seine Entlassung nach dem Soldatengesetz, da der Verbleib im Dienst eine besondere Härte für ihn bedeuten würde, berichtet die „BamS“. Danach wurde die Entlassung des KSK und des Einheitsarztes genehmigt, das Personalamt der Bundeswehr lehnte sie jedoch ab. Möglicherweise wegen des Personalmangels, heißt es in dem Bericht.

Laut „Spiegel“ gehen die Ermittler davon aus, dass M. im Oktober Mitglieder der mutmaßlichen Terrorgruppe mit seinem Militärausweis in eine Kaserne geschmuggelt hat. Sie sollten offenbar herausfinden, ob die Anlagen nach dem Umsturz für die Unterbringung der eigenen Truppen geeignet seien.

Abstruse Machenschaften, die tiefe Einblicke erlauben. Damit wird deutlich, dass sich M. in den letzten Jahren grundlegend verändert haben muss. Denn die Beschreibung der zweiten Auflage seines Afghanistan-Buches spricht von einem weltoffenen Mann und keineswegs von einem Radikalen. Darin heißt es: „Die Zeit in Afghanistan hat mich zutiefst menschlich geprägt. Je länger ich in diesem fernen Teil der Welt war, desto tiefer wurde mein Verständnis für die Kultur der Menschen des Landes. Neue Perspektiven auf ein Land, das in den Medien nur noch als Krisengebiet wahrgenommen wird. Aber ich habe auch die Schönheit gesehen und Freunde gefunden.“

mta