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Deutschland Nachrichten

Regierungskritiker im Iran: Tausende folgen Protestaufrufen


Stand: 15.11.2022 16:27 Uhr

Im Iran gehen weiterhin Regierungskritiker auf die Straße. Aktivisten hatten Aufrufe zu Protesten herausgegeben. Unterdessen befürchtet das UN-Menschenrechtsbüro weitere Todesurteile gegen Demonstranten.

Nach Aufrufen zu Protesten gingen im Iran Tausende Menschen gegen die Regierung auf die Straße. In der Hauptstadt Teheran versammelten sich Demonstranten an Universitäten, zentralen Plätzen und Basaren, sagten Augenzeugen. An mehreren Orten sollen Sicherheitskräfte gegen die Proteste gewaltsam vorgegangen sein.

Die neuen Demonstrationen sollen an die gewaltsame Niederschlagung der Proteste von 2019 erinnern, die als „Blutiger November“ mit mehreren Hundert Toten bekannt wurden. Damals ging es zunächst um steigende Benzinpreise. Die Demonstrationen wandten sich jedoch schnell gegen die politische Führung in Teheran.

Streiks und neue Proteste gegen die repressive Politik im Iran

Katharina Willinger, ARD Istanbul, Tagesschau um 20:00 Uhr, 15.11.2022

Protestanrufe als Notiznachrichten

Aktivisten hatten in den vergangenen Tagen zu mehrtägigen Protesten und Streiks aufgerufen. Aktivisten im Land setzen angesichts der Beschränkungen im Internet zunehmend auf Zettel. In den kurdischen Provinzen des Iran sind Händler Berichten zufolge dem Streikaufruf gefolgt, und viele Geschäfte blieben heute geschlossen. Mehrere Beschäftigte eines staatlichen Stahlwerks nahe der Stadt Isfahan sollen ihre Arbeit niedergelegt haben.

Seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Amini im September gehen Menschen im ganzen Land auf die Straße, um gegen die vielfältigen Einschränkungen ihres täglichen Lebens, insbesondere der Situation von Frauen, zu protestieren. Nach Angaben der Sittenpolizei hatte Amini gegen die strenge Kleiderordnung verstoßen und starb wenige Tage nach ihrer Festnahme in Polizeigewahrsam.

Die Vereinten Nationen fordern die Freilassung der Festgenommenen

Das UN-Menschenrechtsbüro forderte den Iran auf, Tausende von Menschen freizulassen, die in den vergangenen Wochen wegen friedlicher Proteste gegen das System festgenommen worden waren. Die Anklagen gegen die Demonstranten sollten fallen gelassen werden, sagte der Sprecher des UN-Hochkommissars für Menschenrechte, Jeremy Laurence, in Genf.

Laurence warnte davor, dass die iranische Justiz zahlreiche Todesurteile verhängen könnte. Mindestens 10 Personen wurden mit der Todesstrafe angeklagt, weil sie an den Protesten teilgenommen haben, darunter „Krieg gegen Gott“ und „irdische Zerstörung“, was die Zerstörung von öffentlichem Eigentum bedeutet.

Unter Berufung auf NGOs, die die Situation beobachten, sagte Laurence, seit Beginn der Proteste vor etwa zwei Monaten seien 326 Menschen gewaltsam ums Leben gekommen, darunter 25 Frauen und 43 Minderjährige.

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